Sieg gegen Ghana Typisch italienisch

In der Abwehr bärenstark, im Angriffsspiel nüchtern und erfolgreich: Italien ist mit einem Triumph in die WM-Endrunde gestartet, auch wenn Mittelfeldspieler Francesco Totti noch enttäuschte. Neuling Ghana spielte tapfer, unterlag am Ende aber verdient.

Von Pavo Prskalo


Hannover - Ganz Italien hatte auf Francesco Totti geschaut. Totti, der große Hoffnungsträger, soll das Land nach 24 Jahren wieder zum WM-Titel führen - und das, obwohl er gerade erst einen Wadenbeinbruch auskuriert hat. Als der Superstar in der 56. Minute erschöpft und nach einen Foulspiel leicht angeschlagen vom Platz schlich - Trainer Marcello Lippi hatte ihn ausgewechselt - waren die Anhänger der "Squadra Azzurra" dennoch nicht unglücklich. Beim Schlusspfiff der Partie gegen Ghana war die Laune gar noch besser.

Denn nach dem verdienten 2:0 (1:0) im WM-Stadion zu Hannover wissen die Fans, dass die Mannschaft auch ohne einen überragenden Totti ("Ich bin erst bei 70 Prozent") stark genug ist, um ein Wörtchen mitzureden bei der Vergabe des Fifa-Weltpokals.

"Besser hätte die WM für uns nicht beginnen können. Die Mannschaft hat sich unheimlich viele Torchancen herausgespielt, ein paar Mal leider Pech gehabt, aber zum Glück auch zwei Tore gemacht", lobte Coach Lippi seine Auswahl.

Schon nach zwölf Minuten hatte diese die erste Gelegenheit in Führung zu gehen. Luca Toni, in der vergangenen Saison mit 31 Treffern für den AC Florenz Torschützenkönig in der Serie A, rutsche an einer scharfen Hereingabe von Mittelfeldspieler Simone Perrotta vorbei. Eine Viertelstunde später zeigte Toni seine Klasse, als er aus 16 Metern die Unterkante der Latte traf.

Nach dem 1:0 durch Andrea Pirlo - der Mittelfeldstratege traf in der 40. Minute mit einem feinen Schlenzer ins lange Eck - nahmen die Italiener das Tempo aus der Partie. Der Gegner verstand es allerdings nicht, dies zu nutzen. Spätestens 20 Meter vor dem Gehäuse von Keeper Gianluigi Buffon scheiterten die Afrikaner mit ihren Kombinationen. "Buffon hatte im ganzen Spiel fast nichts zu tun", erklärte Lippi und hob vor allen Dingen die sicher stehende Viererkette um Kapitän Fabio Cannavaro hervor. 

Die beste Chance zum Ausgleich hatten die Ghanaer in der 79. Minute, als sie nach einem vermeintlichen Foul an Asamoah Gyan Elfmeter forderten. Schiedsrichter Carlos Simon aus Brasilien ließ aber zurecht weiterlaufen. "Wir hatten ein paar Chancen, haben aber nichts daraus gemacht. Wir haben ein Spiel verloren, aber schon das nächste können wir gewinnen. Die WM ist noch nicht zu Ende", sagte Ghana-Coach Ratomir Dujkovic. Der Serbe hatte vor der Endrunde noch das Halbfinale als erklärtes Ziel Ghanas ausgegeben.

Die Italiener, bei denen Juventus-Star Alessandro Del Piero lange auf der Bank schmorte, hielten das Tempo weiterhin niedrig und warteten in der Folge auf Fehler der Elf aus Westafrika. In der 83. Minute nutzte der eingewechselte Angreifer Vincenzo Iaquinta einen solchen. Der ehemalige Profi des FC Bayern, Samuel Kuffour, patzte bei einem Rückpass, Iaquinta sprintete dazwischen, umkurvte Schlussmann Richard Kingston und schob ein. Kuffour hatte zudem Glück, dass in der zweiten Halbzeit nicht die Rote Karte sah. Der Mann vom AS Rom leistete sich, nachdem der Schiedsrichter die Partie bereits unterbrochen hatte, ein rüdes Foul gegen Iaquinta.

Nächster Gegner der Italiener ist am Samstag (21 Uhr) in Kaiserslautern das US-Team. Totti ist wohl mit von der Partie. Trainer  Lippi gab noch am Abend des Auftakterfolges bezüglich Entwarnung: "Francesco geht es gut. Es ist nur eine ganz leichte Prellung." Drei Stunden vor den Italienern müssen die Ghanaer in Köln gegen Tschechien antreten.

Italien - Ghana 2:0 (1:0)
1:0 Pirlo (40.)
2:0 Iaquinta (83.)
Italien: Buffon - Zaccardo, Cannavaro, Nesta, Grosso - Perrotta, Pirlo, De Rossi - Totti (56. Camoranesi) - Toni (82. Del Piero), Gilardino (64. Iaquinta)
Ghana: Kingston - Pantsil, Kuffour, Mensah, Pappoe (46. Sarpei) - Essien - Eric Addo, Appiah, Muntari - Amoah (68. Pimpong), Gyan (88. Tachie-Mensah)
Schiedsrichter: Simon (Brasilien)
Zuschauer: 43.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: De Rossi, Camoranesi, Iaquinta / Muntari, Gyan



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