Eintracht Frankfurts Mittelfeldspieler Rode Leistungssprung dank Schulterblick

Im Laufe seiner Karriere war Sebastian Rode oft zur falschen Zeit am falschen Ort. Bei Eintracht Frankfurt blüht er jetzt auf - auch weil er sich in dessen Spielsystem besser orientieren kann.

Sebastian Rode
imago/Jan Huebner

Sebastian Rode

Von Tobias Escher


Sebastian Rode fühlt sich in der digitalen Welt wohl. Er verfasst regelmäßig Beiträge bei Twitter und Instagram, besitzt sogar eine eigene Handy-App. Der Promo-Text im App-Store verspricht, dass Rodes Fans ihm hier ganz nahe sein können. Er beantworte Fragen seiner Anhänger persönlich. Seine letzte Videobotschaft stammt allerdings aus dem Jahr 2016. Mareike J. fragte, ob Rode sich in seiner damals neuen Heimat Dortmund schon eingelebt habe.

Ob sich Rode bei Eintracht Frankfurt eingelebt hat, muss heute niemand fragen. Im Winter kehrte er zu jenem Verein zurück, bei dem seine Karriere einst begann. Die Eintracht lieh Rode zunächst bis zum Saisonende vom BVB aus.

In Frankfurt hat man bereits offen ausgesprochen, dass man Rode gern halten möchte. Kein Wunder: Im zentralen Mittelfeld hat er sich sofort einen Stammplatz erarbeitet. Für Eintracht-Trainer Adi Hütter ist Rode das entscheidende Puzzlestück, das ihm in der Hinrunde noch gefehlt hatte.

Rückblick: Als Rode im Sommer 2014 Frankfurt verließ, galt er als großes Mittelfeld-Talent. Er hatte sich in Frankfurt einen Ruf erarbeitet als Dauerläufer, er verband Zweikampfhärte mit solider Technik und hoher Laufstärke. Der FC Bayern München sicherte sich die Dienste des damals 24-Jährigen.

74 Spiele in viereinhalb Jahren

In der Bayern-Mannschaft konnte sich Rode jedoch nicht durchsetzen. Unter Trainer Pep Guardiola kam er meist nur als Joker zum Einsatz. Gegen die anderen zentralen Mittelfeldspieler wie Xabi Alonso, Bastian Schweinsteiger oder Thiago konnte er nicht bestehen.

2016 verließ er München gen Dortmund. Dort verlief seine Karriere kaum besser. Rode tauschte die Ersatzbank gegen das Krankenbett. Schon in seinem ersten halben Jahr war er nur Teilzeitarbeiter unter Coach Thomas Tuchel. Im November 2016 stand er das letzte Mal in der Startelf des BVB. Seitdem: Operationen an Blinddarm und Leiste, Schambeinverletzung, Probleme mit Muskeln und Bändern.

Rodes Karriereweg liest sich angesichts dieses Verlaufs bis dahin beinahe wie eine Geschichte des Scheiterns. Er wollte Großes erreichen, in München oder Dortmund Champions League spielen. Ihm fehlte aber das letzte Quäntchen Talent, um sich dort durchzusetzen. Das Verletzungspech gab ihm den Rest. Bei den Bayern und beim BVB kam er in viereinhalb Jahren nur in 74 Pflichtspielen zum Einsatz.

Sebastian Rode und Eintracht-Trainer Adi Hütter (l.)
DPA

Sebastian Rode und Eintracht-Trainer Adi Hütter (l.)

Seitdem er für Eintracht Frankfurt wieder regelmäßig in der Startelf steht, zeigt sich: Die vergangenen Jahre waren für Rode keine verlorene Zeit. Unter Spitzentrainern wie Guardiola, Tuchel oder dem amtierenden BVB-Coach Lucien Favre entwickelte sich sein Spiel merklich weiter.

Rode verfügte schon immer über eine gute Technik, seine Pässe sind präzise. Ihm fehlte der nötige Feinschliff, um dieses Talent zu nutzen. Vor allem bei der Vororientierung hat Rode einen großen Leistungssprung vollzogen. Das bedeutet: Er schaut öfter über seine Schulter, scannt das Spielfeld genau. Somit weiß er schon vor der Ballannahme, wo die Gegner stehen und was seine beste Option ist. Fehler wie 2013 im DFB-Pokal gegen Sandhausen, als er sich nicht umschaute und sein Rückpass auf Torhüter Kevin Trapp im eigenen Tor landete, sind zur Seltenheit geworden.

Seine alten Stärken hat Rode indes bewahrt. Noch immer jagt er jedem verlorenen Ball sofort hinterher, rennt stets im Vollsprint über den Platz. Seine Zweikampfhärte und seine Dynamik im Spiel gegen den Ball kann er in Frankfurts System besser einbringen als im Ballbesitz-lastigen Spiel von Dortmund oder Bayern.

So ist es kein Zufall, dass er ausgerechnet unter Adi Hütter wieder sicherer wird. Hütter hat in Frankfurt einen aggressiven Pressing-Stil etabliert. Seine Mannschaft soll den Gegner hetzen und nach Balleroberungen schnell in die Spitze spielen. Rode passt ideal ins Mittelfeld der Eintracht: Gegen den Ball agiert er aggressiv, bei Ballbesitz spielt er den Ball direkt nach vorn.

Rodes duale Funktion als Spielgestalter und Spielzerstörer unterstreicht auch der SPIX. Er weist sowohl in der Kategorie Spielaufbau (68) als auch in der Kategorie Balleroberung (58) überdurchschnittlich hohe Werte auf. Die meisten defensiven Mittelfeldspieler punkten nur in einer der beiden Kategorien.

In Frankfurt weiß man, was man an dem Rückkehrer hat. Medienberichten zufolge verhandeln Eintrachts Bosse mit dem BVB bereits über Rodes Ablöse. Ab dem Sommer könnte er wieder einen festen Vertrag in Frankfurt erhalten. Vielleicht sollte er dann auch seiner App ein Update spendieren - der Begrüßungsbildschirm zeigt Rode noch im BVB-Trikot.

In einer früheren Version war von Eintracht Frankfurt als Jugendklub von Sebastian Rode die Rede. Tatsächlich handelt es sich hierbei um Kickers Offenbach.



insgesamt 3 Beiträge
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viceman 07.03.2019
1. warum soll dortmund
den ziehen lassen, nachdem sie ihn gesundgepflegt haben?
1901irma 07.03.2019
2. Fehlermeldung
Sehr geehrter Herr Escher, der Jugendverein von Sebastian Rose ist KICKERS OFFENBACH!!! - - - - - Danke für den Hinweis. Wir kümmern uns! MfG Redaktion Forum
der_dr_Nickel 07.03.2019
3. Hat (fast) alles gepasst...
...grandiose Choreo, gehaltener Elfer, schönes flottes Spiel, mannschaftliche Geschlossenheit und die Null steht. Leider auch vorne, macht es für das Rückspiel nicht einfacher. Gepasst hat nicht dieser Schiri, aber ist ja ein leidiges Thema mit Entscheidungen gegen bzw. für die Adlerträger. Was überraschte waren die Schwierigkeiten beim Aufbauspiel der Adlerträger. Inter war hier super positioniert und hat es nicht einfach gemacht. Auch die Außen (beide) bei Inter waren in den ersten 20-30 Minuten echt stark und kaum einzufangen. Die individuelle Qualität von Inter war schon zu sehen, aber dank der geschlossenen Mannschaftsleistung konnten die Adlerträger doch immer wieder für Gefahr sorgen. Leider war das Passspiel in die Spitze, insbesondere auf SH, nicht so doll. Das Mittelfeld mit GF und SR hat vieles richtig gemacht, aber der letzte Pass kam dann oft doch nicht an. Wie wohl sich Seppl im Adlerdress fühlt war auch vorm Fernseher zu spüren. Wäre schön wenn er und Kevin wieder fest zur Eintracht zurückkehren könnten. Schade das die 10-15 Minuten in der zweiten Halbzeit keinen Torerfolg brachten. Auch in der Schlussphase lag mindestens ein Tor in der Luft. Auf die zweite Halbzeit können die Adlerträger aufbauen für das Rückspiel. Wird ein heißes Spiel in san siro, begleitet von mindestens 13.500 Schlachtenbummlern (um diesen schönen alten Fußballbegriff mal wieder aus der Kiste zu zaubern; dank hierfür an Zürcher99) da war Internationale wirklich großzügig mit dem Kartenkontigent und das ganze in Absprache mit den Sicherheitsbehörden. Kommen werden dann doch wohl ein paar mehr ;-)) Aber jetzt erstmal das Montagsspiel in D'dorf wuppen. Am besten mit nem dreier, um Platz vier nicht aus den Augen zu verlieren. Berechtigt ja für die CL, falls es mit dem EL-Titel nix werden sollte ;-)) Und natürlich die Serie (ungeschlagen in 2019) weiter ausbauen. Forza SGE.
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