Schottischer Traditionsclub Glasgow Rangers melden Insolvenz an

Die Glasgow Rangers haben ihre Ankündigung wahr gemacht und Insolvenz angemeldet. Dem schottischen Fußball-Rekordmeister werden damit umgehend zehn Punkte in der aktuellen Saison abgezogen. Doch die Intentionen von Rangers-Eigentümer Craig Whyte sind bei den Fans umstritten.
Ibrox Park in Glasgow: Verkauf des Rangers-Stadions ist denkbar

Ibrox Park in Glasgow: Verkauf des Rangers-Stadions ist denkbar

Foto: Jeff J Mitchell/ Getty Images

Hamburg - Die Glasgow Rangers gehen in die Insolvenz. Das teilte der schottische Fußball-Rekordmeister am Dienstag mit. Am Montag hatte der Club-Vorsitzende Craig Whyte den Schritt bereits angekündigt. Den Rangers werden wegen der Insolvenz in der schottischen Premier League umgehend zehn Punkte abgezogen. Im Meisterschaftskampf hat der Titelverteidiger als Tabellenzweiter damit 14 Punkte Rückstand auf den Lokalrivalen Celtic. Als Insolvenz-Verwalter setzte der Club das Londoner Unternehmen Duff and Phelps ein.

Die Verantwortlichen erhoffen sich durch den Schritt die Sanierung des hoch verschuldeten Vereins. In einem Steuerverfahren drohen den Rangers Nachzahlungen und Strafen in Höhe von rund 49 Millionen Pfund (rund 58,5 Millionen Euro) gegenüber der britischen Steuerbehörde "Her Majesty's Revenue & Customs" (HRMC).

"Ich habe die praktischste Entscheidung gewählt, um die langfristige Zukunft des Vereins zu sichern", hatte Whyte gesagt. Der Investor hatte die Rangers im vergangenen Jahr von dem Stahl-Unternehmer David Murray übernommen und zahlte wegen der hohen Schulden dafür nur einen Pfund. Whyte trat an, um den Club vor dem Ruin zu bewahren. Zum jetzigen Vorgehen gebe es keine Alternative, so Whyte.

"Wir brauchen die Rangers nicht"

Der Präsident der Vereinigung der Rangers-Fans, Andy Kerr, zeigte sich schockiert. "Wir haben befürchtet, dass dieser Tag kommen würde. Es ist niederschmetternd. Und es bleiben mehr Fragen als Antworten." Der frühere Club-Präsident Alistair Johnston fragt, warum Whyte die Rangers trotz der allgemein bekannten finanziellen Probleme übernommen habe. Die schottische Tageszeitung "Daily Record" fordert Aufklärung über den Verbleib von insgesamt 38 Millionen Pfund, die durch einen Vertrag mit einer Ticket-Vertrieb-Firma und den Verkauf von Dauerkarten eingenommen wurden. Das Blatt fragt außerdem, warum Whyte nicht den Ausgang des Verfahrens mit der HMRC abwarten will.

"Da die Rangers die Verhandlungen mit der HMRC nicht abschließen konnte, hat der Vorstand entschieden, einen Insolvenzverwalter einzusetzen", teilte Duff and Phelps mit. "Das Management ist aber weiterhin optimistisch, dass zusammen mit der HMRC eine einvernehmliche Lösung gefunden wird."

Um den Club zu sanieren, wären Spielerverkäufe und Mitarbeiterentlassungen denkbar. Auch Immobilien wie das eigene Stadion oder das Trainingsgelände "Murray Park" könnten laut TV-Sender BBC auf dem Prüfstand stehen. Der Spielbetrieb ist nach Angaben des Clubs nicht gefährdet. Am Samstag empfängt Glasgow den FC Kilmarnock.

Für die schottische Liga wäre ein Ausscheiden des Traditionsvereins kaum vorstellbar. Auch wenn man das beim Stadtrivalen Celtic Glasgow anders sieht. "Wir brauchen die Rangers nicht", sagte Vereinschef Peter Lawwell.

Seit Jahren dominieren Rangers und Celtic das Meisterschaftsrennen. Zuletzt wurde 1985 mit dem FC Aberdeen ein anderer Verein schottischer Meister. Die Rangers sind der fünfte Verein seit Bestehen der schottischen Premier League 1998, der sich mit einer Insolvenz zu retten versucht.

max/bka/dpa/sid/AP