Ehemaliger DFB-Generalsekretär Schmidt korrigiert Sommermärchen-Aussage

Wofür dienten die 6,7 Millionen Euro, die der DFB 2005 an die Fifa gezahlt hatte? Die WM-Gala hat es bekanntlich nie gegeben, trotzdem beharren ehemalige DFB-Entscheider auf diesem Grund.
Will sich Horst R. Schmidt (Archivbild) mit seiner neuen Aussage selbst schützen?

Will sich Horst R. Schmidt (Archivbild) mit seiner neuen Aussage selbst schützen?

Foto: Bernd Thissen/ dpa

Der ehemalige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt hat frühere Aussagen in der Affäre um das WM-Sommermärchen 2006 nun auch offiziell korrigiert. Er entlastet damit Ex-Verbandschef Theo Zwanziger vom Vorwurf einer vorsätzlichen Täuschung im Zuge der dubiosen Zahlung von 6,7 Millionen Euro an den Fußball-Weltverband Fifa. Dies belegen Dokumente, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Schmidt hatte die Vorwürfe gegenüber dem SPIEGEL bereits vor Monaten als "abwegig" zurückgewiesen.

Im Juli 2016 hatte sich das noch anders angehört. Damals hatte Schmidt, einer der wichtigsten Entscheider des WM-Organisationskomitees und ein Vertrauter Zwanzigers, gegenüber der Staatsanwaltschaft Frankfurt eine Mitwisserschaft eingeräumt. Schmidt hatte ausgesagt, dass Zwanziger und er davon gewusst hätten, dass es sich bei der vermeintlichen Kostenbeteiligung an einer Fifa-Gala im Rahmen der WM um eine Legendierung des eigentlichen Zahlungszwecks gehandelt habe. Zudem gab er damals an, dass er und Zwanziger die Mitglieder im OK-Präsidium bzw. Präsidialausschuss des OK-Aufsichtsrates über den eigentlichen Zahlungsgrund getäuscht hätten.

Auf diese Aussage stützt die Staatsanwaltschaft unter anderem ihre Anklage wegen Steuerhinterziehung beziehungsweise Beihilfe zur Steuerhinterziehung, wegen der sich Zwanziger und Schmidt sowie Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und der ehemalige Fifa-Generalsekretär Urs Linsi demnächst vor dem Landgericht Frankfurt verantworten müssen. Alle Beklagten weisen die Vorwürfe zurück.

Warum Schmidt zunächst eine belastende Aussage getätigt hatte, wird nicht beantwortet. Ob Schmidts Kehrtwende der Wahrheit entspricht oder es sich lediglich um eine Schutzbehauptung handelt, um einer möglichen Verurteilung zu entgehen, ist fraglich. Letztlich stellt sich die Frage, warum Schmidt und Zwanziger sich im Jahr 2003 mit Robert-Louis Dreyfus trafen, wenn es zwischen der 6,7 Millionen-Zahlung und dem ehemaligen Adidas-Chef keinerlei Verbindungen gab.

"Von einem Scheingeschäft kann keine Rede sein"

Schmidt besteht auf folgender Sichtweise: Die im Jahr 2005 an die Fifa geflossene Summe sei einzig zur Finanzierung jener Gala, die im Januar 2006 offiziell abgesagt wurde, bestimmt gewesen. Die Zahlung habe nichts mit der Tilgung eines von Franz Beckenbauer drei Jahre zuvor von Dreyfus in Anspruch genommenen Darlehens in Höhe von zehn Millionen Schweizer Franken zu tun gehabt. Das habe Schmidt bereits im April 2017 in einem Memo festgehalten.

Ärger drohen Schmidt, Zwanziger, Niersbach und Linsi auch in der Schweiz. Das Quartett ist von der Schweizer Bundesanwaltschaft wegen Betrugsverdachts angeklagt worden. Schmidts im Schweizer Strafverfahren beauftragter Rechtsanwalt Nathan Landshut hat bei dem dortigen Gericht bereits Mitte September eine Korrektur der Aussagen seines Mandanten vorgenommen.

In seinem Schreiben teilte Landshut mit : "Dem OK WM 2006 ist es immer um die Unterstützung der Eröffnungsgala gegangen und um nichts anderes. Von einem Scheingeschäft (Simulation) oder einer eigentlichen Legendierung (diese Ausdrucksweise war meinem Klienten von der Staatsanwaltschaft in Deutschland in den Mund gelegt worden; in Wirklichkeit hat Horst Schmidt diesen Ausdruck nie verwendet!) kann keine Rede sein."

In dem Schweizer Verfahren spielt die Zeit für die Beklagten. Eine mögliche Verjährung würde im kommenden April eintreten, aufgrund der neuen Aussage sind womöglich neue Ermittlungen nötig. Beckenbauer, der in der Schweiz als entscheidende Figur in dem Fall angesehen wird und dessen Verfahren abgetrennt wurde, hat sich von seinen Ärzten für vernehmungsunfähig erklären lassen. Die Verjährung Beckenbauers Anklage gilt als wahrscheinlich.

krä/dpa
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