Spanisches Skandalspiel Barça schimpft über Figos Provokationen

Nach dem Skandal-Spiel zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid ist ein heftiger Streit zwischen beiden Vereinen entbrannt. Spieler, Medien und Funktionäre gaben sich gegenseitig die Schuld an den Ausschreitungen, bei denen sogar der Kopf eines Spanferkels auf den Platz flog.


Reals Starspieler Figo: Zuviel Zeit bei der Ecke
REUTERS

Reals Starspieler Figo: Zuviel Zeit bei der Ecke

Madrid- "Die Ausschreitungen waren lediglich das Ergebnis von Figos Provokationen", sagte Barcelonas Präsident Joan Gaspart. Barcelonas holländischer Coach Luis van Gaal blies in das selbe Horn: "Wenn Figo eine Ecke schießen will, dann lässt er sich Zeit, bückt sich, hebt Gegenstände auf und provoziert so die Zuschauer zusätzlich". Luis Figo, der 2000 von Barcelona nach Madrid gewechselt war und einst unter van Gaal gespielt hatte, giftete zurück: "Ich kann ihn nicht verstehen. Ich war zwei Jahre Profi unter ihm. Er sollte sich daran erinnern, dass ich ihm oft den Arsch gerettet habe."

"Ich wusste, was passieren würde"

Die Ausschreitungen hatten in der 72 Minute begonnen, als Figo einen Eckball schlagen wollte und daraufhin von den Fans minutenlang mit Gegenständen, darunter der Kopf eines Spanferkel, beworfen wurde. Trotz des unrühmlichen Spektakels schaffte es Figo, die Ecke gefährlich vor das Tor zu ziehen, Barcelonas Torhüter Roberto Bonano konnte aber mit einer Glanzparade zu einer weiteren Ecke klären.

Als sich das beschämende Schauspiel nun auf der anderen Seite fortsetzte und wieder Feuerzeuge, Früchte und Flaschen aufs Feld flogen, weigerte sich Real weiter zu spielen und begab sich demonstrativ in Richtung Mittellinie. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel und bat beide Mannschaften für zwölf Minuten in die Kabine. Erst als das Publikum sich ausgetobt hatte, konnte die Partie zu Ende gespielt werden.

Figo: "Er bückt sich und hebt Gegenstände auf"
REUTERS

Figo: "Er bückt sich und hebt Gegenstände auf"

Von den Ausschreitungen zeigte sich Reals Superstar wenig überrascht: "Ich wusste, was passieren würde. Schade, dass Barcelona vor den Augen der Welt ein solches Bild abgibt". Partei für den Portugiesen ergriff auch Madrids Sportdirektor Jorge Valdano: "Ich kann nicht glauben, dass Barcelona behauptet, Figo habe provoziert. Schließlich schießt er immer unsere Ecken".

High Noon in der "Bronx Nou"

"Madrid war das Team, das einfach zu spielen aufhörte. Es hätte genügt, wenn der Stadionsprecher über Lautsprecher die Zuschauer zur Mäßigung aufgefordert hätte", so van Gaal, nach dessen Meinung auch die Presse eine unrühmliche Rolle gespielt hat: "Wenn die ganze Woche in der Zeitung zu lesen ist, wie Figo hier empfangen wird, ist klar, dass sich der Spieler davon provozieren lässt."

Die Madrider Sportzeitung "AS" taufte unterdessen Barcas Stadion von Camp Nou in "Bronx Nou" um und machte Barcelonas Präsidenten Gaspard für die Ausschreitungen verantwortlich. Dieser habe die Massen im Vorfeld aufgewiegelt. Die Krawallmacher bezeichnete das Blatt als "Gaspards Kinder".

Kluiverts Bruder nach Ausschreitungen im Gefängnis

Barça-Anhänger mit Figo-Puppe
EPA/DPA

Barça-Anhänger mit Figo-Puppe

Unterdessen wurde bekannt, dass Barcelonas holländischer Mittelstürmer Patrick Kluivert seinen Bruder gegen Kaution aus dem Gefängnis holen musste. Beim Aufeinandertreffen der beiden verfeindeten Clubs hatte sich Kluiverts Bruder an den Attacken gegen Figo beteiligt, indem er mehrere Gegenstände in Richtung Eckfahne schleuderte.

Dem FC Barcelona droht nun eine Platzsperre, mindestens jedoch eine drakonische Geldstrafe. Um das drohende Unheil abzuwenden, wartete Barcelonas Vorstandsmitglied Gabriel Masfurrol mit der dreisten Behauptung auf, der nach Figo geworfene Spanferkelkopf, sei nur eine Fotomontage der Medien gewesen, um Barça in Verruf zu bringen. Dies wird allerdings von den Gazetten energisch bestritten.



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