Skandalspiel in Aachen Alemannia droht Platzsperre, Nürnberg protestiert

Alemannia Aachen kann sich auf eine saftige Strafe durch den DFB einstellen. Der Kontrollausschuss ermittelt gegen den Zweitliga-Spitzenreiter. In der Chaos-Partie am Montagabend war Nürnbergs Trainer Wolfgang Wolf von einem Gegenstand am Kopf getroffen worden. Der FCN hat inzwischen Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt.


Attacken auf dem "Tivoli": Die Nürnberger Spieler gehen in Deckung
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Attacken auf dem "Tivoli": Die Nürnberger Spieler gehen in Deckung

Frankfurt am Main - Beide Vereine erhielten am Dienstag den Bericht des Schiedsrichters Mike Pickel und können bis Ende der Woche eine Stellungnahme abgeben. "Sowohl der Kontrollausschuss als auch das Sportgericht tendieren auf Grund des komplizierten Sachverhalts dazu, in der kommenden Woche eine mündliche Verhandlung einzuberufen", sagte DFB-Pressesprecher Harald Stenger.

Nach den Geschehnissen vom Montagabend im Aachener Stadion "Tivoli" droht der Alemannia, die die Partie mit 1:0 (0:0) gewann, durch das DFB-Sportgericht eine Strafe bis zu hin zu einer Platzsperre. Nürnberg legte am Dienstagnachmittag Einspruch gegen die Wertung der Begegnung ein. Mit dieser Entscheidung des Präsidiums will der "Club" die Aufhebung des Ergebnisses und die Wiederholung der Partie auf neutralem Platz erreichen. Die Niederlage sei wegen der Wurfattacke gegen FCN-Coach Wolf irregulär zu Stande gekommen und könne deshalb keinen Bestand haben, teilte der 1. FC Nürnberg mit.

"Die Prüfung, ob es eine Schwächung ist, wenn der Trainer ausfällt, ist Neuland", sagte DFB-Kontrollausschussvorsitzender Horst Hilpert im DSF zum Protest und bezeichnete eine harte Strafe für die Alemannia als notwendig: "Wir müssen schon aus Abschreckungs-Gründen ernsthafte Maßnahmen treffen. Das kann bis zu einer Platzsperre oder sogar einem Geisterspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehen.

Den spektakulärsten vergleichbaren Fall hatte es am 12. April 2000 beim Spiel SC Freiburg gegen den FC Bayern (1:2) gegeben. Ein von einem Jugendlichen von den Rängen geworfener Golfball fügte dem Münchner Torwart Oliver Kahn eine klaffende Platzwunde an der Schläfe zu. Das Sportgericht verhängte damals eine Geldstrafe von 75.000 Mark (rund 38.000 Euro) gegen Freiburg, verzichtete allerdings auf eine Platzsperre.

Wolf zwei Tage krankgeschrieben

"Ein paar Bekloppte, Verrückte, Idioten haben den heutigen Abend kaputt gemacht", konnte sich Aachens Trainer Jörg Berger nicht über die erfolgreich verteidigte Tabellenführung freuen. Wolf war in der zweiten Halbzeit von einem aus dem Aachener Fanblock geworfenen Gegenstand am Hinterkopf getroffen worden und musste längere Zeit ärztlich behandelt werden.

Der frühere Coach des VfL Wolfsburg, dem in der Kabine eine Infusion verabreicht wurde, konnte am Dienstag das Training des FCN nicht leiten und wurde für mindestens zwei Tage krankgeschrieben. Wolf, der im Mannschaftsbus die Heimreise antreten konnte, habe eine große Beule davongetragen und klage weiter über starke Kopfschmerzen, teilte der FCN mit.

"Man hätte dieses Spiel abbrechen müssen"

Schiedsrichter Pickel hatte die Partie in der 72. Minute für rund fünf Minuten unterbrechen müssen. Zu den Ausschreitungen durch einige Zuschauer war es nach der Gelb-Roten Karte für Alemannia-Stürmer Erik Meijer (69.) gekommen, der in Kung-Fu-Manier gegen Nürnbergs Torhüter Raphael Schäfer eingestiegen war. "Wenn so etwas Schule macht, muss man um sein Leben fürchten", sagte FCN-Präsident Michael Adolf Roth, "das sind keine Fans, das sind Rowdys. Man hätte dieses Spiel abbrechen müssen." Er habe nicht an einen Spielabbruch gedacht, so Pickel.

Die Nürnberger Profis waren erst nach Aufforderung durch den Referee auf den Rasen zurückgekehrt, den sie wegen der auf sie geworfenen Feuerzeuge, Getränkebecher und anderer Gegenstände fluchtartig verlassen hatten. "Wir haben dem Schiedsrichter gesagt, dass wir nur unter Protest weiterspielen", sagte FCN-Keeper Schäfer. "So etwas wie heute habe ich bisher nur in Jugoslawien und Mazedonien erlebt", staunte Nürnbergs Stürmer Sasa Ciric.

FCN-Coach Wolf (Mitte): Große Beule und starke Kopfschmerzen
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FCN-Coach Wolf (Mitte): Große Beule und starke Kopfschmerzen

Aachen erstattete inzwischen Strafanzeige gegen unbekannt. "Ich bin total verärgert, weil genau das passiert ist, was ich immer gesagt habe", sagte Berger und spielte auf die am "Tivoli" bekannten Probleme mit dem Standort der Trainerbänke an. Diese waren erst vor einigen Monaten von der gegenüberliegenden Seite vor den Aachener Fanblock verlegt worden - aus fernsehtechnischen Gründen.

Nun wird diese Entscheidung revidiert. Die Änderung soll schon zum nächsten Heimspiel am 7. Dezember gegen Rot-Weiß Oberhausen greifen. Berger konnte sich allerdings nicht einen Vorwurf Richtung Nürnberg verkneifen: "Ich muss die Fans anschließend nicht auch noch provozieren, indem ich die Dinge wieder zurückwerfe."

DFB nimmt "Tivoli" unter die Lupe

Darüberhinaus werden im Aachener Stadion hinter der Stehplatztribüne Fangzäune installiert. Die Zuschauer sollen zudem künftig verstärkt nach Wurfgegenständen durchsucht werden. Demnächst wird der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hans Florin das "Tivoli"-Stadion zu einer Bestandsaufnahme in Augenschein nehmen. Es soll geklärt werden, ob Sicherheitsmängel vorlagen.

Die Alemannia hat mittlerweile jeweils ein Schreiben an Wolf und die Nürnberger Vereinsführung gerichtet. Dabei drückte der Verein sein Bedauern über die Vorkommnisse aus. Aachen spendet außerdem 5000 Euro für eine gemeinnützige Einrichtung in Nürnberg. Wolf, dessen Bruder Arno einst bei Alemannia spielte, soll entschieden, wem die Gelder zukommen sollen.


Alemannia Aachen - 1. FC Nürnberg 1:0 (0:0)
1:0 Gomez (66.)
Aachen: Straub - Landgraf, Klitzpera, Lanzaat, Blank (88. Michalke) - Paulus (46. Mbwando), Grlic, D. Brinkmann - Pflipsen - Meijer, Gomez (80. E. Bediako)
Nürnberg: Schäfer - Nikl, Wolf (80. David), Paulus, L. Müller - Larsen, Kukielka (90. Derelioglu)- Mintal - Vittek (90. Kießling ), Ciric, Krzynowek
Schiedsrichter: Pickel (Mendig)
Zuschauer: 15.915
Gelbe Karten: Grlic (4) / Wolf (5), L. Müller, Kießling
Gelb-Rote Karte: Meijer (Aachen, 71.) wegen gefährlichen Spiels



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