Sieg in der CL-Qualifikation Robben rettet Bayerns Offensiv-Ehre

Die Abwehr funktioniert, doch der Angriff vergab Chancen in Hülle und Fülle. Bayern München zeigt auch beim glanzlosen Erfolg gegen Zürich in der Champions-League-Qualifikation zwei Gesichter - und lieferte ein seltsames Verwirrspiel um den Präsidenten Uli Hoeneß ab.
Von Sebastian Winter
Sieg in der CL-Qualifikation: Robben rettet Bayerns Offensiv-Ehre

Sieg in der CL-Qualifikation: Robben rettet Bayerns Offensiv-Ehre

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Jupp Heynckes kam kurz vor Mitternacht als Letzter der Bayern-Crew zu den wartenden Journalisten in die Mixed-Zone. Trotz der vorgerückten Stunde lieferte der Trainer des FC Bayern die denkbar präziseste Analyse für den ungefährdeten, aber glanzlosen 2:0-Heimsieg seiner Mannschaft im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen den FC Zürich: "Wir haben sehr gut begonnen, dann die Zügel locker gelassen. In der zweiten Halbzeit haben wir uns wieder aufgerafft, den Gegner unter Druck gesetzt. Insgesamt haben wir es aber versäumt, das Ergebnis höher zu schrauben. Dennoch: Es war wichtig, zu null zu spielen", sagte Heynckes.

Der deutsche Rekordmeister hat sich - und dies ist für die Bayern eine durchaus beruhigende Erkenntnis einer vor allem in der ersten Halbzeit eher lauen Sommerpartie - durch die Treffer von Bastian Schweinsteiger (achte Minute) und Arjen Robben (72.) eine sehr gute Ausgangsbasis für das Rückspiel am kommenden Dienstag im Zürcher Letzigrund-Stadion geschaffen. Bedeutender als diese zu erwartende Konstellation sind allerdings zwei Entwicklungen, die sich bereits nach wenigen Pflichtspielen andeuten.

Zum einen fällt die neue defensive Ordnung der Bayern auf: In den ersten vier Partien hat die Abwehrreihe um Torwart Manuel Neuer, Linksverteidiger Philipp Lahm, den Innenverteidigern Holger Badstuber und Jérôme Boateng sowie Rechtsverteidiger Rafinha nur ein einziges Tor zugelassen - das allerdings zum 1:0-Auswärtserfolg Mönchengladbachs in München führte.

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Bayern gegen Zürich: Polster für das Rückspiel

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Mit Blick auf den Sieg gegen Zürich sagen die Zahlen nicht unbedingt viel aus, zumal die harmlose Offensive der Eidgenossen kein echter Gradmesser war: Jedoch wirkt die Abwehrreihe mit den Zugängen Rafinha und Boateng in diesen ersten Wochen wesentlich stabiler, ballsicherer, umsichtiger als die Bayern-Defensive vor einem halben Jahr.

Die Offensive hat sich noch nicht gefunden

Die Tore-Verhinderer haben sich bei den Bayern erstaunlicherweise schneller gefunden als das einstige Prunkstück unter dem einstigen Trainer Louis van Gaal: die Offensive. Dort zeigte sich im Spiel gegen Zürich einmal mehr, dass Jupp Heynckes noch nicht das richtige Gleichgewicht gefunden hat. Auch die Maßnahme, Toni Kroos von Beginn an für Thomas Müller aufzustellen, brachte wenig ein.

Viele Angriffsaktionen wurden zwar schnell vorgetragen, endeten aber allzu oft mit einer Ungenauigkeit, einem Fehlpass oder einem schlichten Missverständnis. Heynckes' Mannschaft ist hier, wie Kapitän Philipp Lahm nach dem Zürich-Spiel nicht müde wurde zu betonen, am ehesten "in einer Entwicklung, einem Prozess". Man hatte den Eindruck, dass die Einzelkönner den gemeinsamen Plan verkennen, mit dem die gegnerische Abwehr ausgespielt werden kann.

Hinzu kamen Unzulänglichkeiten bei den großen Chancen durch Lahm (12.), Stürmer Mario Gomez (51.), wieder Lahm (53.) und auch Pech bei Franck Ribérys schönem Freistoß an den Pfosten (60.). Immerhin können sich die Bayern offenbar wieder auf die Geistesblitze ihres wohl größten Individualisten Arjen Robben verlassen, dem in der 72. Minute ein für ihn so typischer, schöner Schlenzer mit dem linken Innenrist aus halbrechter Position zum 2:0-Endstand in den Winkel des Zürcher Tores gelang.

An der Abstimmung hapert es auch außerhalb des Platzes

Dem Niederländer ist es zu verdanken, dass die mangelnde Chancenverwertung nicht zum Thema des Abends wurde. So überwog am Ende denn doch die Zuversicht der Bayern, im Rückspiel in Zürich die für das Konto und das Renommee so wichtige Gruppenphase für die Champions League zu erreichen.

Nicht nur auf dem Platz brauchen die Bayern noch Zeit, die bislang mangelhafte Abstimmung zu verbessern und ein Gleichgewicht zwischen Defensive und Offensive zu finden. Dies wurde deutlich, als nach dem Spiel in der Interview-Zone ein etwas lächerliches Kasperletheater begann: Ein Fernsehsender hatte verbreitet, dass Bayern-Präsident Uli Hoeneß zur Halbzeit in der Mannschaftskabine gewesen sei, um den Spielern nochmals die Bedeutung einer erfolgreichen Champions-League-Qualifikation klarzumachen.

Die Bayern-Spieler Schweinsteiger und Boateng wollten ihn wie Robben jedoch gar nicht in der Kabine gesehen haben, Torhüter Manuel Neuer sagte wiederum: "Er war in der Kabine, hat zu den Spielern aber nichts gesagt." Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge erklärte dann schon leicht angefressen, dass Hoeneß nicht in der Kabine gewesen sei.

Kapitän Lahm setzte dem peinlichen Verwirrspiel dann die Krone auf: "Direkt in der Kabine bei der Mannschaft war er nicht. Aber unsere Kabine ist größer als ein Raum." Auch hier fand Bayern-Trainer Jupp Heynckes das passende Schlusswort: "Er hat nichts in der Kabine gemacht, Junge", maßregelte Heynckes den fragenden Reporter, "ich weiß nicht, wie ihr alle dazu kommt. Ansonsten hätte ich das ja wissen müssen."

Auch dieses Stück aus dem Kuriositätenladen zeigt: Der Entwicklungsprozess der Bayern ist längst nicht abgeschlossen. Auch abseits des Feldes.

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