Spielmanipulationen Ermittler vermuten Auslandsvermögen bei Wettpaten

Er selbst erklärt, das "Wetten hat mir rein gar nichts eingebracht". Doch nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sollen Wettpate Ante Sapina und die Angeklagten offenbar noch viel Geld im Ausland bunkern. Und das ist derzeit sicher vor dem Zugriff der deutschen Justiz.

Tippschein: Wettsummen von 300.000 bis 400.000 Euro ausgeschüttet
dpa

Tippschein: Wettsummen von 300.000 bis 400.000 Euro ausgeschüttet

Von , Bochum


Es ist schon erstaunlich: Als Wettpate Ante Sapina im Prozess um den Fußball-Manipulationsskandal vor dem Bochumer Landgericht gefragt wird, wie viel Geld er mit seinen Wetten umgesetzt haben will, antwortet der Zeuge: "Etwa eine Million Euro monatlich". Doch auf die Nachfrage, ob er nun ein reicher Mann sei, antwortet Sapina: "Mir hat das Wetten rein gar nichts eingebracht."

Daran bestehen allerdings erhebliche Zweifel. Staatsanwalt Andreas Bachmann sagte SPIEGEL ONLINE: "Es wird aufgrund der Ermittlungen deutlich, dass noch erhebliche Vermögenswerte der Angeklagten und mancher Beschuldigten im Ausland liegen. Wir setzen alles daran, auf diese Vermögenswerte Zugriff zu nehmen."

Bis zu 30 Wetten will Sapina am Tag im In- und Ausland platziert haben. Dabei will er nach eigenen Angaben auf einzelne, von ihm als sicher betrachtete - weil manipulierte - Spiele Wettsummen von bis zu 400.000 Euro gewettet haben. Übriggeblieben ist angeblich nichts. "Mal gewinnt man, mal verliert man", so Sapina.

Vielzahl von Rechtshilfeersuchen

Allerdings: Bereits im August 2010 berichtete das ARD-Magazin "Fakt" über ein Wettkonto, das mit einem Geldwert von 1,3 Millionen Euro bestückt ist und über den Wettanbieter Samvo Entertainment Limited mit Sitz in London läuft. Wie nun bekannt wurde, ist dieses Konto auf Sapina gemeldet. Bislang konnte das entsprechende Konto, das sich möglicherweise aus einer unbekannten Zahl an Unterkonten zusammensetzt, aber noch nicht von der deutschen Justiz in Beschlag genommen werden.

Das Unternehmen hat seinen Sitz zwar in London, ist allerdings primär im asiatischen Raum tätig. Über den Leiter des Unternehmens sagte Sapina: "Wir hatten einen gemeinsam verabredeten Manipulationskatalog. Er wusste immer, welche Spiele wie stark manipuliert waren." Wie Sapina bereits in Polizeiverhören gesagt hatte und am Mittwoch vor Gericht bestätigte, nahm der Leiter Wetten an, setzte aber noch höhere eigene Geldbeträge bei anderen Anbietern im kompletten asiatischen Raum.

Das Unternehmen Samvo äußerte sich nun erstmals zu den Vorwürfen. In einem anwaltlich verfassten Schreiben bestreitet das Unternehmen, dass es "zwischen Ante Sapina und Samvo beziehungsweise dem Leiter von Samvo einen gemeinsam verabredeten Manipulationskatalog gegeben habe." Man habe bei Samvo nicht gewusst, welche Spiele wie stark manipuliert waren.

Spezialeinheit "Flankengott" steigt erneut in die Untersuchung ein

Für die Bochumer Justiz hingegen ist Samvo nur eine von mehreren Geldfährten, die die Wettmaipulateure gelegt haben: "Sowohl bezogen auf die Aufdeckung der Straftaten als auch auf die Sicherstellung möglicher Vermögenswerte laufen eine Vielzahl von Rechtshilfeersuchen im europäischen und außereuropäischen Raum. Insbesondere natürlich in Asien. Der Rückfluss ausländischer Vermögenswerte ist jedoch eventuell erst mit einem abschließenden Urteil gegen einen der Angeklagten möglich", sagte Staatsanwalt Bachmann SPIEGEL ONLINE.

Dies hängt insbesondere mit der schwierigen Kooperation mit einzelnen asiatischen Ländern zusammen, in denen die Geldwerte dieses Kontos liegen. Über eventuelle andere versteckte Konten von Sapina gibt es bislang keine Erkenntnisse.

Dabei steigt auch das Kommissariat zur Bekämpfung organisierter Kriminalität mit seiner Spezialeinheit "Flankengott" erneut in die Untersuchung ein. "Sie sind uns eine sehr große Hilfe", sagte Bachmann SPIEGEL ONLINE. Eine etwa 20 Personen starke Gruppe untersucht alle relevanten Geldflüsse der Angeklagten und Beschuldigten.

Bereits 2007 kam der Verdacht auf, Sapina hätte seine finanziellen Ressourcen nicht allumfänglich offengelegt. In diesem Jahr konnte er nämlich die Schadensersatzleistung von insgesamt 1,8 Millionen Euro im Zuge eines Vergleichs nach seiner ersten Verurteilung im Manipulationsverfahren um den DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer an die Deutsche Klassenlotterie in Berlin offenbar problemlos begleichen.

Im Gegensatz zur ursprünglichen Version liegt SPIEGEL ONLINE seit Anfang Mai eine anwaltliche Stellungnahme von Samvo vor, die in der aktuellen Version des Beitrags berücksichtigt worden ist.

insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
egomeabsolvo, 07.01.2011
1. gut gelernt, der mann...
und zwar von Staatssekretären und Politikern. Ein wenig Unterschleif hier und einige Durchstechereien dort, da kommt schon was zusammen. Ich sollte mich wohl wählen lassen als....
manni-two 08.01.2011
2. nur weil die Herde
-auch die akademische- diese "infantile Steinzeit-Belustigung" hochjubelt wird dabei so viel Geld verdient.
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