Spielabbruch in Stuttgart Polizei nimmt Hooligan fest

Nachdem der Schiedsrichter-Assistent von einem Wurfgeschoss getroffen wurde, musste das Pokalspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC abgebrochen werden. Die Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen - der einschlägig bekannt ist.


Stuttgart - Nach dem Skandalspiel im DFB-Pokal zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC Berlin hat die Polizei den mutmaßlichen Täter noch am Abend festgenommen. Mittlerweile ist er wieder auf freiem Fuß. Dies bestätigte die Polizei. Der 38 Jahre alte Stuttgarter ist bereits als Hooligan bekannt, der
wegen Gewalttätigkeiten bei Spielen des Lokalrivalen VfB mit der Polizei mehrfach in Konflikt geraten war. Er sei aber "seit gut zehn Jahren nicht mehr aufgefallen und galt als Alt-Hooligan" sagte ein Polizeisprecher SPIEGEL ONLINE. Ein Stadionverbot gegen ihn bestand nicht.

Der Hooligan soll Linienrichter Kai Voss mit einem gefüllten Hartplastikbecher getroffen haben. Schiedsrichter Michael Weiner hatte die Partie beim Stand von 2:0 für Berlin abgebrochen. Voss lag zeitweise benommen am Boden, scheint aber keine
gesundheitlichen Schäden davongetragen zu haben. Wie Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel erklärte, war der Assistent nach der Partie in der Kabine den Umständen entsprechend wieder wohlauf. Nun ermittelt der Deutsche Fußball-Bund (DFB), den Kickers drohen Geldstrafe und Platzsperre. "Der Fall wird dem Kontrollausschuss unterbreitet", sagte ein DFB-Sprecher.

Laut Polizei wird auch gegen den 38-jährigen Tatverdächtigen weiter ermittelt und Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung erhoben. Ihm droht eine Geld- oder Haftstrafe. Zudem muss der Täter damit rechnen, dass ihn die Kickers für die zu erwartende Geldstrafe von Seiten des DFB haftbar machen wollen. Diesen Schritt kündigten die Club-Verantwortlichen nach der Partie an. "Unsere friedlichen Fans haben bei der Ermittlung des Täters geholfen", sagt Kickers-Pressesprecher Martin Kurzka auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. "Wir werden in Absprache mit der Polizei ein mehrjähriges Stadionverbot gegen den Mann beantragen und zivilrechtliche Schritte prüfen", so Kurzka weiter.

Der Regionalligist aus Stuttgart ist bereits vorbelastet: Das Punktspiel gegen den 1. FC Saarbrücken am 16. September hatte zwei Mal unterbrochen werden müssen, da Fans des Gegners Feuerwerkskörper gezündet und andere Zuschauer bedroht hatten. Die Kickers, denen auch mangelnder Schutz des Schiedsrichtergespanns angelastet wurde, mussten 3000 Euro Strafe zahlen.

Kickers-Präsident Hans Kullen und Trainer Robin Dutt sprachen von einer "Katastrophe" für den Verein. "Wir werden mit unseren Fans hart ins Gericht gehen", sagte Kullen. Hertha-Manager Dieter Hoeneß geht davon aus, dass die Begegnung zu Gunsten des Bundesligisten gewertet wird und nahm den gegnerischen Verein in Schutz: "Das ist ein gesellschaftliches Phänomen, dass ein paar Wahnsinnige alles zerstören."

all/sid/dpa



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