DFB-Frauen im Endspiel Neid und Genugtuung

Silvia Neid wird am Freitag ihr letztes Spiel als Trainerin der deutschen Fußballfrauen bestreiten - das olympische Endspiel gegen Schweden. Ein Sieg wäre die Antwort auf alle Kritiker.

DFB-Trainerin Silvia Neid und ihre Spielerinnen
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DFB-Trainerin Silvia Neid und ihre Spielerinnen

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Es hätte die Stunde der Genugtuung für Silvia Neid sein können. Schließlich hat es zuletzt genug Stimmen gegeben, die ihren Abschied als Bundestrainerin des deutschen Frauen-Fußballnationalteams für überfällig hielten. Ein Abschied nach der WM im Vorjahr wäre eine gute, eine bessere Lösung gewesen, durfte sie sich anhören. Aber Neid blieb noch ein weiteres, ein letztes Jahr im Amt - und jetzt steht sie kurz davor, mit einem Gold-Triumph beim olympischen Turnier abzutreten.

Nach dem überzeugenden 2:0-Halbfinalerfolg von Belo Horizonte hätte sie triumphieren können, aber sie zeigte nur gelöste Freude: "Der Wahnsinn! Wir sind so froh. Dass wir das geschafft haben, ist ein tolles Gefühl."

Im Endspiel geht es nun gegen die Schwedinnen, diese Defensivkünstlerinnen, die nacheinander die Favoritinnen aus den USA und Brasilien im Elfmeterschießen gestoppt haben. Melanie Behringer und Co. sollten augenblicklich damit beginnen, Strafstöße zu trainieren.

Jubelndes DFB-Team
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Jubelndes DFB-Team

Gegen Kanada, gegen das die Neid-Elf in der Vorrunde noch 1:2 verloren hatte, zeigte sich vor allem, wie das Team im Lauf des olympischen Turniers gereift ist. Die teilweise hilflosen Auftritte aus der Gruppenphase sind souveränen Vorstellungen gewichen. Die DFB-Auswahl beherrschte das Spiel, und selbst die sonst gerne wackelnde Abwehr zeigte sich sicher, als die Kanadierinnen nach dem 0:2-Rückstand wütend das deutsche Tor attackierten.

Mit Alexandra Popp im Angriff, Sara Däbritz und Melanie Behringer im Mittelfeld, hat diese Elf ihre Leistungsträgerinnen gefunden. Vor allem Behringer und Däbritz haben das deutsche Spiel geordnet. Dass beide auch die Tore gegen Kanada erzielten, ist kein Zufall. Die zurückgetretene Torjägerin Célia Sasic wird zwar im Offensivspiel immer noch vermisst, aber es reicht auch ohne sie.

Das Finale von Rio - es wird Neids allerletzte Partie als Bundestrainerin sein. Seit 1996 ist sie beim DFB, erst neun Jahre als Assistenzcoach, dann seit 2005 als Cheftrainerin. Neid ist mit dem Team Weltmeisterin geworden, Europameisterin - sie hat aber auch die Enttäuschung der Heim-WM 2011 wegstecken müssen, sie wurde nach dem Halbfinal-Aus bei der WM im Vorjahr als Lame Duck angezählt, weil da schon feststand, dass Steffi Jones sie nach den Olympischen Spielen beerben wird.

Torschützin Sara Däbritz
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Torschützin Sara Däbritz

Neid ist gerade aus den Vereinen immer wieder angefeindet worden. Einen Teil hat sie dazu selbst beigetragen, sie war nicht immer die Zugänglichste. Ihr Tonfall hat nicht allen gefallen, manchmal war er ein bisschen überheblich. Aber das alles ändert nichts daran, dass sie die erfolgreichste Nationaltrainerin der Welt ist.

Immer wieder hat sie ihre Teams umgebaut, umbauen müssen, weil verdiente Spielerinnen wie Sasic oder Birgit Prinz ihre Karriere beendeten. Immer wieder hatte sie bei Turnieren ein Team, das zumindest halbfinalreif war. Ein Sieg im olympischen Endspiel gegen den alten europäischen Rivalen Schweden - das wäre die Krönung. Besser könnte man nicht abtreten.



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