Italienischer Fußball Rund 30 Serie-A-Partien unter Manipulationsverdacht

Im italienischen Fußball zieht der nächste große Manipulationsskandal herauf: Bis zu 30 Spiele der Serie A sollen in den beiden vergangenen Jahren verschoben worden sein. Es gab bereits Festnahmen und Hausdurchsuchungen - auch Weltmeister Gennaro Gattuso ist betroffen.

Ex-Profi Gattuso: Unter Manipulationsverdacht
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Ex-Profi Gattuso: Unter Manipulationsverdacht


Hamburg - Im Fußball-Manipulationsskandal in Italien sollen laut Staatsanwaltschaft von Cremona bis zu 30 Spiele der Serie A im Zeitraum zwischen 2011 und 2013 verschoben worden sein. "Trotz Verhaftungen und Ermittlungen in den vergangenen Jahren ist offenkundig, dass bestimmte Personen, wie schon vor dem Ausbruch des Skandals, Fußballspiele manipulieren", sagte Staatsanwalt Roberto Di Martino bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Unter Manipulationsverdacht stehen mehrere Spiele zum Ende der Saison 2010/2011, darunter drei Partien des AC Mailand. Auch weitere Clubs wie Inter Mailand, Lazio Rom und Rekordmeister Juventus Turin sollen betroffen sein. Dazu kommen zahlreiche weitere Partien in der Serie B und der Lega Pro, der dritten italienischen Liga.

Insgesamt richten sich die Ermittlungen in diesem neuen Strang des Wettskandals gegen etwa 20 Verdächtige, darunter auch mehrere ehemalige und noch aktive Spieler. Ihnen wird vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung mit dem Ziel des Sportbetrugs gebildet zu haben. 16 Wohnungen wurden in einer großangelegten Aktion im Rahmen der Ermittlungen durchsucht. Dabei wurde auch Beweismaterial beschlagnahmt, das die manipulierten Spiele betrifft.

Hausdurchsuchung bei Weltmeister Gattuso

Vier Männer wurden festgenommen, sie sollen zwischen Wettbetrügern und Spielern vermittelt haben. Sie verlangten nach Angaben von Staatsanwalt Di Martino zwischen 600.000 und 700.000 Euro für die Manipulation eines Spiels. "Die Summe beinhaltete das Honorar für die Vermittlung und das Geld, das nötig war, um Verantwortliche und Spieler zu schmieren", sagte Di Martino.

Auch Gennaro Gattuso steht in Verdacht, an den Spielmanipulationen beteiligt gewesen zu sein. Wie mehrere italienische Medien übereinstimmend berichten, darunter die "Gazetta dello Sport" und der "Corriere della Sera", soll in der Nacht von Montag auf Dienstag das Haus des italienischen Fußball-Weltmeisters von 2006 durchsucht worden sein. Auch Gattusos ehemaliger AC-Mailand-Vereinskollege Cristian Brocchi stehe unter Verdacht.

"Ich habe mit ihm gesprochen, und er ist aus allen Wolken gefallen. Wir können noch keinen Kommentar abgeben, wir müssen das erst verstehen", sagte Gattusos Spielerberater Andrea D'Amico der Nachrichtenagentur Ansa.

Der italienische Fußball wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von Enthüllungen über manipulierte Spiele und Wettbetrug erschüttert. Dutzende Verdächtige sind bislang festgenommen worden, zudem wurden mehrere Clubs mit Punktabzügen bestraft und Juventus Turin die beiden Meistertitel aus den Jahren 2005 und 2006 aberkannt. Zahlreiche Spieler sind wegen ihrer Beteiligung gesperrt worden.

ham/sid/dpa



insgesamt 14 Beiträge
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desperado777 17.12.2013
1. Mamma Mia!
Aber mal ehrlich, wer erwartet etwas anderes, bei Vereinsverantwortlichen im Format eines Berlusconis...? Serie A... ufwiedersehen!
zappa99 17.12.2013
2. Wen wundert das?
Mich nicht. Wenn so viel Geld "im Spiel" ist zieht das dunkle Gestalten aller Art an. Das dürfte bei uns nicht wesentlich anders sein.
peter0pf9 17.12.2013
3. Money money money
um was anderes geht es doch nicht bei diesem "Sport"! Und das gilt ganz sicher nicht nur für Italien!!! Der Gerechte werfe...den ersten Ball!
aurichter 17.12.2013
4. @ desperado777
Erstmal abwarten und nicht gleich mit der Tür in's Haus fallen. Noch ist nichts bewiesen, sondern es bestehen nur Verdachtsmomente. Und warum soll es dies genauso wie in Österreich und England nicht auch dort geben, denn auch hierzulande gab es schon einige Verdachtsmomente, zieht sich also quer durch Europa. Wundert mich insofern gar nicht.
DerWeisseWal 17.12.2013
5. Verschleppte Spätfolgen
Eigentlich war man 2006 schon so weit, dass man gleich nach der WM den ganzen Fussball- und Ligastall konsequent ausmisten wollte, ohne Rücksicht auf grosse Namen von Vereinen und Personen. Doch dann wurde Italien unglücklicherweise Weltmeister, und im Jubelrausch war natürlich kein kritisches Wort mehr erwünscht. Dieser Effekt, mit dem das Grossreinemachen verhindert wurde, wurde tatsächlich schon gleich nach dem Titelgewinn von italienischen und anderen Fussballexperten benannt bzw. vorhergesagt. Hätte nicht gedacht, dass das so wahr werden würde ...
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