Nach Treffen mit Infantino Chefermittler muss Fifa-Fall als befangen abgeben

Weil er sich mehrfach vertraulich mit dem Fifa-Boss traf, muss der Schweizer Bundesanwalt von den Ermittlungen gegen den Weltfußballverband zurücktreten. Ein Gericht erklärte Michael Lauber für befangen.
Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber

Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber

Foto: Fabrice Coffrini AFP

Es ist mittlerweile nicht nur ein Fifa-Skandal - die Ermittlungen in der Schweiz zum Korruptionsverdacht im Weltfußballverband werden immer mehr auch zu einer Justizaffäre: Das Bundesstrafgericht in Bellinzona hat jetzt entschieden, dass der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber in der Causa befangen sei und nicht mehr die Ermittlungen leiten dürfe. Grund: Lauber hatte sich dreimal mit Fifa-Boss Gianni Infantino zu vertraulichen Gesprächen getroffen - ohne dies anschließend protokolliert zu haben.

Im Zusammenhang mit den Enthüllungen der Football Leaks war bereits bekannt geworden, dass der Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold engste Kontakte zur Fifa und zu Infantino pflegte. Arnold soll auch die Treffen mit Lauber eingefädelt haben.

Lauber hat stets betont, die Treffen entsprächen dem geltenden Recht, von Befangenheit könne keine Rede sein. Ein Gespräch, so Lauber, habe er sogar vollkommen vergessen, wenn nicht die Medien darüber berichtet hätten. Das Gericht kam zu einer anderen Auffassung. Es erklärte nicht nur Lauber für befangen, sondern auch einen leitenden Staatsanwalt Olivier Thomann, der mehrfach in Kontakt zu dem Fifa-Rechtsanwalt Marco Villiger gestanden hatte. Thomann ist mittlerweile allerdings bereits aus dem Verfahren ausgeschieden.

Die Ermittlungen müssen jetzt in weiten Teilen neu aufgenommen werden - was einigen Funktionären und Ex-Funktionären der Fifa sogar recht sein dürfte. Alles wird sich verzögern, und Verjährungsfristen könnten dann greifen.

aha
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