Kölns Sportdirektor Heldt zur Forderung nach Gehaltsverzicht von Fußballprofis "Unverschämt und anmaßend"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert Solidarität von hoch bezahlten Fußballprofis. Für Köln-Geschäftsführer Horst Heldt sind das "populistische Scheißausdrücke".
Kölns Sport-Geschäftsführer Horst Heldt im Borussia-Park

Kölns Sport-Geschäftsführer Horst Heldt im Borussia-Park

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WOLFGANG RATTAY/ REUTERS

Sport-Geschäftsführer Horst Heldt vom 1. FC Köln verurteilt öffentliche Forderungen aus der Politik nach einem Gehaltsverzicht hoch bezahlter Fußballprofis. "Ich glaube, es wäre absolut sinnhaft, dass man sich mit populistischen Scheißausdrücken erst mal zurückhält", sagte Heldt. "Meine Erwartung ist, dass die Politik führt und den Menschen einen Plan an die Hand gibt und sich nicht mit Vorschlägen in Teilbereiche hineinbewegt, nur um populistisch dazustehen."

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Montag gesagt, "Ich fände es zum Beispiel in Ordnung, wenn Spieler, die ganz große Gehälter bekommen, zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes ihrem Arbeitgeber gegenüber ein bisschen zurückhaltender wären mit dem Geld." Angesichts der "vielen Millionen, die da jedes Jahr verdient werden", sei vor allem "Solidarität gefragt, nicht nur von den Vereinen, sondern auch von den Spielern".

Heldt sagte nun: "Ich weiß, dass Fußballprofis ein soziales Gewissen haben. Ich finde es unverschämt und anmaßend, das öffentlich infrage zu stellen." Der erste große Fehler sei, "dass wir irgendwelche Menschen in irgendeine Ecke stellen und so tun, als würden die sich für gar nichts interessieren". Der Verein werde das Thema in aller Ruhe mit seinen Spielern besprechen.

Heldt betonte die Verantwortung des Fußballs insbesondere gegenüber Menschen, deren Existenz vom Spielbetrieb abhängt. "Es geht nicht um die sogenannten Fußball-Millionäre", sagte er. "Es geht um mehr als 50.000 Arbeitsplätze. Die Menschen, die durch den Fußball leben."

Wie Heldt geht die Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL) davon aus, dass es Solidarität vonseiten der derzeit unterbeschäftigten Profis geben wird. Laut DFL-Boss Christian Seifert sind zahlreiche Vereinsbosse bereits mit entsprechenden Anliegen an die Spieler herangetreten.

"Gehen Sie davon aus, dass es jeder Klubverantwortliche so sieht und auch viele Spieler es so sehen werden", antwortete Seifert auf Fragen nach der Bereitschaft der Profis: "Ich gehe davon aus, dass es innerhalb der Klubs eine gewisse Solidarität geben wird, wie es uns andere Profiligen bereits vorgemacht haben."

sak/sid