Spanische Liga Verband setzt auf Profi-Schiedsrichter

Spanien macht es England nach und vertraut ab 2009 auf professionelle Referees in der Primera Division. Für die Deutsche Fußball-Liga ist dies nicht geplant. Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel zweifelt an besseren Auftritten.

Frankfurt/Main - "Wir denken trotz der Ankündigung der Spanier nicht an ein Vollprofitum. Unsere Schiedsrichter sollen zwar unter professionellen Bedingungen pfeifen können, aber sie sollten nicht ganz auf einen Beruf als weiteres Standbein verzichten", sagte Strigel dem sid. Für ihn sei das Vollprofitum keine Garantie, "dass die Leistungen der Unparteiischen besser werden".

Als Beweis führte Strigel den Engländer Graham Poll an, der bei der WM in Deutschland dem Kroaten Josip Simunic (Hertha BSC Berlin) in der Vorrunden-Partie gegen Australien (2:2) drei Mal die Gelbe Karte gezeigt hatte. "Da hat man deutlich gesehen, dass selbst Leute Probleme bekommen können, die sich voll ihrem Job als Schiedsrichter widmen", sagte Strigel.

Die Spanier indes orientieren sich den Engländern. Ab der Saison 2009/2010 sollen in der Ersten und Zweiten Liga nur noch Profi-Schiedsrichter einsetzen. Die kommenden drei Jahre sollen unter anderem dazu genutzt werden, die arbeitsrechtlichen Hürden zu nehmen und das Fundament für einen reibungslosen Einstieg ins Vollprofitum zu legen. " Die Referees werden dann eine 40-Stunden-Woche haben", kündigte Sprecher Javier Tebas vom Profi-Ligaverband LFB an und stellte klare Bedingungen: "Wer seinen Beruf nicht aufgeben möchte, der wird auch nicht mehr pfeifen. Wir wollen, dass sich die Schiedsrichter zu 100 Prozent auf den Fußball konzentrieren."

Für die Bundesliga kann sich Strigel so eine Regelung nicht vorstellen. Hier habe jeder noch einen Teilzeitjob, dennoch sei die Qualität "unserer 'Schiris' trotzdem sehr hoch", sagte der 56-Jährige. Die Bedingungen in Deutschland nannte Strigel gemessen am Aufwand für Lehrgänge und Analysen schon professionell. Zudem reagierte der DFB jüngst im Zuge der von Fifa-Präsident Sepp Blatter geforderten Profi-Strukturen mit einer Erhöhung der Honorare für die anstehende Saison. Ein Unparteiischer wird nach der neuen Regelung für einen Einsatz in der Bundesliga nunmehr 3600 statt bisher 3068 Euro erhalten. Die Assistenten verdienen im Oberhaus jeweils 1800 Euro (vorher: 1534), dem vierten Offiziellen werden 900 Euro (750) überwiesen. Die Schiedsrichter der Zweiten Liga bekommen ab der neuen Spielzeit 1800 Euro (1534) pro Einsatz, die Assistenten jeweils 900 Euro (750).

Blatter schweben als Verdienst für einen "Profi an der Pfeife" rund 100.000 Euro im Jahr vor. Von umfangreicher geschulten Referees, die keinem bürgerlichen Beruf mehr nachgehen, erhofft sich der Schweizer eine "einheitlichere Regelauslegung". Die Fifa will deshalb bis zur WM 2010 in Südafrika rund 32 Millionen Euro in die Weiterbildung der Schiedsrichter investieren. Ziel soll sein, dass die Spiele bei der ersten WM auf dem afrikanischen Kontinent nur noch von Profis geleitet werden.

mt/sid

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