Spielsüchtiger Ex-Profi Schnitzler "Die Jungs haben eben Zeit und Geld"

Als Profi bei Borussia Mönchengladbach, dem FC St. Pauli und Bayer Leverkusen hatte er beste Karriere-Aussichten. Aber René Schnitzler machte sich durch seine Spielsucht alles kaputt. In dem Buch "Zockerliga" erzählt er, wie es dazu kam. Angefangen hat alles in seiner Zeit bei Gladbach.

Ehemaliger St.-Pauli-Profi Schnitzler: "Im Fußball ist niemand treu"
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Ehemaliger St.-Pauli-Profi Schnitzler: "Im Fußball ist niemand treu"

Von Rainer Schäfer und


Der Trainer heißt Jupp Heynckes, ein Mann der Superlative und in Mönchengladbach ein Leuchtturm. Hinter Gerd Müller und Klaus Fischer steht Heynckes bis heute mit 220 Treffern auf Platz drei der ewigen Torschützenliste der Bundesliga. Er spielte 308 Mal für die Borussia, wurde vier Mal Deutscher Meister, trainierte den Verein dann von 1979 bis 1987 und gewann später als Coach mit Real Madrid die Champions League. Zur Saison 2006/2007 ist Heynckes zu Borussia Mönchengladbach zurückgekehrt, und wenn er die Kabine betritt, müssen die Spieler aufstehen.

Mit diesem Trainer-General lachen sie nicht viel. Dafür lachen sie über ihn. "Heynckes hat ja immer so einen roten Kopf", erzählt René Schnitzler. "Dieses unglaublich knallige Rot. In der Kabine saß ich Wesley Sonck gegenüber, der hat sich kaum eingekriegt, wenn Heynckes gesprochen hat. Ich hab dann immer aufgepasst, dass ich Wesley nicht angucke, sonst musste ich sofort mitlachen. Oft habe ich vorsichtshalber den Pullover übers Gesicht gezogen."

Sie sind jung, sie sind albern, und manchmal sind sie sogar richtig zornig. Der Belgier Sonck bringt eines Tages schwer erbost seinen Steuerbescheid mit in die Kabine. "Was ist diese Scheiß-Kirchensteuer?", will er wissen. Auf seiner Abrechnung hat das Finanzamt mehrere tausend Euro ausgewiesen und einbehalten. Schnitzler lacht, natürlich. Und empfiehlt dem Kollegen, aus der Kirche auszutreten.

Vom Kabinenhandy bekommt die Partnerin nichts mit

Ein größeres Thema als Geld sind Frauen. Manche Spieler schalten am Arbeitsplatz erst einmal ein Mobiltelefon an, das so genannte Kabinenhandy, das für Damen bestimmt ist, von denen die Frau oder feste Freundin nichts wissen soll. Die Kabinenhandynummer geben die Spieler abends weiter, wenn sie mit ein paar Kollegen essen und auch mal länger unterwegs sind, in Mönchengladbach in der "Nachtgalerie" zum Beispiel oder in Düsseldorf in der "Nachtresidenz".

Dass es an solchen Abenden noch mal kurz und nicht allein in ein Hotel geht, das etwas versteckt, aber noch in der Altstadt liegt, ist keine Seltenheit. "Das sind ja fast alles coole Typen, lustfeindlich ist so eine Fußballmannschaft nicht", sagt René Schnitzler. "Im Fußball ist niemand treu", sagt einer seiner damaligen Mannschaftskameraden.

Zur vermeintlich locker leichten Seite des Profilebens zählt auch der Konsum. Schnitzler fährt schon länger, wie er selbst sagt, Autos über seinem Status. Dem 3er-BMW Cabrio folgt ein Porsche Boxster. In dem schwarzen Flitzer hat er bereits einen Unfall überstanden: Auf der A1 in Höhe Wuppertal ist er in die Leitplanke geknallt. Schnitzler langweilt sich schnell, braucht immer neue Wagen, und so besorgt er sich in seiner Zeit in der Gladbach-Reserve einen 330er BMW. Der grau lackierte Sportwagen besitzt eine Sprachsteuerung für Musikanlage und Navigationssystem und ist so ziemlich das Modernste, was man zu dieser Zeit bekommen kann.

"Wenn man 100.000 Euro zu viel auf der Bank hat"

Autos faszinieren Schnitzler bis heute, ohne Mühe kann er noch immer Preise und PS von dutzenden Modellen aufzählen und auch noch die Wagen seiner Kollegen in Leverkusen, in Hamburg, auch in Mönchengladbach. "In der ersten Mannschaft fuhr Oliver Neuville einen Audi R6, Kasey Keller einen großen Landrover, Ze Antonio Mercedes Jeep und Kaspar Bøgelund einen Porsche Carrera."

Doch nicht nur für Autos kann man viel Geld ausgeben, das merkt Schnitzler, der auf teure Klamotten, Schuhe und Schmuck keinen allzu großen Wert legt. An einem Nachmittag, das Training ist vorbei, verkündet Wesley Sonck, er kaufe sich jetzt eine Uhr der Marke Breitling. Der Brasilianer Kahé bekommt das mit und begleitet den Kollegen spontan zum Nobeljuwelier. Beim nächsten Training präsentieren sie stolz ihren Kauf: Beide tragen ein Chronometer der Schweizer Luxus-Marke. "Die Jungs haben eben Zeit und Geld", sagt Schnitzler im Rückblick und klingt dabei, als sei das bei ihm anders gewesen. "Und wenn dann einer los geht, kommt eben ein anderer mit und greift auch zu. So ist das, wenn man 100.000 Euro zu viel auf der Bank hat."

100.000 Euro zuviel allerdings, da liegt tatsächlich ein Unterschied, hat René Schnitzler nicht auf dem Konto. Er verdient in Mönchengladbach 5000 Euro brutto - als Fußballspieler. Das Zocken wird ihm zum ständigen Nebenerwerb und gleichzeitig zum Hauptverlust. Sie tippen wie verrückt, und in der Kabine klebt Schnitzler die gewonnenen Wettscheine mit Tape an die Wand über seinem Platz. Es sind seine Trophäen, und die sollen bewundert werden.

Fußballwetten sind ein großes Thema in der Mannschaft, man vergleicht und fachsimpelt. "War ja auch gar nicht verboten damals", sagt Schnitzler. "Heute dürfen Profis nicht mehr selbst wetten. Aber sie machen es, das ist zumindest meine Erfahrung, natürlich trotzdem."

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wolltsnursagen 29.08.2011
1. Audi R6
Na so viel Ahnung scheint der Herr nicht zu haben. Ein solche Fahrzeug gibt es von Audi nicht.
meymer, 29.08.2011
2. Thema verfehlt?
Nun, der Autor scheint hier ein bisschen das Thema verfehlt zu haben - oder jemand hat da viel, zu viel drin herum gekürzt: Was sich als Leidensgeschichte eines Spielsüchtigen oder als Buchbesprechung auftut, wird dann zur Anekdotensammlung aus dem Herrenfussball, die im Vorspann angekündigten Inhalte jedenfalls kommen kaum zur Sprache. Man erfährt weder etwas über die Gründe, Realisierungen und Auswirkungen der Spielsucht (ist´s denn überstanden?), noch liest man etwas über die schriftstellerischen Qualitäten der Refeklektion... Oder ich habe den Buttom zum S. 2 nicht gefunden.
jamsn 29.08.2011
3. Ein Matchbox-Fachmann, der Herr Schnitzler
"Mercedes Jeep", Eine schöne Symbiose. Sähe interessant aus...
Werner655 29.08.2011
4. Schade drum...
Zitat von meymerNun, der Autor scheint hier ein bisschen das Thema verfehlt zu haben - oder jemand hat da viel, zu viel drin herum gekürzt: Was sich als Leidensgeschichte eines Spielsüchtigen oder als Buchbesprechung auftut, wird dann zur Anekdotensammlung aus dem Herrenfussball, die im Vorspann angekündigten Inhalte jedenfalls kommen kaum zur Sprache. Man erfährt weder etwas über die Gründe, Realisierungen und Auswirkungen der Spielsucht (ist´s denn überstanden?), noch liest man etwas über die schriftstellerischen Qualitäten der Refeklektion... Oder ich habe den Buttom zum S. 2 nicht gefunden.
Schade drum, denn eigentlich liest es sich so, als wenn man tatsächlich mal einen relativ ungefilterten Eindruck in die Internas der Marke "Profifußball" erhalten würde. Doch in der Tat, scheint das dem SpOn-Redakteur nicht genug zu sein. Eine reißerische Headline, die sich dann im Text verliert, eine Ansammlung von immerhin mit Namen versehenen Anekdoten: Wie es weiter geht, wird uns nicht verraten. Das hätte dem Schreiber doch gelingen können. Doch ihm war die Überschrift das Wichtigste - der Klicks wegen?
TheShark0815 29.08.2011
5. Aw
Zitat von wolltsnursagenNa so viel Ahnung scheint der Herr nicht zu haben. Ein solche Fahrzeug gibt es von Audi nicht.
Wie recht Sie haben ;-) http://autos.maxabout.com/cars/audi/r6/r6 Sieht aus wie Jeep Grand Cherokee 2011 :-) http://www.4wheelfun.de/news/top-neuheit-jeep-grand-cherokee-der-mercedes-von-jeep-1567633.html Ansonsten kann ich mich nur Werner & meymer anschließen. Ich habe mir von den Artikel mehr versprochen und werde das Buch sicher mal anlesen.
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