Nächster Sieg des Skistars Shiffrin spricht über Menstruationsbeschwerden – ORF-Übersetzer versteht sie falsch

Mikaela Shiffrin ist der Superstar im Skisport und vor einem Allzeitrekord. Auf dem Weg dorthin wird sie durch ihre Periode behindert – im Fernsehen ist stattdessen jedoch plötzlich von Radfahren die Rede.
Doppelsiegerin am Kronplatz: Mikaela Shiffrin

Doppelsiegerin am Kronplatz: Mikaela Shiffrin

Foto: LISA LEUTNER / REUTERS

Die amerikanische Star-Skirennläuferin Mikaela Shiffrin bricht nicht nur einen Rekord nach dem anderen – sondern auch ein vermeintliches Tabu in ihrem Sport. Nach ihrem zweiten Sieg im Riesenslalom am italienischen Kronplatz hat Shiffrin über ihre Periode und die Probleme einer Leistungssportlerin gesprochen.

»Nach gestern war ich ziemlich müde, ich habe gerade nicht den besten Moment in meinem monatlichen Zyklus«, sagte sie dem österreichischen Sender ORF. Dadurch sei sie müder, es solle normal sein, darüber zu reden.

Am Kronplatz feierte Shiffrin ihre Weltcupsiege Nummer 83 und 84 und stieg bereits am Dienstag zur alleinigen Rekordhalterin bei den alpinen Damen auf. Hält sie ihre Topform, dürfte sie in dieser Saison auch noch den Allzeitrekord von Ingemar Stenmark mit 86 Siegen knacken.

Auf diese Rekordjagd angesprochen, erklärte Shiffrin ihre Müdigkeit mit ihrer Periode.

Die ORF-Moderatorin zeigte Verständnis. Der Übersetzer des Senders schien mit der Situation jedoch überfordert. Aus den englischen Worten »I'm kind of in an unfortunate time of my monthly cycle« konstruierte er den deutschen Satz : »Es ist sehr anstrengend. Ich komme nicht einmal zum Radfahren, was ich jeden Monat mache.«

Bei Twitter sorgte die fehlerhafte Übersetzung vor allem für Belustigung. Nutzerinnen und Nutzer machten jedoch auch darauf aufmerksam, dass die Periode im Profisport immer noch tabuisiert wird.

Der Zyklus und die Leistungsfähigkeit

In einer SPIEGEL-Umfrage im Jahr 2021 gaben von 17 Olympiastützpunkten nur vier an, das Thema zumindest in einzelnen Sportarten zu berücksichtigen. Dabei kann die Periode zu Schlappheit oder gar Unterleibskrämpfen führen – und damit die Leistungsfähigkeit beeinflussen. Zyklus-basiertes Training hingegen kann leistungssteigernd wirken .

Im vergangenen Jahr hatte sich die Profigolferin Lydia Ko am Rande eines Turniers in Kalifornien zu Menstruationsbeschwerden geäußert – und damit einen Kommentator offenbar sprachlos gemacht. Auf die Offenheit der Neuseeländerin brachte Interviewer Jerry Foltz vom »Golf Channel« nur ein »Danke sehr« heraus.

Ko durchbrach die Stille und sagte lachend: »Ich weiß, dass dir die Worte fehlen, Jerry. Aber das war nur ehrlich.« Für ihre Offenheit wurde Ko von vielen Seiten gelobt.

hba
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