Skandalspiel England vs. Kamerun Schiedsrichterin überstimmte Video-Assistenten mehrfach

Das WM-Achtelfinale England - Kamerun stand vor dem Abbruch. Jetzt deutet sich an: Schiedsrichterin Qin Liang setzte sich mehrfach über den Video-Assistenten hinweg - wohl, um Kameruns Spielerinnen zu besänftigen.

Schiedsrichterin Qin Liang wurde zu einer Hauptdarstellerin beim WM-Spiel zwischen England und Kamerun
Phil Noble / REUTERS

Schiedsrichterin Qin Liang wurde zu einer Hauptdarstellerin beim WM-Spiel zwischen England und Kamerun


Beim Skandalspiel zwischen England und Kamerun im WM-Achtelfinale (3:0) hat Schiedsrichterin Qin Liang wohl eine größere Rolle gespielt, als bisher bekannt war. Laut einem Bericht der englischen Tageszeitung "The Telegraph" hat die Chinesin zweimal den Video-Assistenten (VAR) überstimmt - mutmaßlich um zu verhindern, dass die Kamerunerinnen aus Protest den Platz verlassen. Auch Aussagen von Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina deuten darauf hin.

Nach einem Foul der Kamerunerin Alexandra Takounda kurz vor Schluss an Englands Kapitänin Steph Houghton soll der Video-Assistent die Rote Karte empfohlen haben. Qin Liang beließ es aber bei Gelb. Zuvor soll sich die Unparteiische auch bei einer anderen kniffligen Szene zugunsten Kameruns entschieden haben: Ninon Abena hatte Fran Kirby im Strafraum zu Fall gebracht. Der Video-Assistent schritt ein und soll laut "Telegraph" auf Strafstoß plädiert haben. Doch Qin Liang entschied: kein Elfmeter. Wohl, um einen Spielabbruch zu verhindern.

Wegen Entscheidungen gegen sich hatte das kamerunische Team gedroht, aus Protest das Feld zu verlassen. Vor dem 1:0 der Engländerinnen gab die Schiedsrichterin einen indirekten Freistoß im Strafraum nach einem Rückpass. Das 2:0 sei nach einer Abseitsstellung gefallen, war der Vorwurf der Afrikanerinnen. Danach musste die kamerunische Kapitänin Gabrielle Aboudi Onguéné ihre Teamkolleginnen vom Weiterspielen überzeugen.

Als nach dem Seitenwechsel ein Treffer Kameruns wegen Abseits annulliert wurde, zögerten die Spielerinnen erneut, die Partie fortzusetzen. Von der Fifa könnte das Verhalten der Spielerinnen nachträglich noch bestraft werden.

Die Fifa dementiert nicht

Auf den Fall angesprochen sagte Pierluigi Collina, Schiedsrichterchef des Weltverbands Fifa, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz: "Es ist ein Missverständnis, dass die letzte Entscheidung immer beim VAR liegt. So war es auch beim Spiel England gegen Kamerun, dort hat die Schiedsrichterin am Ende die Entscheidungen getroffen." Damit bestätigte der Italiener das eigenmächtige Handeln von Qin Liang.

Schiedsrichterchef der Fifa: Pierluigi Collina
FRANCK FIFE / AFP

Schiedsrichterchef der Fifa: Pierluigi Collina

Auf Nachfrage, ob diese Entscheidungen getroffen wurden, damit die Kamerunerinnen nicht das Feld verlassen, antwortete Collina: "Das ist nicht Teil dieser Präsentation." Dementieren wollte die Fifa also nicht.

Dass eine Schiedsrichterin oder ein Schiedsrichter absichtlich eine Fehlentscheidung trotz anderer Hinweise vom Video-Assistenten trifft, um eine Partie vor dem Abbruch zu bewahren, ist bisher noch nie öffentlich geworden. Die Fifa soll Qin Liangs Entscheidungen für "gut" befunden haben, heißt es im "Telegraph".

mey/krä

Mehr zum Thema


insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tombadil1 26.06.2019
1.
Wer nicht spielt verliert das Match. So eine Regelung muss es doch geben. Ansonsten käme ja jeder auf den Gedanken: hey wir liegen in der 80. min 0:4 zurück, lasst mal aufhören zu spielen. Das Wiederholungsspiel läuft bestimmt besser. Ich persönlich sehe kein Problem darin, wenn die Kamerunerinnen das Spiel abgebrochen hätten. Wenn das die Art und Weise sein soll wie sie ihr Land repräsentieren wollen, von mir aus gern.
joes.world 26.06.2019
2. Wenn Frauen zicken, bin ich lieber anderswo
Auch die U21 des Nachwuchses, ist mir nicht zusehen wert. Ich schaue lieber bei den großen Jungs. Copa America, sage ich nur. Was war das für ein Spiel! Chile gegen Uruquay. Voller Einsatz, Kampf, Taktik und ein wunderbares Tor von Cavani. Die Copa ist für mich der echte Fußball. Zumindest sicherlich der beste, den man im Augenblick sehen kann. Leider nicht alle Spiele, die Zeit ist das Luder. Natürlich ist es unterhaltsam, wenn Frauen sich in die Haare kriegen. Aber füllt das wirklich Fernsehstunden? Ich finde nein. Und bin bei der Copa America. Wo der Beißer Suarez vom Schiedrichter Elfmeter fordert, weil der Tormann den Ball im Strafraum mit der Hand berührte. Das sind Szenen. Wenn der Suarez voll im Tunnel, voll im Spiel aufgeht. Brasilien, Chile und Uruquay - hervorragend. Argentinien mutlos, bemüht und doch so schwach. Ein Messi rettet keine Mannschaft. Und taktisch auch nicht gut eingestellt. Ich hoffe, ab der K.O. Phase lesen wir von dem großen Fußballspielen (ich sehe nun mal gerne die Besten) mehr. Auch bei uns. Wollen wir nicht mutlos die großen Spiele vergessen. Denn die Fußballwelt hat mehr zu bieten, als Herumgezicke bei Frauenfußball.
spiegeleix 26.06.2019
3. Es ist ja gut und richtig, wenn FußballspielerInnen
mit Leidenschaft spielen, aber was diese Kamerunerinnen da abgeliefert haben, bringt den ganzen Frauenfußball in Mißkredit. Wenn die Kamerunerinnen nicht verlieren können, haben sie 2 Möglichkeiten: 1. sie werden so gut, dass sie nie mehr als Besiegte von Platz geheh, oder 2. sie hören gleich ganz auf. So ein kindisches Rumgezicke hat mit Sport nichts mehr zu tun.
vielflieger_fred 26.06.2019
4. Naja
Mit einem VAR im Hintergrund sind solche Konzessionen eben transparent und liegen dennoch innerhalb des Spielraumes des SR. Ich sehe da erst einmal kein Problem, zumindest nicht bei dem Endergebnis. Wäre das Spiel für Kamerun ausgegangen, hätte ich nicht in der Haut der SR stecken wollen. Man sollte es wie beim Baseball machen. EIngriff nur auf Challenge des Teams, letzte Entscheidung liegt beim VAR - damit ist das Thema Willkür des Eingreifens, und auch das Thema Schiedsrichter erledigt. Beim Baseball wird bei Protest gegen eine VAR-Entscheidung übrigens direkt der Feldverweis ausgesprochen - finde ich auch gut.
juba39 26.06.2019
5. Eigentlich eine tolle Leistung
Wäre das ein Männerteam und ein männlicher Schieedsrichter gewesen, hätte alle Welt von "Fingerspitzengefühl" gesprochen. Man sollte das Grundprinzip der Schiedsrichterentscheidung einfach nicht verwässern. Sonst hätte ich eine derbe Kritik an den Entscheidungen der VAR anzubringen. Bei den bisherigen Spielen ist es nämlich in mindestens einem halben Dutzend Spielen zu krassen Fehlentscheidungen der VAR gekommen. Wenn man selbst am TV erkennt, daß eine Abwehrspielerin als Letzte am Ball war, es also Ecke hätte geben müssen, und es KEIN Einschreiten der VAR gibt, wenn die Schiedsrichterin auf Abstoß entscheidet, ist das nun mal keine läßliche Sünde. Eine Ecke kann ein ganz anderres Ergebnis ergeben, als eine Ecke. Also bitte hier keinen Heiligenschein über die VAR setzen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.