Skandal-Länderspiele Fifa hat Hinweise auf Wettmafia

Zwei Testländerspiele im türkischen Antalya stehen massiv unter Manipulationsverdacht. Der Weltverband Fifa hat bereits Untersuchungen eingeleitet. In den zwei Partien im Februar fielen sieben Treffer - alle durch Elfmeter.
Testspiel Bulgarien gegen Estland: Von der Wettmafia organisiert?

Testspiel Bulgarien gegen Estland: Von der Wettmafia organisiert?

Foto: STRINGER/TURKEY/ REUTERS

Hamburg - Das unter Manipulationsverdacht stehende 2:2 zwischen der von Lothar Matthäus betreuten bulgarischen Fußball-Nationalmannschaft und Estland am 9. Februar wurde offenbar von der Wettmafia organisiert. Das berichtet das Magazin "Stern". Der Weltverband Fifa hatte bereits Mitte Februar Ermittlungen wegen der Partie eingeleitet.

Auch das Länderspiel Bolivien gegen Lettland (1:2) soll von der Wettmafia geplant gewesen sein. Beide Partien fanden im türkischen Antalya ohne TV-Übertragung und fast ohne Zuschauer statt. Auffällig wurden die Spiele vor allem dadurch, dass alle sieben Tore durch Elfmeter fielen.

Nach den Berichten der Verbände aus Bulgarien und Estland soll bei diesem Spiel der Ungar Krisztian Selmeczi der Unparteiische gewesen sein. Der ungarische Schiedsrichter-Obmann Laszlo Wagner und ungarische Medien berichteten dagegen, dass es Selmeczis Landsmann Kolos Lengyel gewesen sein soll. Wagner suspendierte sofort Selmeczi, Lengyel und deren ebenfalls vor Ort anwesenden Kollegen Janos Csak.

"Ich bin schockiert, denn wir haben keine Nachricht erhalten, diesen Schiedsrichtern die Leitung des Spiels zu genehmigen" , sagte Wagner einem bulgarischen Radiosender: "Ich kann sagen, dass diese drei kein Spiel mehr leiten werden, solange ich Chef der Kommission bin." Der estnische Verband war offenbar schon vor der Partie von möglichen Manipulationen unterrichtet worden. Das erklärte ein Verbandssprecher. "Dieses Freundschaftsspiel wurde von einer Agentur organisiert, mit der wir nicht mehr zusammenarbeiten werden", sagte er und verwies auf das ähnliche Szenario in der anderen Partie.

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) war auch kontaktiert worden, erklärte sich aber für nicht zuständig. "Der lettische Fußballverband hat uns über diesen Fall informiert, und wir haben alle Informationen an die Fifa weitergeleitet. Da es sich um ein internationales Freundschaftsspiel handelt, fällt es nicht unter die Zuständigkeit der Uefa", ließ der Verband mitteilen.

Dem "Stern" liegen Daten der Wett-Frühwarnsysteme vor, die den Verdacht auf Wetteinsätze in Millionenhöhe erhärten. Daraus gehe hervor, dass allein beim Spiel Estland-Bulgarien fünf Millionen Euro gesetzt wurden. Der Gewinn beträgt nach Einschätzung von Experten ein Vielfaches davon.

aha/sid
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