Skandal beim FC Thun Verdacht auf sexuelle Kontakte mit Minderjähriger

Ein Skandal erschüttert das EM-Gastgeberland Schweiz: Zwölf aktive und ehemalige Fußballer des Schweizer Fußball-Erstligisten FC Thun stehen im Verdacht, verbotene sexuelle Kontakte mit einer 15-Jährigen gehabt zu haben.


Die zwölf Spieler und neun weitere Personen seien heute festgenommen worden, bestätigte die Kantonspolizei Bern. Bei den seit Mitte September laufenden Ermittlungen habe es auch Hausdurchsuchungen gegeben.

FC Thun: Ermittlungen gegen zwölf aktive und ehemalige Spieler

FC Thun: Ermittlungen gegen zwölf aktive und ehemalige Spieler

Der Verdacht auf sexuelle Handlungen mit einem minderjährigen Mädchen bezieht sich den Angaben zufolge auf einen Zeitpunkt, als das Opfer 15 Jahre alt war. Die Polizei geht davon aus, dass die Beschuldigten seit Beginn dieses Jahres mit dem Mädchen Kontakt gehabt haben. Dabei soll es in mehreren Fällen - und laut Polizeiangaben größtenteils im Einverständnis mit der damals 15-Jährigen - in unterschiedlicher Form zu sexuellen Handlungen gekommen sein.

Ob und in welcher Form diese Handlungen stattfanden und ob in jedem Einzelfall Jugendschutzbestimmungen verletzt wurden, ist noch unklar. Die festgenommenen Personen werden nun befragt, es gelte die Unschuldsvermutung, erklärte die Kantonspolizei. Das heute 16-jährige Mädchen wird psychologisch betreut. Ihr gehe es gut, sagte ein Polizeisprecher.

Handlungen "gegen die sexuelle Integrität" sind gemäß des schweizerische Strafgesetzbuchs strafbar und werden von Amts wegen verfolgt, wenn sie mit einem Kind unter 16 Jahren vorgenommen werden und der Altersunterschied zwischen den Beteiligten mehr als drei Jahre beträgt. Die Höchststrafe für Sex mit Minderjährigen sind fünf Jahre Haft.

Die Vereinsleitung des FC Thun reagierte bestürzt auf die Nachricht. Präsident Kurt Weder erklärte, da zurzeit noch nicht klar sei, welcher der Verdächtigen beteiligt gewesen sei, wolle die Clubleitung noch nicht näher zum Fall Stellung nehmen. Auch nähere Angaben zu den betroffenen Spielern wolle man nicht machen. Das Training heute Nachmittag wurde abgesagt. Laut Pierre Benoit, Sprecher des Schweizerischen Fußballverbandes, ist derzeit noch unklar, ob der Fall Konsequenzen für den Spielbetrieb des Vereins haben werde.

Der Fall erinnert an Vorgänge des damaligen englischen Erstligisten Leicester City. Im März 2004 verbrachten drei Profis wegen versuchter Vergewaltigung knapp eine Woche in Untersuchungshaft. Keith Gillespie, Paul Dickov und Frank Sinclair wurde vorgeworfen, bei einem Trainingslager in Spanien gewaltsam in das Zimmer von drei Frauen eingedrungen zu sein und sich an ihnen vergangen zu haben.

Die Spieler gaben zu, sexuelle Beziehungen mit den Frauen gehabt zu haben. Allerdings sagten die Profis aus, die Frauen hätten zugestimmt. Gegen eine Kaution von 288.000 Euro kam das Trio frei und stand bereits drei Tage danach wieder auf dem Rasen.

ulz/sid/dpa



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