Sieg gegen die Elfenbeinküste Luís Fabiano schießt Brasilien in die K.o.-Runde

Doppelpack gegen die Elfenbeinküste: Stürmer Luís Fabiano hat Brasilien in einer ruppigen Partie zum ungefährdeten 3:1-Erfolg geführt. Damit ist das Team von Trainer Carlos Dunga bereits für das Achtelfinale qualifiziert. Ein Treffer hätte allerdings nicht zählen dürfen.

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Hamburg - Luís Fabiano hätte an diesem Sonntagabend beweisen können, dass er ein großer Sportsmann ist. Es lief die 51. Minute im Soccer-City-Stadion von Johannesburg - und Luís Fabiano hatte gerade bewiesen, dass er ein großer Stürmer ist. Gleich drei ivorische Gegenspieler hatte der Brasilianer aussteigen lassen und anschließend mit einem harten Linksschuss das 2:0 erzielt. Sein 27. Treffer im 40. Länderspiel. Doch der Angreifer hatte sich zuvor den Ball zweimal mit dem Oberarm vorgelegt.

Schiedsrichter Stéphane Lannoy aus Frankreich fragte den Torschützen nach dem Treffer, ob er ein Handspiel begangen habe. Der 29-Jährige blickte kurz verwundert auf und schüttelte dann mit unschuldigem Gesichtsausdruck seinen Kopf.

Der Treffer zählte.

Nach der Partie zeigte sich Luís Fabiano deutlich auskunftsfreudiger. "Das war keine Absicht. Vielleicht springt mir der Ball an den Arm, aber was soll ich machen", sagte er und fügte in Anspielung auf den legendären Treffer des Argentiniers Diego Maradona im WM-Viertelfinale 1986 gegen England hinzu: "Vielleicht war es die heilige Hand Gottes." Ein gewagter Vergleich.

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Brasiliens Matchwinner: Luís Fabiano mit Hand, Elano mit Elan
Am Ende gewann der Rekordweltmeister verdient 3:1 (1:0). Dank des Erfolgs stehen die Brasilianer als zweites Team nach den Niederlanden vorzeitig im Achtelfinale. Die Tore erzielten Luís Fabiano mit einem Doppelpack (25. und 51. Minute) sowie Elano (62.), der bereits beim 2:1-Sieg zum Auftakt gegen Nordkorea getroffen hatte. Für den Ehrentreffer der Ivorer sorgte Superstar Didier Drogba (79.) per Kopf. Brasilien spielt zum Abschluss der Gruppe G am Freitag in Durban gegen Portugal, die Ivorer treffen zeitgleich in Nelspruit auf Nordkorea (beide 16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) - und stehen mit nur einem Punkt aus zwei Spielen gewaltig unter Druck.

Robinhos Schnellstart

Der Start in die Partie verlief schwungvoll: Brasiliens Angreifer Robinho versuchte es nach 48 Sekunden mit einem Distanzschuss aus etwa 30 Metern. Der Ball flog knapp über das von Boubacar Barry gehütete Tor. Wer dachte, dass es nun ähnlich temporeich weitergehen würde, sah sich jedoch zunächst getäuscht. Die Ivorer um ihren Star Drogba agierten sehr vorsichtig und zogen sich bei gegnerischen Angriffen taktisch diszipliniert in die eigene Hälfte zurück. Ihre defensive Spielweise sollte um jeden Preis verhindern, dass Brasilien mit blitzartigen Kontern für unliebsame Überraschungen sorgt.

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WM 2010: Die Sünderkartei der WM
Das Rezept ging zunächst auf: Das Team von Trainer Carlos Dunga tat sich schwer, aus dem Spiel heraus gegen die dicht gestaffelte Abwehr der Elfenbeinküste zu Chancen zu kommen. Lediglich bei Standardsituationen entstand Torgefahr. So versuchte Brasiliens Mittelfeldmann Gilberto Silva eine abgefälschte Elano-Ecke per Direktabnahme zu verwandeln, sein Schuss wurde jedoch von Emmanuel Eboué abgeblockt.

Es war Brasiliens Regisseur Kaká, der mit seiner einzigen genialen Aktion in den ersten 45 Minuten den Führungstreffer der Südamerikaner einleitete. Er dribbelte zwei Gegenspieler aus und spielte im richtigen Moment Luís Fabiano im gegnerischen Strafraum frei. Der Stürmer des FC Sevilla ließ Keeper Barry keine Abwehrchance und schoss den Ball aus spitzem Winkel mit dem Vollspann unter die Torlatte (25.).

Elfenbeinküste ungefährlich

In der Folge bestimmte Brasilien das Spiel, ohne aber bis zur Pause weitere Möglichkeiten herauszuspielen. Auch die Elfenbeinküste brachte im Angriff kaum etwas zustande. Drogba, der Anfang Juni einen Knochenbruch nahe des rechten Ellenbogens erlitten hatte, stand zwar in der Startelf, seine Spezialmanschette schien ihn aber stark zu behindern. Der 32-Jährige zeigte sich ungewohnt zurückhaltend in den Zweikämpfen.

Die beste Gelegenheit für die Elfenbeinküste vergab Drogbas Sturmpartner Aruna Dindane kurz vor dem Seitenwechsel. Der Angreifer nahm eine Flanke des Hamburgers Guy Demel direkt, doch Juan blockte den Schuss mit dem Oberkörper ab (38.). Nur eine Minute später versuchte es Dindane erneut, doch sein Aufsetzer aus 18 Metern bereitete dem brasilianischen Torhüter Júlio César keine Probleme.

Nach dem Seitenwechsel und dem schnellen 2:0 von Luís Fabiano übernahmen die Brasilianer endgültig das Kommando auf dem Feld. Sven-Göran Eriksson, Coach der Elfenbeinküste, bedauerte nach der Partie, dass der Referee das Handspiel beim vorentscheidenden 2:0 nicht im Blick hatte. "Schade, dass der Schiedsrichter das nicht gesehen hat. Es ist schon so schwierig, Luís Fabiano auszuschalten - es ist noch schwieriger, wenn er vor dem Tor seine Hand benutzt." Sein Team wirkte nach dem Gegentreffer schockiert, Lediglich ein Drogba-Kopfball, der knapp am Tor vorbeistrich sorgte für Gefahr (54.). Auf Vorlage von Kaká erhöhte Elano auf 3:0 (62.) - die endgültige Entscheidung.

Hektische Schlussphase

Fünf Minuten später wurde der Torschütze von Cheik Tioté brutal am Schienbein getroffen. Elano verletzte sich und musste auf einer Trage vom Feld befördert werden. Die Partie war für ihn vorbei. Es war nicht der einzige Moment, in dem Schiedsrichter Lannoy leicht überfordert wirkte. In der Schlussphase glitt ihm die Partie immer mehr aus den Händen. Fouls und Ruppigkeiten häuften sich, es kam teilweise zu tumultartigen Szenen auf dem Platz. "Es war ein sehr kompliziertes Spiel. Es hat viele Fouls gegeben. Das war nicht korrekt. Da hätte der Schiedsrichter härter einschreiten müssen", sagte Brasiliens Trainer Dunga.

Der bereits verwarnte Spielmacher seines Teams, Kaká, sah kurz vor Schluss nach einem Ellenbogeneinsatz gegen Abdulkader Keita die Gelb-Rote Karte. Nur noch selten war zuvor Fußball gespielt worden. Eine Ausnahme bildete Drogbas Kopfballtreffer in der 79. Minute. Doch das Tor für die Elfenbeinküste fiel zu spät, um noch einmal Spannung aufkommen zu lassen.

Brasilien - Elfenbeinküste 3:1 (1:0)
1:0 Luís Fabiano (25.)
2:0 Luís Fabiano (51.)
3:0 Elano (62.)
3:1 Drogba (79.)
Brasilien: Júlio César - Maicon, Lucio, Juan, Michel Bastos - Elano (67. Dani Alves), Gilberto Silva, Felipe Melo - Kaká - Luís Fabiano, Robinho (90.+3 Ramires)
Elfenbeinküste: Barry - Demel, Kolo Touré, Zokora Tiené - Yaha Touré - Dindane (54. Gervinho), Eboué (72. Romaric), Tioté, Kalou (68. Keita) - Drogba
Schiedsrichter: Lannoy (Frankreich)
Zuschauer: 84.455 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Tiené, Tioté, Keita
Gelb-Rote Karte: Kaká (Brasilien) wegen wiederholten Foulspiels (88.)

mit Material von sid und dpa

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Seite 1
Brieli 01.06.2010
1.
Zitat von sysopMindestens ein hoch gehandeltes Team wird die Vorrunde nicht überstehen. Rekordweltmeister Brasilien trifft auf Portugal und die Elfenbeinküste. Krasser Außenseiter ist Nordkorea. Welche Mannschaften müssen nach der Vorrunde nach Hause fahren?
Nordkorea und Portugal.
BeckerC1972, 01.06.2010
2.
Brasilien Elfenbeinküste Portugal Nordkorea
klumpenhund 01.06.2010
3.
Zitat von sysopMindestens ein hoch gehandeltes Team wird die Vorrunde nicht überstehen. Rekordweltmeister Brasilien trifft auf Portugal und die Elfenbeinküste. Krasser Außenseiter ist Nordkorea. Welche Mannschaften müssen nach der Vorrunde nach Hause fahren?
Ziemliche Todesgruppe, bis auf die Kommis. Ich hoffe, dass sich die Ivorer gegen Portugal durchsetzen werden. Die wurden 2006 schon mit einer Hammergruppe gestraft. 1.) Brasilien 2.) Elfenbeinküste 3.) Portugal 4.) Nordkorea
Polar, 01.06.2010
4.
Zitat von sysopMindestens ein hoch gehandeltes Team wird die Vorrunde nicht überstehen. Rekordweltmeister Brasilien trifft auf Portugal und die Elfenbeinküste. Krasser Außenseiter ist Nordkorea. Welche Mannschaften müssen nach der Vorrunde nach Hause fahren?
1. Portugal 2. Brasilien 3. Elfenbeinküste 4. Nordkorea - obschon sich bei denen die Frage stellt, ob sie wirklich nach Hause fahren. Wenn man schon mal unterwegs ist...
Küchenbulle2010 02.06.2010
5.
1. Brasilien 2. Elfenbeinküste 3. Portugal 4. Nordkorea
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