Schuhe der WM-Stars Die Buffer der Begnadeten

Was trug Diego Maradona untenrum? Was haben die Fußball-Schuhe der beiden Weltmeister Helmut Rahn und Andreas Brehme gemeinsam? Welcher Ausrüster stattete Pelé aus? SPIEGEL ONLINE zeigt in Zusammenarbeit mit dem Lifestyle-Magazin "U_mag" die Schuhe der WM-Stars von 1954 bis 2002.

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Die Variationen sind vielfältig. Schraubstollen, Noppen, High-Tech-Faser, Sonderlackierung - die Fußballschuhe haben sich im Laufe der Geschichte entwickelt. Was nicht heißen soll, dass die Wahl der Fußbekleidung in Zeiten, als der Fußball noch in den Kinderschuhen steckte, keinen Einfluss auf den Ausgang der Spiele hatte. Nicht wenige behaupten, dass die Stiefel der WM-Helden von 1954 entscheidenden Anteil an dem "Wunder von Bern" hatten. Der Schuhfabrikant Adolf "Adi" Dassler (Adidas) hatte dem Team des Bundestrainers Sepp Herberger einen ganz besonderen Schatz mit auf dem Weg zur WM in die Schweiz gegeben.

Zum ersten Mal konnten die Fußballschuhe damals  mit Schraubstollen individuell an die Platzverhältnisse angepasst werden. Je tiefer der Rasen, desto längere Stollen wurden in das Gewinde der Sohle gedreht. Dieser Vorteil könnte den entscheidenden Anteil beim 3:2-Finalsieg über das eigentlich unbezwingbare Ungarn beigetragen haben, das in der Vorrunde noch 8:3 über die DFB-Elf triumphierte. Während die technisch versierten Ungarn einen schweren Stand auf dem durchnässten Geläuf hatten, überfuhr die DFB-Elf den Favoriten mit einer Mischung aus Kampfkraft und Standhaftigkeit.

Deutschland war Weltmeister und die Schuhe aus Herzogenaurach waren nicht mehr von den Füßen der Topstars wegzudenken. Die deutschen Ausnahmefußballer Uwe Seeler und Franz Beckenbauer schworen auf die drei Streifen, auch europäische Topspieler wie Gary Lineker (England) und Just Fontaine (Frankreich) setzten auf die Treter "Made in Germany". Lange Zeit gab es nur einen ernstzunehmenden Konkurrenten für das Familienunternehmen: Dasslers Bruder Rolf, der 1948 aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Addi ebenfalls in Herzogenaurach die Marke "Puma" gründete.

Mittlerweile stattet die Firma mit der Raubkatze 12 der 32 und somit die meisten WM-Teilnehmer aus. Dazu gehören Italien, Tschechien und die Schweiz. Bei Adidas stehen neben der DFB-Elf auch Spanien, Frankreich und Argentinien unter Vertrag. Dritter Global Player im Kampf um die Goldfüße ist der amerikanische Ausrüster Nike, der neben Weltmeister Brasilien auch Portugal, die Niederlande und die USA ausstattet. Der Marktführer kann sich zudem rühmen, mit Ronaldinho den derzeit besten Fußballer der Welt unter Vertrag zu haben.

Bunter, leichter, funktioneller sind die Trends auf dem Sportschuhmarkt. Traditionell schwarze Treter sind zur Rarität geworden. Auch die Namen klingen eher nach Star-Wars-Darstellern, F1-Boliden oder Patches für Computerprogramme. "V1.06" nennt Puma seinen WM-Schuh, die Adidas-Neuheit heißt "+F 50 Tunit", Nike kämpft mit dem "Mercurial Vapor III" um Marktanteile. Helmut Rahn wäre ob dieser Bezeichnungen wohl schwindelig geworden. Als der "Boss" Deutschland 1954 zum WM-Titel schoss, trug er das Modell "Oberliga".

Bildtexte: Matthias Wagner/U_mag



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