Schwere Krawalle nach Spitzenspiel Inter-Fan stirbt, vier Napoli-Anhänger verletzt

Rassistische Beleidigungen während der Partie, Ausschreitungen danach: Das Serie-A-Verfolgerduell zwischen Inter Mailand und Napoli wurde zum Skandalspiel. Und es hat sogar ein Todesopfer gefordert.

Fans von Inter Mailand
imago/Gribaudi/ImagePhoto

Fans von Inter Mailand


Nach dem 1:0-Sieg von Inter Mailand gegen die SSC Neapel ist es in der Nähe des Giuseppe-Meazza-Stadion zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Anhängern beider Vereine gekommen. Im Zuge der Krawalle kam ein Fan von Inter Mailand ums Leben. Der 35-Jährige wurde unweit des Mailänder Stadions von einem Kleinbus überfahren. Am Donnerstag erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Zudem wurden vier Napoli-Fans durch Messerstiche verletzt. Die Polizei musste einschreiten, um weitere Konfrontationen zu verhindern. Medienberichten zufolge seien etwa 50 Fans an den Krawallen beteiligt gewesen.

Polizeichef fordert Konsequenzen

Nach Angaben der Polizei gehörte das Todesopfer zu einer Gruppe, die den Kleinbus mit Schlägern und Stangen attackiert hatte. Die Polizei teilte mit, dass den Wagen ein Anhänger des Gäste-Teams gesteuert habe, weitere Ermittlungen würden laufen. Nach dem Fahrer werde noch gesucht.

Mailands Polizeichef Marcello Cardona forderte harte Konsequenzen. Inter-Fans sollten demnach für die restliche Saison keine Auswärtsspiele mehr besuchen dürfen - zudem solle ihr Sektor im Heimstadion bis zum 31. März gesperrt werden. Cardona sprach von organisierten Krawallen. "Wir werden sehr hart mit den Tätern umgehen", kündigte er an. Inzwischen hat die Polizei drei Inter-Anhänger festgenommen.

Rassistische Kontroverse während des Spiels

Bereits während des Spiels war es zu einer Kontroverse gekommen: Neapels Innenverteidiger Kalidou Koulibaly wurde von gegnerischen Fans rassistisch beleidigt. Der gebürtige Franzose mit senegalesischen Wurzeln war während der Partie mehrfach mit Affenlauten bepöbelt worden.

Die Anfeindungen waren nach Spielende das Hauptthema. Neapel-Trainer Carlo Ancelotti hatte das Schiedsrichtergespann wiederholt um die Unterbrechung des Spiels gebeten und forderte nach Abpfiff ein konsequenteres Vorgehen gegen Rassismus. In Italien ist Rassismus im Fußball schon seit langem ein Problem.

Der frustrierte Koulibaly flog in der 80. Minute nach einer Auseinandersetzung mit dem Schiedsrichter mit Gelb-Rot vom Platz. In der Nachspielzeit erzielte der Argentinier Lautaro Martínez den Siegtreffer für Inter und verkürzte somit den Rückstand auf Neapel in der Serie A auf fünf Punkte.

mrk/sid/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Interzoni 27.12.2018
1. Ich weiß schon
warum mein Interesse am Fußball seit Jahren rückläufig ist: Auf der einen Seite Wirtschaftskriminelle als Spieler und Berater, auf der anderen Rassisten und Rechtsradikale als "Fans", dafür soll man dann noch Pay TV zahlen... Der Fußballsport ist schon weitgehend ruiniert.
grätscher 27.12.2018
2. #1
Was Ihren letzten Satz angeht, vollkommen richtig. Jedoch sind rassistische Beleidigungen ein Problem, welches verstärkt in der italienischen Liga auftritt. In der Bundesliga sind solche Hohlköpfe in den Kurven der meisten Vereine zum Glück nicht mehr anzutreffen und wenn es doch mal einen Kommentar in diese Richtung gibt, dann regelt das die Kurve meist von selbst und das ist auch ein Verdienst der Ultras!
jj2005 27.12.2018
3. Ein Hinterhalt
"Behörden teilten mit, den Unfallwagen habe ein Anhänger des Gäste-Teams gesteuert" - wo hat SPON das denn gefunden? In den mir zugänglichen Medien steht lediglich, dass "Dede", Anhänger der rechtsextremen Ultras mit dem schönen Namen "Blood & honour", von einem angesichts vieler Schwerbewaffneter (Äxte, Knüppel u.ä.) in Panik geratenen SUV-Fahrer überfahren wurde. Höchstwahrscheinlich war der Fahrer ein Einheimischer, der nur zufällig in den von Inter-Fans gelegten Hinterhalt geraten ist.
Interzoni 27.12.2018
4. #2
Jein - zwar sind die Bundesligafans relativ gesittet, aber offenen Rassismus gibt es auch in Spanien, Frankreich und England. Darüber wird ja regelmäßig berichtet, auch auf Spon. Und wenn ich die gesellschaftliche Entwicklung bzw. Regression in Deutschland betrachte, bin ich nicht sehr optimistisch für die Zukunft in unseren Stadien. Was man teilweise aus dem Amateurbereich hört, ist schon jetzt erschreckend.
Crom 27.12.2018
5.
Es handelt sich also um 50 Fans. Wie viele waren im Stadion noch einmal?
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