Sommermärchen-Affäre Schweizer Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen Schmidt, Zwanziger und Niersbach

Der Vorwurf: arglistige Täuschung. Drei ehemalige DFB-Funktionäre müssen sich in der Schweiz für ihre Beteiligung an der Affäre um die WM 2006 vor Gericht verantworten.

Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger, Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach
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Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger, Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach


Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen die ehemaligen Funktionäre des Deutschen Fußball-Bunds, Horst Schmidt, Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach erhoben. Auch der frühere Schweizer Fifa-Mann Urs Linsi muss sich vor Gericht verantworten. Das gab die Bundesanwaltschaft bekannt.

Schmidt, Zwanziger und Linsi wird demnach "Betrug in Mittäterschaft" vorgeworfen, Niersbach "Gehilfenschaft zu Betrug". Ein Verfahren wegen des Verdachts der Geldwäsche wurde hingegen eingestellt. Das Verfahren gegen den ebenfalls beschuldigten Franz Beckenbauer wurde abgetrennt und werde "separat weitergeführt", teilte die Bundesanwaltschaft mit. Sonst könnte sich das gesamte Verfahren verzögern - und wegen Verjährung eingestellt werden.

"Eine gemeinsame Beurteilung würde das Verfahren gegen die weiteren Beschuldigten unnötig verzögern, weil der Gesundheitszustand von Franz Beckenbauer nach derzeitiger Prognose eine Teilnahme oder Einvernahme an der Hauptverhandlung vor Bundesstrafgericht nicht zulässt", hieß es in der Stellungnahme. Der SPIEGEL hatte über diese Entscheidung bereits Ende Juli berichtet.

Zwanziger zur Anklage: "desolat, bösartig"

Die Bundesanwaltschaft wirft den vier Angeklagten, die in der Vergangenheit alle Anschuldigungen zurückgewiesen haben, vor, den DFB 2005 bei der Rückzahlung eines 6,7-Millionen-Euro-Kredits betrogen zu haben. Das Geld lief über die Fifa an den französischen Milliardär Robert Louis-Dreyfus zurück, war aber als Zuschuss des DFB für eine Auftaktgala der Fifa zur Fußball-WM 2006 getarnt.

Exakt diese Summe war drei Jahre zuvor von Beckenbauer und Louis-Dreyfus an den früheren Fifa-Funktionär Mohamed Bin Hammam nach Katar geflossen. Den Zweck dieser Zahlung habe man jedoch nicht ermitteln können, schreibt die Bundesanwaltschaft. Auch, "weil ein entsprechendes, an die katarischen Behörden gerichtetes Rechtshilfeersuchen vom September 2016 bis dato unbeantwortet blieb".

Zwanziger kommentierte die Anklage so: "Diese ganze Schweizer Kampagne ist desolat, bösartig und wird völlig scheitern, weil ich mir überhaupt nichts vorzuwerfen habe", sagte der 74-Jährige: "Diese unfähigen Ermittler rasen mit dem Kopf gegen eine Wand - zum Schluss gewinnt immer die Wand. Das Ganze ist inzwischen längst ein Justizskandal und kein wirklich vorwerfbares Verhalten gegenüber den Beschuldigten."

Der ehemalige DFB-Präsident Niersbach wies die Vorwürfe erneut zurück. "Es ist bezeichnend für dieses unsägliche Verfahren, dass man als Betroffener nach über drei Jahren erfahren muss, dass Anklage erhoben wird", teilte der 68-Jährige mit.

Schmidt erreichte die Neuigkeit im Urlaub. "Ich bin nicht überrascht, dass es zur Anklage kommt. Ich bin aber überrascht, was da alles in der Schweiz abläuft", sagte der 77-Jährige.

Video: Das gekaufte Sommermärchen? (SPIEGEL-TV vom 18.10.2015)

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bka/sid/dpa



insgesamt 43 Beiträge
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StefanieTolop 06.08.2019
1. Manche sind halt gleicher!
Ist das nicht dieselbe Bundesanwaltschaft, die einen Herrn Josef Blatter in einem seltsamen Deal hat laufen lassen? Ist das nicht dieselbe Bundesanwaltschaft, die einen Herrn Infantino die FIFA mit der Blatter-Methode führt? Ist das nicht dieselbe Bundesanwaltschaft, die einen Herrn Havelange jahrelang hat gewähren lassen? Ist das nicht dieselbe Bundesanwaltschaft, die einen Herrn Samaranch bei seinen kriminellen Machenschaften im Rahmen des IOC hat gewähren lassen? JA, DAS IST DIESELBE BUNDESANWALTSCHAFT!!
Papazaca 06.08.2019
2. Die Schweizer Weisswäscher. Jahrzehnte zu spät. Und sehr glaubwürdig!
Für das Verfahren scheint es ja gute Gründe zu geben. Ist das jetzt die gleiche Schweiz, die die korrupte FIFA Jahrzehnte lang in Ruhe gelassen hat? Auf einmal hat sie Omo und Sagrotan entdeckt. Stellt sich auch die Frage, warum mußte man bestechen, um eine WM auszurichten? Schon interessant, wie moralisch die Schweiz auf einmal geworden ist. Wohlgemerkt, bei den Sünden der Anderen. Die eigenen Sünden bemerken die sauberen Eidgenossen nur, wenn die USA klare Beweise vorlegen und drohen. Oder, wenn Steuer-CD's auftauchen. Die ach so saubere Schweiz .....
inge-p.1 06.08.2019
3.
Ja, und der "Kaiser" wurde "krank" gemeldet.
Peter A. M. K. Lublewski 06.08.2019
4. Steckt die drei
Strolche in den Knast und verschont den Beckenbauer. Der hat wenigstens etwas für den deutschen Fußball geleistet.
der Pöter 06.08.2019
5. Tja,
und der Kaiser hat sich schnell noch freigekauft. Würde doch zu gerne wissen, wo und wie man das entsprechend gefeiert hat. Natürlich immer mit Fürsorge, damit der Kaiser sich nicht aufregt, das wäre ja nicht gut für ihn.
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