Spezlwirtschaft Auch Ex-Bayern-Boss Scherer in Stadion-Skandal verstrickt?

Die Affäre um die Münchner Allianz-Arena entwickelt sich zu einem Beispiel bayerischer Spezlwirtschaft. Jetzt rückt auch Fritz Scherer in die Kritik. Der Ex-Boss von Bayern München war Anfang März von seinem Amt als Geschäftsführer der "Allianz Arena München Stadion GmbH" zurückgetreten - angeblich aus gesundheitlichen Gründen.


Die Münchner Staatsanwaltschaft nahm vorvergangene Woche TSV 1860-Chef Karl-Heinz Wildmoser und dessen Sohn in Haft, weil sie beim Bau des 280 Millionen-Stadions Schmiergelder kassiert haben sollen. Seither sprießen Gerüchte über Scherers überraschenden Abgang.

Fritz Scherer: "Dringend abgeraten"
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Fritz Scherer: "Dringend abgeraten"

Offenkundig gibt es Verbindungen zwischen Baufirmen und der Familie des Stadion-Managers: Nach SPIEGEL-Informationen sind zwei der drei Firmen, die sich um den Innenausbau der Stadion-Logen bewerben, geschäftlich mit Scherers Frau, Claudia Ide-Scherer, verbandelt. So ist die Einrichtungsexpertin als Vertriebspartnerin des hessischen Möbelherstellers König+ Neurath tätig. Bei einem zweiten Bewerber, der Schreinerei Mittermaier, lässt sie ihre Möbelentwürfe fertigen. Beide Unternehmen versichern, in diesem Fall ihre Kontakte zur Familie Scherer nicht genutzt zu haben.

Scherer bestreitet, dass sein Rücktritt mit dem Engagement seiner Gattin zu tun habe. Er habe ihr sogar "dringend abgeraten, mittelbar oder unmittelbar tätig zu werden". Auch mit der Vor-Auswahl der Bewerber-Firmen will Scherer nichts zu tun gehabt haben. Und das, obwohl die Auftragsvergabe über die Stadion GmbH läuft.

Eigenartig auch: Ausgerechnet der Ausbau der Logen wurde aus dem Vertrag mit dem Generalübernehmer Alpine herausgenommen. Die von Scherer mit geführte Stadion GmbH hatte sich vorbehalten, diesen Teil selbst zu vergeben.



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