Sieg für Bayer Spätes Tor versetzt Werder den K.o.

Bayer Leverkusen gegen Werder Bremen - das garantiert normalerweise Offensivfußball. Am Sonntag blieben beide Mannschaften jedoch unter ihren Möglichkeiten. Kurz vor Schluss erzwang ein Verteidiger die Entscheidung für Leverkusen.

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Einmal wieder Kapitän sein. Michael Ballack hat das Gefühl, wie es ist, eine Mannschaft aufs Feld zu führen, zuletzt nicht sehr häufig gehabt. Am Sonntag war es dem 34-Jährigen von Bayer Leverkusen wieder einmal vergönnt. Trainer Robin Dutt schickte ihn gegen Werder Bremen von Beginn an aufs Feld und bedachte ihn gleich mit dem Amt des Spielführers. Das Gefühl des Sieges konnte er jedoch auf dem Platz nicht mehr auskosten. Das späte 1:0-Siegtor durch Michal Kadlec fiel zwei Minuten nach Ballacks Auswechslung.

Der etatmäßige Bayer-Kapitän Simon Rolfes durfte sich die Partie 84 Minuten lang von der Bank anschauen, er musste für Ballack weichen. Dutt hatte zuvor kategorisch ausgeschlossen, beide gemeinsam aufs Feld zu schicken. Sie seien "zu ähnliche Spielertypen", befand er. "Wer für einen Champions-League-Club spielt, für den ist es eine Ehre, auf der Bank sitzen zu dürfen", hatte der Trainer noch nachgelegt.

Ob die Führungsfiguren Rolfes und Ballack diese Ehre zu schätzen wissen, ist eher fraglich. Der Konflikt im Team ist damit angelegt. Rolfes oder Ballack - Dutt bekommt sein Dauerthema.

Wechsel bei Bayer ist das Beständigste

Es gibt nur ganz wenige Teams in der Liga, die so viel Qualität im Kader haben wie Leverkusen. Aber bei Bayer scheint dies trotz des Erfolges eher Probleme zu schaffen, als dass es Lösungen bietet. Bayer findet zu keiner echten Stammformation, der Wechsel ist das Beständigste. Auch gegen Werder stellte Dutt wieder auf vier Positionen um - mit der Folge, dass die Mannschaft uneingespielt wirkte.

Zum Quartett der Neuen gehörte auch Torwart Bernd Leno, in der Woche noch rasch vom VfB Stuttgart verpflichtet, nachdem die Ersatzleute für den verletzten René Adler, Fabian Giefer und David Yeldell, in den vorherigen Partien gepatzt hatten. Im Gegensatz zu ihnen hinterließ der 19-jährige Leno einen soliden Eindruck - die Werder-Offensive forderte den jungen Mann allerdings auch kaum.

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Trotzdem waren es die Gäste, die nach einer halben Stunde die beste Chance in der ersten Hälfte hatten. Der junge Bremer Angreifer Lennart Thy dürfte sich dabei wohl bald über mehrere Youtube-Videos seiner Aktion freuen können: Er beförderte den Ball aus drei Metern Entfernung freistehend und unbedrängt übers Tor. Der eigentliche Bremer Premium-Stürmer Claudio Pizarro, der nach einer Verletzung zunächst auf der Bank saß, quittierte die Aktion seines Mitspielers von dort aus mit dem denkbar breitesten Grinsen. Das Tor hätte allerdings ohnehin nicht gezählt. Schiedsrichter Felix Brych hatte Abseits entschieden.

Nur wenig Torgefahr für Wiese

Ansonsten hielten sich Höhepunkte dieser Partie in den ersten 45 Minuten gut versteckt. Bayer war bemüht, trug auch einige Male Angriffe bis in den Strafraum, aber echte Torgefahr entwickelte nur Renato Augusto, der mit einem Distanzschuss die Reflexe von Torwart Tim Wiese prüfte.

Auch nach der Pause veränderte sich das Bild nur wenig: Bayer hatte mehr vom Spiel, blieb aber angesichts seines Überangebots an starken Offensivkräften merkwürdig ineffektiv. Sidney Sam, Stefan Kießling, André Schürrle, später auch Eren Derdiyok - sie alle fanden keinen Weg durch die Werder-Deckung. Es musste schon ein Freistoß von Abwehrspieler Michal Kadlec eine Viertelstunde vor Schluss herhalten, um Wiese erneut auf die Probe zu stellen. Kadlec war es dann auch, der per Kopf zur Stelle war und in der 86. Minute Bayers Sieg sicherte.

Auch Werder agierte umständlich vor dem Tor. Die Gäste können aus dem Spiel trotzdem zumindest ein bisschen Positives herausziehen. Das Team, jahrelang für seine Abwehrdefizite gescholten, stand hinten relativ sicher. Zudem lichtet sich das Lazarett der Bremer von Woche zu Woche: Gegen Bayer stand der langzeitverletzte Sebastian Prödl in der Startelf. Pizarro durfte sich zunächst ausführlich warmlaufen und kam nach einer Stunde in die Partie.

Ach, ja - und Michael Ballack? Seine Leistung erhielt das Prädikat, das er bei Bayer bislang fast immer erhielt: unauffällig. Nach 84 Minuten wurde er ausgewechselt. Für ihn kam Simon Rolfes. Postwendend fiel das Siegtor. Die Vorarbeit kam von Rolfes.



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Seite 1
Andr.e 14.08.2011
1. .
---Zitat--- Am Sonntag blieben beide Mannschaften jedoch unter ihren Möglichkeiten. ---Zitatende--- Das ist nett ausgedrückt, Danke.
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