Sieg gegen Brasilien Frankreich entzaubert den Weltmeister

Sensation im Viertelfinale: Die schwachen Brasilianer scheiden gegen eine wiedererstarkte französische Elf aus. Der große Favorit ist damit frühzeitig gescheitert, Frankreich feiert seine Helden wie 1998.


Frankfurt am Main - Acht Jahre nach dem WM-Trauma von Paris hat Rekordweltmeister Brasilien gegen Frankreich erneut ein blaues Wunder erlebt. Die Selecao verlor das Viertelfinale gegen "Les Bleus" in Frankfurt mit 0:1 (0:0) und verpasste durch die erste Niederlage bei einer WM seit dem Finale am 12. Juli 1998 (0:3) die erhoffte Revanche und die erfolgreiche Titelverteidigung.

Frankreich trifft in seinem fünften WM-Halbfinale am Mittwoch in München auf Portugal (0:0 n.V., 3:1 i.E. gegen England). Es ist die erste rein europäische Semifinal-Runde seit der WM 1982 in Spanien. Thierry Henry besiegelte in dem Prestigeduell vor 52.000 Zuschauern nach einem Freistoß von Zinedine Zidane (57.) die erste Pleite des Titelverteidigers nach zuvor elf siegreichen WM-Partien in Serie.

Während Ronaldinho, Ronaldo und Co. trotz einer stürmischen Schlussphase den Traum vom sechsten WM-Titel begraben mussten, genoss vor allem Zidane den Jubel der eigenen Fans. Das Karriereende des 34 Jahre alten Kapitäns, der vor ein paar Monaten seinen ursprünglich noch bis 2007 laufenden Vertrag bei Real Madrid vorzeitig aufgelöst hatte, zögert sich damit weiter hinaus. Zwar konnte der dreimalige Weltfußballer Zidane nicht wie im Finale von 1998 Akzente (zwei Tore) setzen, doch er ließ ab und an seine Können aufblitzen.

Die Brasilianer beherzigten die Vorgabe von Stürmer Ronaldo, das Viertelfinale wie ein Endspiel anzugehen und zeigten etliche gelungene Spielzüge. Besonders mit dem diesmal als zweite Sturmspitze aufgebotenen Ronaldinho war der beste WM-Torjäger aller Zeiten (15 Treffer) zu Beginn ein steter Unruheherd. Nach einem Freistoß von Champions-League-Sieger Ronaldinho verfehlte Ronaldo das Tor per Kopf aber um etliche Meter (11.).

Nur vier Minuten später war es erneut der Angreifer von Real Madrid, der nach einem Flankenlauf nach innen passte. Doch Italien-Legionär Kaka verpasste die Vorlage Ronaldos um wenige Zentimeter. Vor den Augen von Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac kam die Equipe Tricolore zum Ende der ersten Halbzeit auch dank einiger Vorstöße von Zidane immer besser ins Spiel. Nach glänzender Vorabeit von "Zizou" setzte Florent Malouda einen Kopfball nur knapp über das gegnerische Gehäuse (38.). Auch nach dem Wechsel dominierten die taktisch klug agierenden Franzosen und blieben besonders bei Standards gefährlich.

Symptomatisch, dass Henry nach einem Freistoß von Zidane aus drei Metern mit dem rechten Fuß zur verdienten Führung einschoss. Es war der dritte Treffer des England-Legionärs bei dieser WM. Nur vier Minuten später hätte Frankreich schon für die Vorentscheidung sorgen können, als ein vom Leverkusener Juan abgefälschter Ball haarscharf am brasilianischen Gehäuse vorbeirollte.

Brasilien - Frankreich 0:1
0:1 Henry (57.)
Brasilien: Dida - Cafú, Lucio, Juan, Roberto Carlos - Zé Roberto, Gilberto Silva, Ronaldinho, Kaka (79. Robinho), Juninho (63. Adriano), Pernambucano - Ronaldo Trainer: Parreira
Frankreich: Barthez - Gallas, Abidal, Thuram, Sagnol - Malouda, Viera, Makelele, Zidane, Ribéry (77. Gouvou) - Henry (86. Saha) Trainer: Domenech
Schiedsrichter: Cantalejo (Spanien)
Gelbe Karten: Ronaldo, Juan, Cafú, Lucio / Sagnol, Saha, Thuram

fpf/sid



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