Scholl-Abschied "Mehmet ist für uns ein Heiliger"

Die einen liebten ihn nur, die anderen vergötterten ihn: Zum Abschluss der einzigartigen, aber unvollendeten Karriere Mehmet Scholls schaut das Star-Ensemble des FC Barcelona in München vorbei. SPIEGEL ONLINE blickt noch einmal auf das Wirken und die Worte des inzwischen 36-Jährigen.


München - Ein letztes Mal noch wird er sich das rote Trikot mit der Nummer 7 überstreifen. Noch einmal wird er zum Dribbling ansetzen, seine berühmten Haken schlagen und vielleicht den einen oder anderen Freistoß schießen. Nach dem letzten großen Auftritt im Spiel um den Franz-Beckenbauer-Cup gegen den FC Barcelona (18 Uhr, live in der ARD) sagt Scholl "ohne Wehmut" servus. " Ich freue mich für Mehmet, dass er einen so tollen Abschied bekommt", sagt Trainer Ottmar Hitzfeld.

Kein Jux-Spiel wollte Scholl zu seinem Abschied, sondern eine ernsthafte Partie, die dem Uefa-Cup-Teilnehmer FC Bayern wenigstens einen Hauch von Champions League beschert. Und mit dem neuen Star Franck Ribéry steht rechtzeitig zum Abschied endlich ein adäquater neuer Mann bereit. "Ribéry hat jetzt die Nummer 7 - so einen Fußballer stelle ich mir als Nachfolger vor", erklärte Scholl.

Die Anerkennung und Zuneigung, die Scholl zuteil wurde, muss sich der Franzose aber erst einmal erarbeiten. Zunächst als Lausbub, als Straßenfußballer mit dem besonderen Spielwitz, als Teeniestar, als Sprücheklopfer, und erst recht später als erwachsener und geläuterter Medienheld, der nicht mehr gewillt war, sich für Titelseiten und Schlagzeilen herzugeben, wurde Scholl über die bayerischen Fangrenzen hinaus zum Idol. In Cottbus, bei seinem vorletzten Bundesliga-Auftritt, erhoben sich die Energie-Fans für ihn von den Sitzen und applaudierten.

In dieser Hinsicht hat Scholl alles erreicht, rein sportlich blieb er der Unvollendete. Seine Karriere wirkt wie ein Versprechen, das nie ganz eingelöst wurde. Er kann keine Weltmeisterschafts-Teilnahme vorweisen, und insgesamt 36 Länderspiele klingen nicht nach großer Karriere. "Die Ehe Scholl-DFB war nie so richtig glücklich", sagt er selbst. Sein Körper streikte immer wieder und verhinderte wohl den Aufstieg zum Weltstar. "Die Tiefen waren tiefer als die Höhen hoch", räumt Scholl ein.

Die Sympathie und der Respekt der Menschen bedeuten ihm jedoch mehr als irgendein weiterer Titel. Sein größter Erfolg sei ohnehin, "im Haifischbecken FC Bayern nicht gefressen worden zu sein und 15 Jahre überlebt zu haben". Sogar mehr als das: Nach Giovane Elber wird Scholl heute zum zweiten Ehrenspieler des deutschen Rekordmeisters ernannt. "Mehmet ist für uns wie ein Heiliger. Er hat uns bei Verhandlungen nie wie eine Zitrone auszuquetschen versucht", erklärt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Weltmeister ist Scholl zwar nie geworden, ansonsten hat er alles gewonnen - manches sogar mehrfach. Allein mit den Bayern achtmal die Meisterschale und fünfmal den Pokal - das ist Rekord. Was ihn aber wirklich bewegt, hat er nie preisgeben wollen. Erst über Igor Luther, Kameramann bei der Oscar-prämierten " Blechtrommel" und Vater von Scholls Lebensgefährtin, ist den beiden Autoren Edi Augustin und Ferdinand Neumayr im Film "Frei: Gespielt" (ab 23. August im Kino) der Zugang zum Menschen Scholl gelungen. Freimütig erklärt er darin zum Beispiel, dass ihn 1996 die Trennung von seiner damaligen Lebengefährtin kurz nach der Geburt seines Sohnes "innerlich zerrissen" hat: "Ich war am Ende."

Mittlerweile sieht sich Scholl aber dank seiner "sehr schlauen Freundin" auf "einem guten Weg, glücklich zu werden". Zunächst will er jetzt seine Freiheit genießen, und ob er später wirklich einmal in die Jugendarbeit des FC Bayern, wie von Manager und seinem väterlichen Freund Uli Hoeneß angedacht, integriert wird, ist noch offen. Erhalten bleibt Scholl dem Verein aber auf jeden Fall. In der zweiten Mannschaft der Kegelabteilung ist er schon für die Saison 2007/08 gemeldet.

fpf/sid/dpa



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