Schwere Ausschreitungen in Moskau Verletzte bei Kundgebung für erschossenen Fußballfan

Eine Woche nach Vergabe der Fußball-WM 2018 an Russland kommt die Fanszene des Landes nicht zur Ruhe. Nach dem Tod eines Spartak-Anhängers und Randalen in der Champions League eskalierte die Gewalt bei nicht genehmigten Protesten in Moskau.

AP

Hamburg - Es ist noch keine zehn Tage her, da vergab der Fußball-Weltverband Fifa die Weltmeisterschaft 2018 nach Russland. Doch seitdem kommen aus dem Land fast nur noch bedrückende Nachrichten rund um den Fußball:

  • Am vorigen Montag wurde Spartak-Moskau-Anhänger Jegor Swiridow nach einem Streit erschossen, die Verdächtigen stammen aus dem Kaukasus.
  • Beim Champions-League-Spiel der Moskauer beim slowakischen Meister MSK Zilina hatten Spartak-Anhänger in dieser Woche für Ärger gesorgt. Im Gästeblock waren Mittwoch Feuerwerkskörper abgebrannt und die Begegnung zwischenzeitlich unterbrochen worden.

Und nun kam es in der russischen Hauptstadt bei einer Erinnerungskundgebung für Swiridow zu schweren Zusammenstößen zwischen Fans und der Polizei. Zahlreiche Menschen wurden festgenommen. Bei den Ausschreitungen habe es auch mindestens drei Schwerverletzte und zehn Verletzte gegeben, teilten die russischen Behörden am Samstag nach Angaben der Staatsagentur Ria Nowosti mit.

Schätzungen zufolge hatten sich etwa 5000 meist jugendliche Demonstranten in der Nähe des Roten Platz getroffen. Ein Großaufgebot von Einsatzkräften riegelte zunächst den Demonstrationsplatz ab. Auf die Aufforderung von Polizeichef Wladimir Kolokolzew, den Platz zu räumen, habe die Menge mit nationalistischen Sprechchören reagiert, hieß es. Als Demonstranten begannen, umstehende Zuwanderer aus dem Kaukasus zu attackieren, schlugen die Sondereinheiten mit Schlagstöcken zu, wie ein Polizeisprecher sagte.

Das Staatsfernsehen zeigte Bilder wie von einer Straßenschlacht. Aus der Menge flogen Steine, Flaschen, Feuerwerkskörper, Rauchbomben und Teile des städtischen Weihnachtsbaums auf die Polizisten. Ein Reporter soll mehrere Schüsse gehört haben.

Die Zusammenstöße setzten sich später in der U-Bahn fort. Nachdem Fußballfans in einer Metrostation mehrere Fahrgäste wegen ihres "nicht slawischen Äußeren" krankenhausreif prügelten, schritten die Sicherheitskräfte erneut ein. In der Station sei erheblicher Sachschaden entstanden, hieß es.

Auch im Norden der russischen Hauptstadt versammelten sich tausende Fans im Gedenken an Swiridow. Sie legten Blumen an der Stelle nieder, an der der 28-Jährige erschossen worden war.

luk/dpa/sid/apn



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