Sieg in Gruppe B Nigerias Patzer lassen Griechen jubeln

Griechenland hat das frühe Aus abgewendet: Gegen Nigeria gelangen der Mannschaft von Otto Rehhagel der erste Sieg und die ersten Tore der WM-Geschichte. Dabei profitierte das Team von zwei katastrophalen Aussetzern der "Super Adler".

AFP

Von Hendrik Baumann


Hamburg - Die rund 31.000 Zuschauer im Free-State-Stadion von Bloemfontein hätten der Partie zwischen Griechenland und Nigeria ob der fußballerischen Darbietung wohl kaum das Prädikat "historisches Ereignis" verliehen. Doch als genau solches wird das Spiel künftig unter Statistikern firmieren. Mit dem 2:1 (1:1)-Erfolg gelang den Griechen der erste WM-Sieg überhaupt. "Heute haben sich die Jungs unglaublich ins Zeug gelegt", sagte Trainer Otto Rehhagel, "man hat ihnen angemerkt, dass sie gewinnen wollen."

Von Rehhagels Aufstellung konnte man dies dagegen nicht behaupten: Mit seiner Formation hatte er vor dem Anpfiff alle Hoffnungen auf eine ansehnliche Partie schwinden lassen. Rehhagel, der nach der Niederlage gegen Südkorea in der Heimat heftig kritisiert worden war, bot eine Fünfer-Abwehrreihe auf, in der Sokratis Papastathopoulos als Libero agieren sollte. Nigerias schwedischer Trainer Lars Lagerbäck schickte seine Mannschaft wie schon im Spiel gegen Argentinien im offensiveren 4-3-3 aufs Feld.

In der Anfangsphase lief bei beiden Teams nicht viel zusammen, Torszenen blieben selten. Umso überraschter schienen alle Akteure, als der Ball dann doch plötzlich im Netz lag: In Minute 16 segelte ein von Ikechukwu Uche getretener Freistoß in den Strafraum der Griechen, flog an Jedermann vorbei und landete zur Überraschung des griechischen Schlussmanns Alexandros Tzorvas im Tor.

Kaita verliert die Nerven

Doch die Hoffnung, der Treffer würde die Griechen aus ihrer Lethargie reißen, erfüllte sich nicht. Rehhagels Truppe agierte im Spielaufbau gewohnt statisch. Nigerias Defensive musste sich nicht sonderlich bemühen, um die enormen Defizite der Griechen im Spiel nach vorn aufzudecken.

Die Afrikaner schienen die Partie mit ihrer Ballsicherheit und guten Raumaufteilung zu kontrollieren - bis Sani Kaita unvermittelt die Nerven verlor: Nach einer harmlosen Rangelei an der Außenlinie trat der Mittelfeldspieler nach Vassilis Torosidis, Schiedsrichter Oscar Ruiz Acosta aus Kolumbien blieb keine andere Wahl, als die Rote Karte zu zücken.

Rehhagel reagierte, nahm Papastathopoulos aus dem Spiel und schickte mit Georgios Samaras einen zusätzlichen Stürmer aufs Feld. Tatsächlich baute seine Mannschaft in Überzahl nun mehr Druck auf, auch wenn ihre Offensivbemühungen weiterhin unbeholfen wirkten.

Schwung erst nach einer Stunde

In der 39. Minute klärte erst Nigerias Schlussmann Vincent Enyeama in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten Theofanis Gekas, nur zwei Minuten später wehrte Lukman Haruna einen Hackenschuss von Samaras auf der Torlinie ab. In der 44. Minute stand Haruna erneut der Flugbahn des Balles im Weg, dieses Mal allerdings mit negativen Folgen für sein Team: Einen Schuss von Dimitrios Salpingidis von der Strafraumgrenze fälschte der Mittelfeldspieler unhaltbar für Enyeama ins Tor ab. Es war der erste Treffer Griechenlands bei einer WM.

Nigeria kam mit Chinedu Obasi für Peter Odemwingie aus der Kabine - und dem Bestreben, auch in Unterzahl den Weg nach vorne zu suchen. Doch beide Teams taten sich schwer, erst nach einer Stunde kam wieder mehr Schwung in die Partie. Gekas scheiterte zunächst aus guter Position an Enyeama, im direkten Gegenstoß tauchte Yakubu frei vor Tzorvas auf, der sich lang genug streckte, um zu parieren. Den Nachschuss setzte Obasi neben das leere Tor.

Enyeama wird zur tragischen Figur

Ausgerechnet der große Rückhalt Enyeama wurde zur zweiten tragischen Figur Nigerias. In der 68. Minute hatte er einmal mehr mit einer guten Parade gegen Samaras gerettet, doch drei Minuten später konnte er einen harmlosen Flachschuss von Alexandros Tziolis nicht festhalten. Torosidis staubte zur Führung für die Griechen ab.

Nigeria versuchte sich noch einmal aufzubäumen, doch allmählich machte sich der Kräfteverschleiß in Unterzahl bemerkbar, was sich vor allem an den immer größeren Lücken im Abwehrverbund zeigte. Die Griechen hätten das Ergebnis zum Ende hin sogar noch deutlicher gestalten können, vergaben zum Ärger Rehhagels jedoch mehrere gute Gelegenheiten.

Griechenland - Nigeria 2:1 (1:1)
0:1 Uche (16.)
1:1 Salpingidis (44.)
2:1 Torosidis (71.)
Griechenland: Tzorvas - Vyntra, Papastathopoulos (37. Samaras), Papadopoulos, Kyrgiakos, Torosidis - Tziolis, Katsouranis - Karagounis, Salpingidis - Gekas (79. Ninis)
Nigeria: Enyeama - Odiah, Yobo, Shittu, Taiwo (55. Echiejile/78. Afolabi) - Kaita, Etuhu, Haruna, Uche - Aiyegbeni, Odemwingie (46. Obasi)
Schiedsrichter: Acosta (Kolumbien)
Zuschauer: 31.593
Gelbe Karten: Papastathopoulos, Tziolis, Samaras - Obasi
Rote Karte: Keita (33., Tätlichkeit)

insgesamt 130 Beiträge
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Seite 1
Brieli 01.06.2010
1.
Zitat von sysopArgentinien trifft auf Nigeria, Südkorea und Griechenland. Werden die Argentinier ihrer Favoritenrolle gerecht? Und wie schlagen sich die Griechen von Trainer Otto Rehhagel?
Argentinien und Nigeria. Die Beton-Griechen fahren hoffentlich schnell nach Hause.
klumpenhund 01.06.2010
2.
Zitat von sysopArgentinien trifft auf Nigeria, Südkorea und Griechenland. Werden die Argentinier ihrer Favoritenrolle gerecht? Und wie schlagen sich die Griechen von Trainer Otto Rehhagel?
1.) Argentinien, sollte sich deutlich durchsetzen aber ab hier wird es spannend: 2.) Südkorea, spielen eine gute Vorbereitung 3.) Nigeria, haben zwar bärenstarke Einzelspieler, aber so richtig als Mannschaft habe ich sie schon Ewigkeiten nicht mehr spielen sehen. 4.) Griechenland, die Qualifikation war schon ein großer Erfolg
BeckerC1972, 01.06.2010
3.
Argentinien Nigeria Griechenland Südkorea
Aljoscha der Idiot, 01.06.2010
4.
Hoffe, daß Nigeria sich an den zähen Südkoreanern nicht die Zähne ausbeißt. Griechenland will ich überhaupt nicht auf der Rechnung haben. Argentinien wird hoffentlich ein Fest.
Polar, 01.06.2010
5.
Zitat von sysopArgentinien trifft auf Nigeria, Südkorea und Griechenland. Werden die Argentinier ihrer Favoritenrolle gerecht? Und wie schlagen sich die Griechen von Trainer Otto Rehhagel?
1. Nigeria 2. Argentinien 3. Südkorea 4. Griechenland Argentinien legt erst später so richtig los, außerdem könnten "Wir" dann im Viertelfinale auf Nigeria treffen - und das hat´s auch noch nicht gegeben.
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