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BVB-Star Kagawa: Brillant am Ball

Foto: Kevin Kurek/ dpa

Begehrter BVB-Star Klotzen für Kagawa

Kollege Hummels nennt seine Bewegungen "geisteskrank", Trainer Klopp findet ihn "unfassbar gut": Shinji Kagawa ragt aus Dortmunds Erfolgself heraus. Trotzdem könnte der Japaner dem BVB abhandenkommen - weil er zu teuer wird.

Die Entscheidung naht. "In den kommenden Tagen oder Wochen, nicht Monaten", sagt Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, habe der BVB Klarheit bei einer zentralen Personalie: Shinji Kagawa. "Es gab in den vergangenen Wochen einige Gespräche, wir sind im ständigen Austausch miteinander", so Watzke zu SPIEGEL ONLINE. Der Deutsche Meister will den 2013 auslaufenden Vertrag mit dem Japaner unbedingt verlängern. Der Mittelfeldstar spielt in den Zukunftsplanungen des Vereins eine große Rolle.

In Dortmund mag man es nicht, einzelne Spieler herauszuheben. Das Kollektiv steht über allem. Doch Kagawa ragt heraus. Er ist der Erfolgsgarant der Rückrunde, mehr noch, als es seine vier Tore und drei Vorlagen vermuten lassen. Kagawa ist in der Lage, Spiele allein zu entscheiden. Von solchen Fußballern gibt es nicht viele, auch beim Tabellenführer in Dortmund nicht.

Fünf seiner insgesamt acht Saisontore brachten das 1:0. Innenverteidiger Mats Hummels sagte nach Kagawas Siegtreffer gegen Bayer Leverkusen am 21. Spieltag: "Gegen den möchte ich nicht spielen, seine Bewegungen sind doch wie geisteskrank." Es ist Kagawa, der den verletzungsbedingten Ausfall von Jungstar Mario Götze vergessen macht und maßgeblichen Anteil an der Erfolgsserie des seit 19 Ligaspielen ungeschlagenen BVB hat.

Die Wertschätzung ist entsprechend. "Shinji ist für uns ein Schlüsselspieler", sagt Watzke SPIEGEL ONLINE. "Wir haben zwar im kommenden Jahr ein sehr starkes Mittelfeld, aber insbesondere in der Champions League kann Shinji natürlich ein absolutes Plus für uns sein. Wir würden gerne um ihn herum unsere Mannschaft weiter wachsen lassen."

Trainer Jürgen Klopp findet: "Am Anfang der Saison hat ihm etwas die Frische gefehlt, aber mittlerweile ist er wieder unfassbar gut." Wie sehr der dribbelstarke Japaner seiner Mannschaft im Falle eines Abschieds fehlen würde, musste der BVB in Augsburg erfahren. Beim Aufsteiger fehlten die Ideen von Kagawa, obwohl er wie gewohnt in der Startelf stand.

"Angemessene Bezahlung verdient"

Der Nationalspieler fand nicht im Ansatz zu seiner Form. Permanent von Gegenspieler Hajime Hosogai verfolgt, blieb der 23-Jährige den Nachweis seiner Klasse schuldig und wurde in der 70. Minute ausgewechselt. Dortmunds Offensivspiel war erschrecken uninspiriert. Am Ende trennten sich beide Teams 0:0.

Dass Kagawa künftig dauerhaft fehlen könnte, mag sich angesichts der Leistungen in dieser Rückrunde kein BVB-Fan vorstellen. Doch die Gefahr ist real. Die Gespräche zwischen Kagawas Berater Thomas Kroth und der Borussia waren bisher wenig konkret, beide Parteien sollen bislang überhaupt nur einmal über die Personalie Kagawa verhandelt haben. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE erregt dabei vor allem das Thema Geld die Gemüter.

Angeblich soll Kagawa derzeit unter einer Million Euro pro Jahr verdienen. Die Gehaltsforderungen des Kreativspielers sind inzwischen deutlich gestiegen. Sein Berater sagt: "Durch seine Leistung hat er eine angemessene Bezahlung verdient. Aber das Finanzielle ist sicherlich nicht der ausschlaggebende Grund für eine Verlängerung."

"Shinji ist sicherlich begehrt"

Kagawa, der sich in Dortmund wohlzufühlen scheint, sagt zu all dem wenig. Wenn er spricht, dann meist über die besondere Stimmung im Dortmunder Stadion und den Rückhalt der Fans. Zu seiner Zukunft äußert er sich verhalten. "Wir haben uns keine Deadline gesetzt, aber wir sind in Gesprächen, und ich hoffe, dass der Club noch etwas Nettes in der Hinterhand hat", sagte er dem Internetportal Der Westen.

"Shinji ist sicherlich begehrt, das hat er sich aber auch erarbeitet. Deshalb wollen wir ja auch verlängern", sagt Watzke. Sollte dies nicht gelingen, würde er Kagawa wohl schon im kommenden Sommer verkaufen. Scheitern die Verhandlungen, möchte der Verein eine Ablösesumme kassieren. Das Risiko, an dem 2010 für nur 350.000 Euro gekommenen Shootingstar nichts mehr zu verdienen, ist zu groß. Kagawas Marktwert wird auf rund 17 Millionen Euro geschätzt.

Finanziell wäre ein Verkauf ein lohnendes Geschäft, das für den BVB jedoch auch Probleme nach sich ziehen würde. Sportlich, weil nach dem Verlust von Nuri Sahin im vergangenen Sommer erneut ein Leistungsträger ginge. Und atmosphärisch, weil die Fans in der Ära Klopp-Watzke-Zorc nicht nur attraktiven und erfolgreichen Fußball gewohnt sind, sondern auch eine nahezu geräuschlose und erfolgreiche Personalplanung.

Trainer Klopp hat sich Ende Januar bis 2016 an den Verein gebunden, auch die Verträge von Watzke und Sportdirektor Zorc laufen so lange. Kapitän Sebastian Kehl bleibt mindestens bis 2013 an Bord, Stürmer Lucas Barrios gab Ende Februar bekannt, einen Kontrakt bis zum Jahr 2015 zu besitzen. Ein Abgang Kagawas, der nach Wunsch der BVB-Verantwortlichen künftig zusammen mit Götze und 17-Millionen-Zugang Marco Reus wirbeln soll, passt da kaum ins Bild.

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