Showdown in Turin Bayern wollen ins Achtelfinale, Toni zu Mama

Luca Toni will weg: Der Stürmer wird Bayern München nach eigener Aussage im Winter verlassen. Aber verabschiedet er sich von einem Champions-League-Achtelfinalisten oder einem Europa-League-Teilnehmer? Für das entscheidende Gruppenspiel bei Juventus Turin sind die Bayern jedenfalls sehr optimistisch.

Feiernde Bayern: "Glücklich, dass wir das Finale haben"
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Feiernde Bayern: "Glücklich, dass wir das Finale haben"


Hamburg - "Wir sind sehr glücklich, dass wir dieses Finale überhaupt haben. Es ist ein Wink des Schicksals im positiven Sinne", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge einen Tag vor dem Auftritt des FC Bayern in Turin. Er sei überzeugt, "dass unsere Mannschaft alles in die Waagschale werfen wird, um das noch vor ein paar Wochen schier Unmögliche möglich zu machen. Es ist ein Hopp-oder-Top-Spiel", so Karl-Heinz Rummenigge. Auch Kapitän Mark van Bommel gab sich nach der Ankunft in Turin sehr zuversichtlich: "Unser Selbstvertrauen ist nicht gespielt - das ist keine Show."

An ein Vorrunden-Scheitern am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mag keiner denken - auch Louis van Gaal nicht. "Wir haben die letzten Spiele gewonnen und sind mental sehr stark", erklärte der Trainer. Rummenigge ließ bei der Frage zu möglichen Konsequenzen eines Abstiegs in die Europa League Spielraum für Spekulationen. "Ich möchte erst mal das Spiel abwarten. Das Achtelfinale war immer unser Ziel. Ich wünsche der Mannschaft, dass sie es noch packt."

Fest steht: Schon bevor das Spiel angefangen hat, gibt es die ersten Angriffe - verbal. "Ich denke, Juve hat auch ein bisschen Angst", sagte Arjen Robben. Allerdings reicht dem Juve-Team um den Ex-Bremer Diego schon ein Unentschieden wie im Hinspiel (0:0), was auch Robben als "Vorteil" bezeichnete: "Sie können verteidigen und auf ihre Chance warten - das ist typisch italienischer Fußball."

Robben ist in Abwesenheit Franck Ribérys Bayerns Hoffnungsträger. Abwehrchef Daniel van Buyten kann trotz eines Blutergusses im Gesicht auflaufen. "Er hat ein dickes Auge. Aber es ist kein Problem für ihn zu spielen", sagte van Gaal. Wann er Robben bringt, ließ er offen. "Ich will von Anfang an spielen", hatte Robben gefordert. Aber auch er weiß nicht, wie lange seine Kräfte reichen würden: "60, 70 Minuten - vielleicht auch 90." Van Gaal könnte Robben, der sich im Hinspiel verletzt hatte, auch als Joker bringen, zumal sein Team 90 Minuten Zeit hat für den womöglich entscheidenden Treffer gegen Juve. "Es reicht ein Tor in der 80. Minute. Wir müssen nicht Hurra-Fußball spielen in der ersten Halbzeit", sagte Philipp Lahm.

"Ich werde nach Italien zurückkehren"

Zweimal haben die Bayern in Turin gespielt, beide Male verloren sie in der Gruppenphase der Champions League; 2004 0:1, ein Jahr darauf 1:2. "Ich möchte endlich mal hier gewinnen", sagte darum Bastian Schweinsteiger. Dass auch fast Aussichtsloses möglich ist, haben die Bayern am 7. Dezember 1988 bewiesen: Nach einem 0:2 im Achtelfinal-Hinspiel des Uefa-Cups gegen Inter Mailand siegte das damalige Bayern-Team unter Trainer Jupp Heynckes im Rückspiel 3:1 und kam weiter. Kapitän Mark van Bommel hofft auf eine Wiederholung: "Wenn man hier gewinnt, spricht man noch in Jahren davon."

Drei Siege in Serie haben die Bayern zuversichtlich gemacht. "Wir haben wieder ein bisschen Luft geschnappt", sagte Schweinsteiger. Juve sieht sich nach dem 2:1-Sieg im Top-Spiel gegen Inter Mailand aber ebenfalls im Aufwind. "Wir haben bewiesen, für wichtige Spiele bestens gerüstet zu sein", sagte Trainer Ciro Ferrara. Rummenigge sah das psychologisch anders: "Wenn die gegen Inter verloren hätten, wären sie mit großer Aggressivität gegen uns angetreten."

Luca Toni fehlt in Turin - und das wird wohl auch so bleiben. "Eins steht fest: Ich werde nach Italien zurückkehren", sagte der 32 Jahre alte Stürmer dem italienischen Magazin "Chi" und bekräftigte, dass er den deutschen Rekordmeister so schnell wie möglich verlassen und zurück in die Heimat will: "Von meinem Land fehlt mir alles: Die Fans, die Freunde und meine Mutter."

Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sprach sich unterdessen für einen Verbleib des Italieners aus. "Ich würde ihn behalten", sagte der "Kaiser" in einem Interview der italienischen Sportzeitung "Gazzetta dello Sport": "Ich mag Toni als Spieler und als Person. Er hat in München viel geleistet und Bayern München viel gegeben. Aber wenn Toni gehen will, dann soll er es tun."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Juventus Turin: Buffon - Caceres, Cannavaro, Legrottaglie, Grosso - Camoranesi, Sissoko, Marchisio - Diego - Trezeguet, Del Piero
FC Bayern München: Butt - Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber - van Bommel, Schweinsteiger - Müller - Robben, Gomez, Olic
Schiedsrichter: Busacca (Schweiz)

goe/dpa



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