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Spätes Glück in Basel Schweinsteiger rettet die Bayern

In der Bundesliga gelingt dem FC Bayern wenig, in der Champions League läuft es dagegen optimal. Beim FC Basel feierten die Münchner den zweiten Sieg im zweiten Spiel. Matchwinner war Bastian Schweinsteiger, der mit einem Doppelpack erfolgreich war. Den Siegtreffer erzielte er kurz vor Schluss.

Hamburg - Die Bankettreden beim FC Bayern sind meist ein Highlight. Da werden die Spieler im Anschluss an Champions-League-Spiele wahlweise zu Fußballgöttern emporgehoben oder verbal komplett niedergestreckt. Und wer weiß, wie es beim Dinieren in Basel zugegangen wäre, hätten die Münchner in der Partie zuvor nicht einen ganz starken Torhüter Hans-Jörg Butt zwischen den Pfosten und einen treffsicheren Bastian Schweinsteiger in der Offensive gehabt. Aber es blieb beim Konjunktiv, weil der "kleine FCB" aus der Schweiz seine vielen guten Chancen nicht nutzte, der "große FCB" hingegen kurz vor dem Schlusspfiff zuschlug und am Ende 2:1 (0:1) in Basel gewann.

"Nur die Punkte sind wichtig. Keiner kann uns einen Vorwurf machen, dass wir nicht wollen. Dennoch: Wir beginnen wie die Feuerwehr, kassieren wieder ein unnötiges Gegentor und treffen dann vorne lange nichts. Die Mannschaft hat aber wieder gezeigt, was sie mental draufhat", sagte Bayern-Angreifer Thomas Müller, der mit seinem Team die Gruppe E mit sechs Punkten anführt. Zweiter ist der rumänische Club CFR Cluj, der beim AS Rom eine 1:2 (0:0)-Niederlage hinnehmen musste. Philippe Mexes (69. Minute) und Marco Borriello (71.) hatten die Italiener in Führung gebracht, Ionut Rada (78.) konnte nur noch verkürzen.

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Basel vs. München: Frei völlig frei, Schweinsteiger total abgezockt

Foto: Matthias Schrader/ AP

Im anderen Duell der Gruppe B konnte beim FC Bayern von Verunsicherung nach der 1:2-Heimniederlage gegen Mainz zunächst keine Rede sein. Die Gäste, bei denen Hamit Altintop für Ivica Olic in der Startelf stand, setzten den FC Basel von Beginn an unter Druck, hatten deutlich mehr Ballbesitz und dominierten die Partie. Schweinsteiger (9.), Toni Kroos (11.) und Daniel van Buyten (15.) hatten die ersten guten Möglichkeiten für den Deutschen Meister.

Alexander Frei nutzt Basels erste Chance zur Führung

Rund eine Viertelstunde lief das so, dann kam der FC Basel zu seiner ersten Chance überhaupt - und schlug sofort zu. Nach einem Fehlpass von van Buyten im Spielaufbau bekam Marco Streller den Ball, der per Hacke für Alexander Frei auflegte. Der ehemalige Dortmunder schlenzte die Kugel aus rund zwölf Metern unhaltbar für Bayern-Keeper Butt ins rechte Eck (18.). Der zurückgeeilte van Buyten war zu spät gekommen und hatte den Schuss nicht mehr blocken können.

Setzten die Bayern den FC Basel zuvor noch enorm unter Druck, war das Tor wie ein heftiger Schlag. Von Ballsicherheit und Selbstbewusstsein keine Spur mehr, stattdessen übernahm der "kleine FCB" das Kommando. Während Frei per Kopf vergab (27.), traf der ehemalige Frankfurter Benjamin Huggel ins Netz (29.) - doch beide Ex-Bundesliga-Spieler standen bei ihren Versuchen im Abseits.

Der Deutsche Meister hingegen brauchte fast 15 Minuten, um sich von dem Schock des Gegentors zu erholen. Hamit Altintop (31.) und Kroos (34.) brachten den Ball auf das Tor der Schweizer, beide Schüsse waren jedoch kein Problem für Basels Schlussmann Franco Costanzo. Weit gefährlicher war dagegen Xherdan Shaqiris Schuss von der Strafraumgrenze, den Butt zur Ecke lenkte (40.). Auf der anderen Seite war Costanzo bei Kroos' Versuch zur Stelle (44.).

Zweifelhafter Elfmeter für den FC Bayern nach der Pause

Nach der Pause wurden die Bayern offensiver - zumindest personell. Mario Gomez ersetzte den schwachen Altintop, an der Münchner Behäbigkeit konnte dieser Wechsel aber auch nichts ändern. Stattdessen war es Basel, das die ersten großen Chancen im zweiten Durchgang hatte, als Butt einen harten Schuss von Shaqiri mit den Fäusten klären konnte (52.).

Es lief wie zu Beginn der ersten Halbzeit, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Basel dominierte - und die Bayern machten das Tor. Dabei war der Foulelfmeter, den Schiedsrichter Craig Thomson nach einem Zweikampf zwischen Bayerns Thomas Müller und Huggel pfiff, etwas zweifelhaft. Zwar ließ der Schweizer sein Bein stehen, der Münchner aber wusste die günstige Gelegenheit zu nutzen und fädelte ein. Den anschließenden Strafstoß verwandelte Schweinsteiger sicher (56.).

Doch anders als bei den Bayern, die der Gegentreffer aus dem Konzept gebracht hatte, sorgte das Tor nicht für einen Bruch im Spiel der Schweizer. Beide Teams setzten auf Offensive, wollten ihren zweiten Treffer erzielen. Doch Philipp Lahms scharfe Flanke in den Fünfmeterraum (68.) führte ebenso wenig zum Erfolg wie Strellers Möglichkeit, die von Butt geklärt wurde (72.), oder Gilles Yapis Schlenzer vom linken Strafraumeck (78.).

Als alles auf ein Unentschieden hindeutete, schlug Schweinsteiger eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit erneut zu. Ein Freistoß Holger Badstubers von der rechten Seite segelte über alle Schweizer Abwehrspieler hinweg bis zum linken Fünfmeterraum-Eck, wo Schweinsteiger in den Ball mehr reinstolperte, als dass er ihn gezielt traf. Aber er war auch so erfolgreich und bescherte seinem Club eine optimale Bilanz nach zwei Champions-League-Spieltagen.

"Sicherlich ist es glücklich, wenn man in der 89. Minute den Siegtreffer erzielt. Aber Tabellenführer und sechs Punkte - das war unser Ziel. Und das haben wir erreicht", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Basels deutscher Trainer Thorsten Fink, der 2001 mit den Bayern die Champions League gewonnen hatte, sagte: "Ich bin sehr enttäuscht. Es war typisch, dass Schweinsteiger das Tor gemacht hat, weil er mental einfach sehr stark ist. Schade, dass wir in der letzten Minute das Tor bekommen haben."

Vor Beginn der Partie hatten sich die Bayern als schlechte Gäste gezeigt. Bei Ausschreitungen wurden 80 Anhänger festgenommen. Im Zentrum der Stadt lieferten sich zunächst knapp 50 Münchner Fans Schlägereien mit 15 Hooligans der Schweizer. Die Polizei ging dazwischen und nahm die Bayern-Anhänger fest, die Basel-Fans konnten flüchten. Mindestens eine Person sei verletzt worden und musste ins Krankenhaus gebracht werden, teilte die Polizei mit, die am Abend dann eine Gruppe von etwa 30 Münchner Fans stoppte. Sie wurden wegen des Verdachts auf beabsichtigte Gewalt in Gewahrsam genommen.

FC Basel - Bayern München 1:2 (1:0)
1:0 Frei (18.)
1:1 Schweinsteiger (56., Foulelfmeter)
1:2 Schweinsteiger (89.)
Basel: Costanzo - Inkoom, Abraham, Ferati, Safari - Yapi (89. Almerares), Huggel (87. Cabral) - Shaqiri (80. Chipperfield), Stocker - Frei, Streller
München: Butt - Lahm, van Buyten, Badstuber, Pranjic - van Bommel, Schweinsteiger - Hamit Altintop (46. Gomez), Müller, Toni Kroos (56. Olic) - Klose (77. Tymoschtschuk)
Schiedsrichter: Thomson (Schottland)
Zuschauer: 37.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Streller (2) / Badstuber, Kroos, Pranjic, Schweinsteiger

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