Spanien Barca boykottiert Pokal-Halbfinale

Mit der lapidaren Begründung, zu viele Spieler aus dem Kader für Länderspiele abstellen zu müssen, hat der FC Barcelona das spanische Pokal-Halbfinalrückspiel gegen Atlético Madrid eigenmächtig ausfallen lassen.


Madrid - Der FC Barcelona hat seine Drohung wahr gemacht und das Pokal-Halbfinalrückspiel gegen Atlético Madrid im eigenen Stadion boykottiert. Auf Grund der derzeit eskalierenden Terminflut musste Barca-Trainer Louis van Gaal neben dem Brasilianer Rivaldo, dem Finnen Jari Litmanen und dem Portugiesen Luis Figo auch sechs Niederländer für Nationalmannschaftsspiele freistellen. Übrig blieben elf Akteure, darunter mit Hesp und Arnau die beiden Torhüter der Katalanen. Den Boykott muss "Barca" wohl teuer bezahlen: Neben der geradezu läppischen Geldstrafe von rund 25.000 Mark droht der weit schwerer wiegende Ausschluss aus dem Pokalwettbewerb der kommenden Saison. Regressansprüche wollen Atlético wegen der Reisekosten und das Pay-TV wegen der Einnahmeausfälle geltend machen.

Zunächst schien am Montagabend alles normal im Stadion Nou Camp. Die Überraschung für die nur 3000 Zuschauer kam, als wenige Minuten vor Anpfiff die Aufstellungen bekannt gegeben wurden: "Hesp, Puyol, Dehu, Abelardo, Sergi, Guardiola, Xavi, Gabri, Simao, Dani" - ein Spieler zu wenig. Und tatsächlich: Während die Gäste an der Mittellinie warteten, reihten sich die zehn "Barca"-Kicker lediglich am Spielfeldrand auf. Kapitän Guardiola übergab dem verdutzten Schiedsrichter Manuel Diaz Vega schließlich ein sechsseitiges Dokument mit den Gründen für den Boykott.

Die Entscheidung des Traditionsclubs stieß auf wenig Verständnis und löste stattdessen eine Welle der Empörung aus. "Feiglinge", "Trauriges Spektakel", "Schande für den Fußball", lauteten einige Schlagzeilen in den Dienstagzeitungen. Denn der Champions-League-Halbfinalist hatte im Juli 1999 den Spielkalender akzeptiert und wusste, was auf ihn zukommen würde. Der Sinneswandel stellte sich erst ein, nachdem die Blau-Roten vor zwei Wochen das Hinspiel beim angeschlagenen Atlético mit 0:3 verloren hatten. Die Katalanen müssen sich nun den Vorwurf gefallen lassen, das Rückspiel aus reinem Kalkül geopfert zu haben.

Noch dazu hatte sich der spanische Fußballverband bereit erklärt, die eigentlich für den Dienstag geplante Begegnung auf Ostermontag vorzuverlegen. Damit sollte den sechs Niederländern die Chance gegeben werden, rechtzeitig zur Vorbereitung ihres Nationalteams für das Spiel gegen Schottland am Mittwoch abreisen zu können. Der FC Barcelona blieb aber hart und spielte trotzdem nicht, verlangt jetzt aber eine Wiederholung des Spiels und will nicht hinnehmen, dass Atlético wegen des Boykotts nun der Pokalfinalist ist.



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