DFB-Aufsteiger Spiel's noch einmal, Sam!

Glänzend, sein Saisonstart: Der Leverkusener Sidney Sam ist Top-Scorer der Bundesliga, Joachim Löw hat ihn erneut für die Nationalmannschaft nominiert. Der 25-Jährige könnte für das Team noch sehr wichtig werden - auch weil er eine Schlüsselsituation besser gemeistert hat als Stefan Kießling.

DPA

Aus Köln berichtet


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Wie schnell es gehen kann in der Fußball-Nationalmannschaft, das hat Sidney Sam derzeit jeden Tag direkt vor Augen. Vor vier Jahren war Thomas Müller ein aufstrebendes Talent. Ein junger Spieler, der sich im Verein gerade erst einen Stammplatz erkämpft hatte, auf der rechten Angriffsseite frech aufspielte und auch noch Tore erzielte. Zehn Monate später war Müller Torschützenkönig der Weltmeisterschaft in Südafrika.

Nicht jedem ist eine solche Turbo-Karriere vergönnt. Aber wenn man so will, nimmt Sam derzeit einen ähnlichen Weg - und das auch noch auf der gleichen Position. Der Leverkusener hat einen glänzenden Saisonstart in der Bundesliga hingelegt, ist gemeinsam mit Dortmunds Robert Lewandowski und Mönchengladbachs Max Kruse Top-Scorer der bisherigen Spielzeit und in der Nationalmannschaft mittlerweile fast so etwas wie ein Stammgast. Zum wiederholten Male ist er für den Kader nominiert worden - wenn auch bisher noch als Mann der zweiten Reihe. Am Freitag gegen Irland (20.45 Uhr, TV: ARD, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wäre er sogar eine Option für die Startelf.

Bundestrainer Joachim Löw hat der 25-Jährige jedenfalls überzeugt. Die größte Hürde für eine Nationalmannschaftslaufbahn hat Sam damit schon einmal genommen. "Ich schätze an ihm vor allem sein Tempodribbling, wenn er mit hoher Geschwindigkeit ins Eins-gegen-eins-Spiel geht", lobt Löw und nennt Sam eine "starke Kraft in der Offensive".

Sam, Schürrle und Reus sind Löws Tempodribbler

Der Bayer-Profi ist wegen dieser Qualitäten so etwas wie der ideale Joker. Einer, der dann seine Trümpfe ausspielt, wenn die gegnerischen Abwehrspieler beginnen, müde zu werden und nicht mehr jedes Tempo mitgehen können. In André Schürrle, Marco Reus und jetzt Sam hat Löw drei solcher Tempomacher, die er in annähernd jeder Spielsituation in die Partie bringen kann.

Sam hat mittlerweile ein Standing bei Löw. Das hat er seinem Vereinskollegen Stefan Kießling voraus - und beides hat mit jener USA-Reise im Frühsommer zu tun, die "von vielen ja als unwichtig und sinnlos bezeichnet wurde", wie Löw auch Monate später noch leicht angesäuert bemerkt. Als der Bundestrainer im Mai seinen Aushilfskader für die Testspielreise nach Nordamerika bekanntgab, hatte Kießling vorher bereits von sich aus abgewunken und verzichtet. So etwas vergisst Löw nicht.

USA-Reise als Sprungbrett für Sam

Sam dagegen sah die Reise als "Riesenchance", er hat sich "so richtig reingehängt", wie Löw aufmerksam registriert hat. Der Trip mit den ersten beiden Länderspieleinsätzen habe ihm "extremes Selbstbewusstsein verliehen", glaubt Löw und ist überzeugt, dass Sams guter Saisonstart bei Bayer auch damit zusammenhängt. "Die Reise war in jedem Fall extrem wichtig für mich, weil ich mich präsentieren konnte", sagt der Leverkusener in der Rückschau.

Die Nominierung hatte damals viele überrascht. Sam war schließlich bis zur Rückrunde nur Edelreservist bei Bayer, hatte bereits frustriert ein Angebot von Liga-Konkurrent Schalke 04 geprüft und war in Leverkusen gedanklich schon auf dem Absprung. Aber wie es so häufig im Fußball ist - und man es auch eigentlich nicht erklären kann: Plötzlich lief es bei Sam, er rutschte in die Startformation, nutzte bei Bayer seine Chance. Jetzt ist er der überragende Mann im Team, der Spieler des ersten Saisonviertels.

"Ich weiß nicht, was er verändert hat. Aber er macht seine Sache jetzt einfach richtig gut", sagt sein Vereinstrainer Sami Hyppiä über Sam. Tatsächlich galt der gebürtige Kieler früher als trainingsfaul. Als einer, der den Profifußball nicht angemessen ernst nahm. Dazu kamen Episoden, die kein Trainer der Welt gerne sieht. Sam wurde mit Alkohol am Steuer erwischt, die daraus folgende Gerichtsverhandlung schwänzte er mehrfach.

Das ist abgehakt. "Im Nachhinein waren vielleicht die Tiefen auch gut für meine Entwicklung, helfen mir jetzt, auf dem Teppich zu bleiben", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Sam hat seine Dinge geordnet, er ist jetzt Familienvater, im Frühjahr hat er sich definitiv entschieden, für Deutschland zu spielen. Jahrelang hatte der Fußballverband Nigerias, der Heimat von Sams Vater, gedrängt, den Profi auf seine Seite zu ziehen. Aber Sam, der ab der U19 für alle DFB-Auswahlteams gespielt hat, ist hart geblieben.

Zum Stammspieler in der Nationalmannschaft ist es trotz allem noch ein weiter Weg. Zu sehr scheinen die Plätze vor ihm von den Arrivierten besetzt. Aber das hat Thomas Müller vor vier Jahren auch gedacht.

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Seite 1
citi2010 10.10.2013
1. optional
Ich finde ihn einen wesentlich interessanteren Spieler als Thomas Müller. Klar, Müller ist unberechenbar. Aber wenn es nach mir ginge (und Müller nicht etwa im Zentrum aufläuft), würde ich eher Reus UND Sam bringen statt Reus UND Müller, auch wenn Sam lieber links spielt. Müller könnte dann ab der 60 min entweder rechts oder in der Mitte kommen.
Eppelein von Gailingen 10.10.2013
2. Na also, wer sagt es denn, die DFB-Auswahl hat einen neuen Siegertypen
Langsam wird es Zeit, der große Meister Löw fährt endlich Titel ein, mit diesen überragenden Athleten - angeblich der mittlerweile besten Liga der Welt. Weltmeister, Europameister. Oder wird er eine lange DFB-Trainerzeit hinlegen, die nie den Erfolg mit dem Titel vorlegen konnte? Beckenbauer kam, sah, und schon war der dritte WM-Titel in der Kiste. *"Gehts naus, spuilts einfach Fuaßball".* Bei Löw kann man sich so etwas Einfaches aus seinem Mund nicht vorstellen. Der sagt vorher, dreimal "au", die Spieler meinen dann, jetzt tut es aber weh. Alle haben plötzlich die WM- oder EU-Meisterallergie. Sidney Sam gehört zu den Aufsteigern in der Nationalmannschaft - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/sidney-sam-gehoert-zu-den-aufsteigern-in-der-nationalmannschaft-a-927093.html)
benedetto089 10.10.2013
3.
Zitat von Eppelein von GailingenLangsam wird es Zeit, der große Meister Löw fährt endlich Titel ein, mit diesen überragenden Athleten - angeblich der mittlerweile besten Liga der Welt. Weltmeister, Europameister. Oder wird er eine lange DFB-Trainerzeit hinlegen, die nie den Erfolg mit dem Titel vorlegen konnte? Beckenbauer kam, sah, und schon war der dritte WM-Titel in der Kiste. *"Gehts naus, spuilts einfach Fuaßball".* Bei Löw kann man sich so etwas Einfaches aus seinem Mund nicht vorstellen. Der sagt vorher, dreimal "au", die Spieler meinen dann, jetzt tut es aber weh. Alle haben plötzlich die WM- oder EU-Meisterallergie. Sidney Sam gehört zu den Aufsteigern in der Nationalmannschaft - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/sidney-sam-gehoert-zu-den-aufsteigern-in-der-nationalmannschaft-a-927093.html)
[QUOTE=Eppelein von Gailingen;13949690]Langsam wird es Zeit, der große Meister Löw fährt endlich Titel ein, mit diesen überragenden Athleten - angeblich der mittlerweile besten Liga der Welt. Weltmeister, Europameister. Oder wird er eine lange DFB-Trainerzeit hinlegen, die nie den Erfolg mit dem Titel vorlegen konnte? Beckenbauer kam, sah, und schon war der dritte WM-Titel in der Kiste. *"Gehts naus, spuilts einfach Fuaßball".* Bei Löw kann man sich so etwas Einfaches aus seinem Mund nicht vorstellen. Der sagt vorher, dreimal "au", die Spieler meinen dann, jetzt tut es aber weh. Alle haben plötzlich die WM- oder EU-Meisterallergie. Ihr Beitrag hat ja wahnsinnig viel mit dem Artikel zu tun... Zum Thema: Sam hat seit Monaten eine gute Form und ist zur Zeit sicherlich eine gute Alternative. Allerdings muss er seine Leistung auf diesem Niveau erstmal noch einige Zeit konstant abrufen bevor man wirklich von einer dauerhaften Alternative zu den arrivierten Kräften sprechen kann. Die Konkurrenz im offensiven Mittelfeld ist ja recht groß. Bin gespannt wie Kruse sich einfügen wird.
volker_morales 10.10.2013
4. Talentschuppen Nationalmannschaft
Bei aller Sympathie für die zahlreichen Talente, zu denen ganz sicher auch Sam und Kruse zählen. Wer WM-Sieger werden will braucht vor allem gestandene Spieler wie '90 beispielsweise vor allem Matthäus, Brehme und Völler. Eine Handvoll "Younggunners" reichen nicht, das sollte Yogi endlich einsehen. Und seit Ballack hat sich auch kein Capitano mehr bei Löw etablieren können. Liegt das an Löw oder dem vorhandenen "Spielermaterial"?
Stefan Wenzel 10.10.2013
5. ...
Zitat von benedetto089[QUOTE=Eppelein von Gailingen;13949690]Langsam wird es Zeit, der große Meister Löw fährt endlich Titel ein, mit diesen überragenden Athleten - angeblich der mittlerweile besten Liga der Welt. Weltmeister, Europameister. Oder wird er eine lange DFB-Trainerzeit hinlegen, die nie den Erfolg mit dem Titel vorlegen konnte? Beckenbauer kam, sah, und schon war der dritte WM-Titel in der Kiste. *"Gehts naus, spuilts einfach Fuaßball".* Bei Löw kann man sich so etwas Einfaches aus seinem Mund nicht vorstellen. Der sagt vorher, dreimal "au", die Spieler meinen dann, jetzt tut es aber weh. Alle haben plötzlich die WM- oder EU-Meisterallergie. Ihr Beitrag hat ja wahnsinnig viel mit dem Artikel zu tun... Zum Thema: Sam hat seit Monaten eine gute Form und ist zur Zeit sicherlich eine gute Alternative. Allerdings muss er seine Leistung auf diesem Niveau erstmal noch einige Zeit konstant abrufen bevor man wirklich von einer dauerhaften Alternative zu den arrivierten Kräften sprechen kann. Die Konkurrenz im offensiven Mittelfeld ist ja recht groß. Bin gespannt wie Kruse sich einfügen wird.
[QUOTE=benedetto089;13949907] Genau, Beckenbauer wurde 1984 Bundestrainer, wurde 1986 NICHT Weltmeister und versiebte dann auch noch die Heim-EM 1988. Dann erst, nach 6 Jahren ging es nach Itailen.
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