Sorge um Millionenstars Bundesligisten sträuben sich gegen Schweinegrippe-Impfung

Kommende Woche werden die Impfstoffe gegen die Schweinegrippe freigegeben. In der Bundesliga fragen sich die Verantwortlichen schon jetzt: Sollen die Top-Spieler immunisiert werden? Viele Vereinsärzte fürchten die Nebenwirkungen und den damit drohenden Spielerausfall.

Bundesliga-Profis Müller (l.) und Banovic: Uneinigkeit über Grippeimpfung
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Bundesliga-Profis Müller (l.) und Banovic: Uneinigkeit über Grippeimpfung

Von Jan Reschke


Die Vereinsärzte der Bundesligisten stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Sollen sie ihre Spieler gegen die Schweinegrippe impfen lassen und möglicherweise einer Epidemie innerhalb der Mannschaft vorbeugen? Oder sollen sie auf die Impfungen verzichten, weil diese ein großes Risiko darstellen?

Denn die Impfung gegen die Schweinegrippe kann starke Nebenwirkungen hervorrufen, die von Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle bis zu Kopf-, Gliederschmerzen, Ermüdung und Schüttelfrost reichen können. Dr. Wego Kregehr, Mannschaftsarzt bei Hannover 96, sagte SPIEGEL ONLINE: "Es besteht bei der Impfung das Risiko, dass ein Spieler ausfällt. Wir haben noch nicht entschieden. Ob wir impfen, werden wir in Ruhe besprechen."

"Wenn Verdachtsmomente entstehen sollten, würden wir impfen"

In Hannover ist man besonders sensibel für das Thema, nachdem im August ein Schweinegrippe-Fall in der US-amerikanischen Nationalmannschaft bekannt wurde, mit der Verteidiger Steven Cherundolo auf Reisen war. Cherundolo wurde anschließend ebenso wie Mittelfeldspieler Jan Rosenthal und Abwehrspieler Vinicius für einige Tage isoliert, allerdings zeigte keiner der drei auffällige Symptome. Rosenthal und Vinicius waren zuvor in Kontakt mit Cherundolo gekommen.

Beim Hamburger SV wird zunächst abgewartet. "Unsere Spieler werden täglich kontrolliert. Wenn Verdachtsmomente entstehen sollten, würden wir impfen. Momentan bestehen keine Verdachtsmomente", so HSV-Pressesprecher Jörn Wolf zu SPIEGEL ONLINE. Auch bei Zweitligist MSV Duisburg ist man skeptisch. "Der Schuss kann schnell mal nach hinten losgehen, gerade bei dieser Impfung", sagte Vereinsarzt Dr. Lothar Roslawski SPIEGEL ONLINE.

Bei der TSG Hoffenheim denkt man derzeit nicht an flächendeckende Impfungen, "allerdings wird individuell geprüft, ob eine Impfung nötig werden könnte. Insbesondere bei den Südamerikanern, wenn sie über Weihnachten und Silvester in ihrer Heimat waren", sagte TSG-Mannschaftsarzt Pieter Beks SPIEGEL ONLINE.

Sich ausbreitende Grippe kann den gesamten Spielbetrieb in Gefahr bringen

Beim 1. FC Nürnberg ist man sich noch nicht einig, wie mit der Schweinegrippe verfahren werden soll. Mannschaftsarzt Matthias Brem bestätigte aber, dass seit Jahren gegen die herkömmlichen Grippeerreger geimpft werde. Der FSV Mainz und Schalke 04 wollten keine Angaben zu den Impfungen ihrer Spieler machen. Beim VfL Wolfsburg wird hingegen definitiv auf Schweinegrippe-Impfungen verzichtet.

Doch auch der Verzicht auf die Schweinegrippe-Impfung kann zum Risiko werden, eine sich ausbreitende Grippe in der Mannschaft stellt unter Umständen den gesamten Spielbetrieb in Gefahr. Vor einigen Tagen musste Zweitligist Paderborn den Trainingsbetrieb absagen, weil nur noch die halbe Mannschaft zur Verfügung stand und das Risiko weiterer Ansteckungen bestand - allerdings handelte es sich dabei nicht um die Schweinegrippe. 2008 erkrankten bei Hannover 96 ebenfalls etliche Spieler an Grippe, der Verein beantragte damals sogar die Verlegung der Pokalpartie gegen Schalke.

Schwedischer Fußballverband verbot Händeschütteln

Ein echter Fall der Schweinegrippe war bei den A-Junioren des FC Hansa Rostock bekanntgeworden, daraufhin wurden die Spiele der A- und B-Jugend abgesagt. In Schweden verbot der Fußballverband SFF den Spielern sogar das Händeschütteln vor und nach den Spielen, um das Risiko einer möglichen H1N1-Infektion zu minimieren.

Doch wenn am Montag die neuen Impfstoffe gegen die Schweinegrippe freigegeben werden, stellt sich für die Mannschaftsärzte nicht nur die Frage, ob geimpft wird, sondern auch wann. So hat ein Bundesligist auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE angekündigt, seine Akteure in der spielfreien Zeit impfen zu wollen - eine Einverständniserklärung der Spieler vorausgesetzt.

Sollte überhaupt geimpft werden, wird es wohl noch einige Zeit dauern. In den anstehenden Wochen ist nicht mit Impfungen zu rechnen, das Risiko von Spielerausfällen während der kommenden englischen Wochen mit Champions League und DFB-Pokal ist zu groß.

Unklar ist, welche Folgen die Wirkverstärker auslösen

Auch über die Art des Impfstoffes müssen sich die Mannschaftsärzte Gedanken machen. In der EU sind bisher drei Impfstoffe zugelassen: Pandemrix, Celvapan und Focetria. Pandemrix wird ab Montag für die geplante Massenimpfung eingesetzt. Ebenso wie Focetria enthält Pandemrix einen Wirkverstärker, ein sogenanntes Adjuvans. Mit seiner Hilfe kommen die Hersteller mit weniger Virus-Material aus, was die Anzahl der herstellbaren Dosen erhöhen soll. Unklar ist allerdings, welche Folgen die Wirkverstärker etwa bei Schwangeren oder Kleinkindern auslösen.

Celvapan hingegen kommt ohne Verstärker und Konservierungsstoffe aus. Dafür handelt es sich bei der Substanz aber um einen Ganzkörper-Impfstoff und stimuliert das Immunsystem deswegen deutlich stärker - ähnlich wie ein Adjuvans. Nach dem bisherigen Plan soll Celvapan nur Angehörigen der Bundesregierung und der Bundeswehr zugänglich gemacht werden.

So stecken die Mannschaftsärzte in einem Dilemma. Sie können durch die Impfung ihre Mannschaft vor großem Schaden bewahren - ihn aber gleichzeitig auch damit auslösen.

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Seite 1
IsArenas, 02.05.2009
1.
Nein, niemand *muss* Angst haben, unabhängig von allem, was geschieht. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber, zuweilen zwar wichtig als Selbstschutz, wird aber schnell selbst krankmachend und/oder eine Krankheit. Ich schließe nicht aus, gewaltsam (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Terrorakt), durch Krebs oder noch früher durch Herzinfarkt oder Schlaganfall oder was weiß ich oder eben durch eine Virus- odere Bakterieninfektion ums Leben zu kommen, bevor ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung nähere. Zur angeblichen Hauptrisikogruppe zähle ich auch noch, na wunderbar. Nein, die Grippe macht mir definitiv keine Angst, wenn ich den nächsten Monaten daran sterben soll, dann war's das halt. Ich glaube aber nicht daran, meine Schulden werde ich wohl zahlen müssen -- sprich, ich habe andere Sorgen und erfreue mich ansonsten des Lebens in der Gegenwart ;-)
Crackerjack 02.05.2009
2.
Zitat von IsArenasNein, niemand *muss* Angst haben, unabhängig von allem, was geschieht. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber, zuweilen zwar wichtig als Selbstschutz, wird aber schnell selbst krankmachend und/oder eine Krankheit. Ich schließe nicht aus, gewaltsam (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Terrorakt), durch Krebs oder noch früher durch Herzinfarkt oder Schlaganfall oder was weiß ich oder eben durch eine Virus- odere Bakterieninfektion ums Leben zu kommen, bevor ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung nähere. Zur angeblichen Hauptrisikogruppe zähle ich auch noch, na wunderbar. Nein, die Grippe macht mir definitiv keine Angst, wenn ich den nächsten Monaten daran sterben soll, dann war's das halt. Ich glaube aber nicht daran, meine Schulden werde ich wohl zahlen müssen -- sprich, ich habe andere Sorgen und erfreue mich ansonsten des Lebens in der Gegenwart ;-)
Hierzu ein von Herzen kommender Applaus.
descartes101, 02.05.2009
3.
Zitat von sysopDie Schweinegrippe hat auch Europa erreicht, die EU rechnet mit Todesopfern. Wie berechtigt ist die Angst vor dem Virus?
Lächerlich. Das Grippevirus rekombiniert sich jede Saison neu, weshalb die Impfungen auch dann nicht mehr wirksam sind. Mal ist es virulenter, mal weniger. Jedenfalls sterben immer auch Menschen daran. Das ganze ist eine haltlose Hysterie, wahrscheinlich damit unsere tüchtigen Regierungen mal behaupten können, sie hätten eine Situation im Griff. Das ist natürlich besonders leicht bei einer Situation, die so oder so nicht eskaliert. Wenn ein hemorrhagisches Fieber wie Ebola durch die Ballungszentren zieht, dann lohnt es sich zuhause zu bleiben. Aber eine dämliche Papiermaske schützt niemanden vor Ansteckung. Das gleiche Prinzip wurde von den USA im kalten Krieg angewendet, wo man den Leuten erzählte, dass es helfe, sich im Falle eines Nuklearangriffs unter den Tisch zu hocken mit einer Zeitung über dem Kopf. Aua, aua. Seit damals hat sich wirklich nichts verändert.
Hans58 02.05.2009
4.
Zitat von sysopDie Schweinegrippe hat auch Europa erreicht, die EU rechnet mit Todesopfern. Wie berechtigt ist die Angst vor dem Virus?
Nein, wir müssen keine Angst haben, selbst wenn hier zum x-ten Male eine Diskussion über das Thema eröffnet wird.
firefly 02.05.2009
5.
Sie können sich ja gleich mal mit dem Papst zusammentun. Für den ist HIV auch kein Problem und alles nur Panik mache. Und Medikamente im Falle einer HIV-Infektion würde ich ihnen auch nicht empfehlen. Die wirken nämlich garnicht und dienen nur zum Geldschäffeln der Pharmaindustrie. /Ironie
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