Slowenien-Länderspiel Klinsmann schürt die Angriffslust

Mit drei Stürmern will Bundestrainer Jürgen Klinsmann beim Testländerspiel in Slowenien agieren. Neben Kevin Kuranyi sollen Rückkehrer Oliver Neuville und Lukas Podolski in Celje zum Einsatz kommen. Besonders vom jungen Kölner ist Klinsmann sehr angetan. Er könnte der entscheidende Baustein eines neuen Spielsystems werden.


Bundestrainer Klinsmann, Nationalstürmer Podolski: "Es macht wirklich Spaß, dem Kerl zuzuschauen"
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Bundestrainer Klinsmann, Nationalstürmer Podolski: "Es macht wirklich Spaß, dem Kerl zuzuschauen"

Maribor - Wenn der Bundestrainer dieser Tage über Podolski, 19, spricht, kommt er regelrecht ins Schwärmen. "Wir sind sehr, sehr zufrieden. Er macht eine rasante Entwicklung durch", erklärte Klinsmann. Im Training vor der Partie am Ostersamstag in Celje (20 Uhr, live im SPIEGEL-ONLINE-Ticker) ließ er den Kölner Jungstar als Angriffspartner von Neuville und Kuranyi los - und Podolski netzte gleich zwei Mal gegen Oliver Kahn ein. "Wir versuchen ihn zu ermutigen, seinen Stil zu spielen", so Klinsmann.

Von Podolski hofft Klinsmann, dass die beiden ersten Länderspiel-Tore Ende des vergangenen Jahres in Thailand ein Durchbruch für den jüngen Kölner war. "Es sind Meilensteine, wenn man die ersten Dinger rein macht", sagte Klinsmann auch aus eigener Erfahrung. "Lukas hat Instinkt, Dynamik, eine gewisse Frechheit, das kann man keinem beibringen. Es macht wirklich Spaß, dem Kerl zuzuschauen."

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Auch Neuville erhält eine Bewährungschance, obwohl er in der Bundesliga zuletzt in 1203 Minuten nicht mehr getroffen hat. Dennoch hat ihn Klinsmann, seit er das Traineramt vom nach der EM zurückgetretenen Rudi Völler übernahm, erstmals in die Nationalmannschaft eingeladen. "Er hat seine Qualitäten in 1:1-Situationen, in der Tore-Vorbereitung, bei Flanken. Das hat er drauf, das wollen wir sehen", betonte Klinsmann heute auf einer Pressekonferenz in Maribor.

Hoffnung auf die 4-3-3-Variante

An eine Rückkehr von Neuville ins DFB-Team hatten viele Experten schon nicht mehr geglaubt. Klinsmann sieht den 31-Jährigen jedoch als weiteren Baustein seines aggressiven und offensiven Spiels: "Wir wollen einfach zeigen, welche Variationsmöglichkeiten wir haben." Nach dem beschämenden 1:5 im April vergangenen Jahres in Rumänien war Neuville aus dem Nationalteam verschwunden. 48 Mal spielte er für Deutschland, die Torquote von vier allerdings spricht nicht gerade für den Offensivmann: "Ich habe 20 Tore in der Nationalelf vorbereitet, das ist auch viel wert", hielt der gebürtige Schweizer (Mutter Italienerin, Vater Deutscher) den Kritikern entgegen. Eine starke Vorrunde mit Mönchengladbach (neun Tore, sieben Vorlagen) sprechen ebenso für Neuville.

Bundestrainer Klinsmann: "Prägen, formen, verinnerlichen"
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"Ich weiß, dass im Angriff sechs Leute um die Plätze konkurrieren. Aber ich bin sicher: Wenn ich meine Tore mache, bin ich bei der WM dabei", so Neuville. Vor den EM-Endrunden 2000 und 2004 war der Ex-Leverkusener jeweils in letzter Minute noch aus dem EM-Kader gestrichen worden. Vor der WM 2006 soll das anders sein. "Die Chance ist gewachsen", gibt sich Neuville zuversichtlich. Gegen Slowenien soll der Aufwärtstrend bestätigt werden.

Für Klinsmann ist das Selbstvertrauen seiner Stürmer von großer Bedeutung. "Das 4-3-3 ist eine Variante. Wir müssen den Stil nach vorne weiter prägen, formen und verinnerlichen. Ich hoffe, dass wir einen Schritt vorankommen", betonte Klinsmann nach der Ankunft in Maribor, wo die DFB-Auswahl unterhalb der am Berg Pohorje gelegenen und noch von Skiläufern befahrenen Weltcup-Piste Quartier im Hotel "Habakuk" bezog.

Letzter Test vor dem Konföderationen-Cup

Auch Torhüter Oliver Kahn unterstrich die Bedeutung der Partie im 11.000 Zuschauer fassenden "Petrol Stadion" im 60 Kilometer von Maribor entfernten Celje: "Wir wollen gewinnen, denn wir wollen mit einem guten Gefühl in die zwei Monate Pause bis zum Konföderationen-Cup gehen", sagte der 35-Jährige, der dieses Mal wieder das Tor hüten darf.

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Vor Kahn, der sein 77. Länderspiel bestreitet, verteidigt eine Viererkette, in welcher der 25-jährige Berliner Arne Friedrich in seinem 25. Länderspiel noch der älteste und erfahrenste ist.

"Wir sind diesmal Favorit, was aber nicht heißt, dass wir Slowenien unterschätzen. Dazu besteht überhaupt kein Grund", betonte Mannschaftskapitän Michael Ballack. In der WM-Qualifikation hat das zuletzt Italien erfahren müssen. Gegen die Mannschaft um Kapitän Aleksander Knavs (VfL Bochum), die vom ehemaligen Bundesliga-Profi Branko Oblak (Bayern München, Schalke 04) trainiert wird, unterlagen die Italiener mit 0:1.

Voraussichtliche Aufstellung:
Slowenien: Samir Handanovic (Udinese Calcio/20 Jahre/1 Länderspiel) - Pokorn (Hapoel Nazareth/25/7), Knavs (VfL Bochum/29/56), Matej Mavric (Molde FK/26/8), Cesar (Dinamo Zagreb/22/10) - Koren (Lilleström SK/24/9), Komac (ND Gorica/25/7), Seslar (Publikum Celje/30/16), Ceh (FC Brügge/27/29) - Siljak (Excelsior Mouscron/31/44), Cimirotic (Publikum Celje/30/25)
Deutschland: Kahn (Bayern München/35/76) - Hinkel (VfB Stuttgart/22/11), Friedrich (Hertha BSC/25/24), Huth (Chelsea London/20/4), Schulz (Werder Bremen/21/3) - Frings (Bayern München/28/36), Baumann (Werder Bremen/29/27) - Ballack (Bayern München/28/50) - Neuville (Borussia Mönchengladbach/31/48), Kuranyi (VfB Stuttgart/23/21), Podolski (1. FC Köln/19/8)
Schiedsrichter: Graham Poll (England)



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