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Christian Teevs

Fifa-Sperre für Blatter und Platini Zwei sind raus, die Strippenzieher bleiben

Acht Jahre Sperre - mit diesem Urteil beendet die Fifa die Karrieren von Joseph Blatter und Michel Platini. Trotzdem ist ein Wandel des Skandalverbands unwahrscheinlich. Die Geheimniskrämer im Hintergrund machen einfach weiter.

Es könnte sein letzter großer Auftritt gewesen sein: 60 Minuten lang sprach Joseph Blatter am Montagmorgen in Zürich über die Sperre durch die Fifa-Ethikkommission. Es war eine peinliche Show des suspendierten Präsidenten: voller Selbstmitleid, Bitterkeit und Weltschmerz. "Es tut mir leid, dass ich immer noch ein Punchingball bin", sagte Blatter. "Es tut mir leid für den Fußball. Es tut mir leid für die Fifa. Und es tut mir leid für mich."

Menschlich ist die Reaktion des 79-jährigen Schweizers verständlich. Er sieht sein Lebenswerk zerstört. Doch die Fifa hatte keine andere Wahl. Hätte der Weltfußballverband Blatter verschont und ihm die gemauschelte Zahlung an Michel Platini durchgehen lassen, wäre die letzte Glaubwürdigkeit verlorengegangen. Mit der Sperre löst die Fifa zumindest das Problem Blatter. Und auch Uefa-Boss Platini dürfte 2024 kein Comeback mehr feiern.

Das Urteil hätte sogar noch härter ausfallen können. Beobachter hatten mit einer lebenslangen Sperre für die beiden ehemals mächtigsten Männer des Weltfußballs gerechnet. So sendet die Fifa immerhin das Signal, dass Gentlemen's Agreements und Millionen-Mauscheleien unter Funktionären nicht zu einem Verband passen, der wie ein internationaler Konzern auftritt und Milliarden umsetzt.

Das war es aber auch schon. Wer nach der Sperre einen tiefgreifenden Wandel der Fifa erwartet und auf neue, unbelastete Figuren an der Verbandsspitze hofft, muss sich nur aktuelle Zitate vom obersten Fifa-Strippenzieher Ahmad Al Fahad Al Sabah anschauen. Der 52-jährige Scheich aus Kuwait sagte dem ZDF, natürlich werde es auch bei der Wahl des Blatter-Nachfolgers im Februar geheime Absprachen geben: "Wenn du in einer Krise bist, musst du eng beieinanderstehen und starke Bündnisse schaffen. Es muss doch alles in der Familie bleiben. Wir können keinen Einfluss von außen gebrauchen."

Al Sabah, Blatter: "Es muss doch alles in der Familie bleiben"

Al Sabah, Blatter: "Es muss doch alles in der Familie bleiben"

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

Al Sabah, der nicht nur im Fifa-Exekutivkomitee sitzt, sondern auch Präsident der Vereinigung des Nationalen Olympischen Komitees (ANOC) ist, will also so weitermachen wie bisher. Das Sportrecht soll unabhängig von den staatlichen Gerichten sein, Fußballfunktionäre sollen weiter Fußballfunktionäre kontrollieren.

Al Sabahs Favorit für den Posten des Fifa-Präsidenten ist übrigens Salman bin Ebrahim Al-Khalifa. Ein Scheich aus Bahrain, unter dessen Regentschaft als nationaler Verbandschef regierungskritische Fußballer verhaftet und gefoltert wurden. Von der BBC 2013 mit den Vorwürfen konfrontiert, äußerte sich Scheich Salman ausweichend.

Es klingt unglaublich, aber der Mann aus Bahrain gilt tatsächlich als Favorit auf die Blatter-Nachfolge. Damit steht die Fifa vor dem nächsten Skandal.

Klar ist: Ohne Hilfe von außen wird sich der Verband nicht ändern. Es bräuchte wohl schon einen international anerkannten Krisenmanager, um den Verband vor der Selbstzerstörung zu bewahren. Einen geeigneten Kandidaten brachte die Whistleblowerin Bonita Mersiades, einst Direktorin der australischen WM-Bewerbung, kürzlich ins Spiel: Kofi Annan, den langjährigen Generalsekretär der Vereinten Nationen.

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Foto: AP/dpa
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