Nationalteam der Frauen Fifa untersucht schwere Missbrauchsvorwürfe gegen afghanischen Verband

Es geht um sexuelle Übergriffe durch Offizielle: Im Zusammenhang mit dem afghanischen Frauennationalteam werden schwere Anschuldigungen erhoben. Die Fifa ermittelt, der Sponsor hat sich schon getrennt.
Schatten afghanischer Fußballnationalspielerinnen

Schatten afghanischer Fußballnationalspielerinnen

Foto: FARSHAD USYAN/ AFP

Der Weltfußballverband Fifa untersucht heftige Vorwürfe gegen den afghanischen Fußballverband AFF. Wie der englische "Guardian" berichtete, sollen Verbandsvertreter Nationalspielerinnen sexuell missbraucht und körperlich misshandelt haben. Beschuldigt wird unter anderem AFF-Präsident Keramuddin Karim.

Die Fifa erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, Untersuchungen eingeleitet zu haben. Genauere Angaben wollte der Verband nicht machen, aus Rücksicht auf die Opfer, wie es hieß - und weil die Ergebnisse der Untersuchung abzuwarten seien.

Laut "Guardian"  weiß der Weltverband schon länger von den Vorwürfen und arbeitet mit den Vereinten Nationen zusammen, um die Sicherheit der Spielerinnen zu gewährleisten.

Sportartikelhersteller Hummel, Hauptsponsor des afghanischen Frauennationalteams, stellte sein Engagement ein und forderte den Rücktritt von Präsident Karim. Das geht aus einer Mitteilung vom Donnerstag hervor. Demnach habe die dänische Firma zuvor von Anschuldigungen über "mehrfache heftige mentale, physische und sexuelle Übergriffe auf Spielerinnen durch männliche AFF-Offizielle" erfahren. Eine Quelle wurde dafür nicht angegeben.

Verband weist alle Vorwürfe zurück

Die AFF weist die Vorwürfe zurück. Auf SPIEGEL-Anfrage teilte der Verband mit, er tue sein Bestes, um die Nationalspielerinnen "zu unterstützen und vor Belästigungen und Übergriffen jeder Art zu bewahren".

Vertreter des Frauenteams zeichnen ein anderes Bild. Khalida Popal, ein ehemaliges Führungsmitglied der AFF-Frauenabteilung, sagte dem "Guardian", dass die Misshandlungen im Lande - unter anderem im Hauptquartier des Verbands - und bei einem Trainingslager in Jordanien im Februar 2018 stattgefunden hätten. Auch Verbandspräsident Karim sei direkt involviert gewesen.

Popal, die 2016 nach Dänemark geflüchtet war, sagte, sie wisse von Missbrauchsvorwürfen, Morddrohungen und Vergewaltigungen von Nationalspielerinnen.

"Das sind sehr mächtige Männer"

Solange diese in Afghanistan lebten, sei es schwierig, diese Anschuldigungen öffentlich zu machen. "Das sind sehr mächtige Männer", sagte Popal: "Wenn eine Spielerin aus Afghanistan ihre Stimme erhebt, kann sie getötet werden."

Beim afghanischen Verband äußerte man sich "enttäuscht" darüber, dass die Vorwürfe angeblich nicht intern erhoben worden seien. Die Anschuldigungen seien "haltlos". Gleichzeitig hieß es, man werde "nicht zögern, weitere Untersuchungen einzuleiten" - falls der Verband hinreichende Informationen oder Beweise für die Vorwürfe erhalten sollte. Von eigenständigen Ermittlungen war in der Mitteilung nicht die Rede.

In der vergangenen Woche hatten verschiedene Nationalspielerinnen über neue Verträge der AFF geklagt, die sie hätten unterzeichnen sollen, darunter Kapitänin Shabnam Mobarez.

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Den Vertrag zu unterschreiben, hätte ihr ihre "Rechte genommen, sowohl als Spielerin als auch als Frau, die ihr Land repräsentiert", schrieb Mobarez auf Twitter. Nachdem sie den Kontrakt nicht habe unterschreiben wollen, sei sie nicht mehr ins Nationalteam berufen worden.

Nationalspielerin Mina Ahmadi lud bei Facebook  eine Vereinbarung hoch, in der den Fußballerinnen unter anderem vorgeschrieben wird, während öffentlicher Auftritte (etwa im Training oder bei Social-Media-Postings) einen Hijab zu tragen. Zudem wird darin der Kontakt zu Pressevertretern verboten - es sei denn, der Verband habe ihn schriftlich genehmigt.

mon/sid
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