Spitzenreiter BVB Stark in der Liga, zu schwach für Europa

Die Meisterschaft ist Borussia Dortmund kaum noch zu nehmen, jetzt laufen die Planungen für die neue Saison: Weil der Club künftig in der Champions League spielt, muss er personell kräftig aufstocken. Ein Überblick über die Transfer-Kandidaten.

AP

Hamburg - Jetzt ist sie da, die Katastrophe bei Borussia Dortmund. Zumindest, wenn man Trainer Jürgen Klopp glaubt. Der hatte mit Blick auf die verletzungsbedingte Auswechslung seines Mittelfeldstrategen Nuri Sahin im Spiel gegen den SC Freiburg gesagt: "Wenn er länger ausfallen würde, wäre das eine Katastrophe." Die Diagnose lautet: Teilabriss des Innenbandes im rechten Knie. Damit ist die Saison für Sahin gelaufen.

Von einer Katastrophe, das weiß Klopp, ist Dortmund trotzdem weit entfernt. Denn der BVB wird auch ohne den 22-jährigen Sahin Deutscher Meister, auch wenn die Stadt noch keine Titelfeier geplant hat. Zu groß ist in der Tabelle der Vorsprung auf Verfolger Bayer Leverkusen.

Bedingt durch Sahins Ausfall kann Klopp am kommenden Samstag in Mönchengladbach (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) eine Formation für die kommende Saison testen, wenn er dann ohne den türkischen Nationalspieler auskommen muss. Dass der defensive Mittelfeldspieler im Sommer zu Real Madrid wechselt, wird nämlich immer wahrscheinlicher.

Kurzfristig steht Sebastian Kehl als Ersatz für Nuri Sahin bereit

Die spannende Aufgabe für Klopp wird aber nicht nur sein, kurzfristig Ersatz für Sahin zu finden. Da stünde mit Sebastian Kehl, 31, ein erfahrener Spieler bereit. Der BVB braucht vor allem mit Blick auf die kommende Saison dringend neue Spieler, nicht nur für Sahins Position.

In Deutschland gibt es derzeit kein besseres Team. Doch für den internationalen Wettbewerb ist der Kader in der Breite nicht gut genug besetzt.

Maximal 15 Spieler des BVB haben internationale Klasse beziehungsweise die Anlagen für dieses Prädikat. Zu wenig, um in der kommenden Saison die Dreifachbelastung aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League wegzustecken. Mögliche Verletzungen und Sperren, von denen der BVB in dieser Spielzeit weitgehend verschont geblieben ist, wären kaum zu kompensieren. Wozu das führen kann, musste Bremen in dieser Saison leidvoll erfahren. Zwar spielte Werder in der Königsklasse, befand sich in der Liga aber wochenlang in akuter Abstiegsgefahr und ist bis heute nicht endgültig gerettet - die Folge von Verletzungen und einer misslungenen Transferpolitik.

BVB braucht neue Spieler in allen Mannschaftsteilen

Mindestens fünf Neue braucht der BVB, in allen Mannschaftsteilen hat der Club Bedarf. Zumindest auf der Suche nach Ersatz für Sahin ist Dortmund fündig geworden. Ilkay Gündogan soll für rund sechs Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg kommen. "Wir würden ihn gerne verpflichten", hatte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke unlängst gesagt. Auch der Hamburger SV war an dem Deutsch-Türken interessiert. In der Hansestadt hat man sich aber längst damit abgefunden, dass er wohl nach Dortmund wechselt.

In der Abwehr braucht der BVB Ersatz für Linksverteidiger Dede, 33, der den Club nach 13 Jahren verlassen muss. Daher steht nur noch Marcel Schmelzer, 23, für diese Position bereit. Ideal wäre ein linker Abwehrspieler, der auch in der Innenverteidigung spielen könnte. Da hat Klopp mit Mats Hummels, Neven Subotic und Felipe Santana zwar erstklassige Spieler. Aber das Beispiel FC Bayern hat in dieser Saison gezeigt, dass drei Innenverteidiger bei der Dreifachbelastung zu wenig sein können.

Auch das offensive Mittelfeld der Borussia ist qualitativ nicht ausreichend besetzt. Zwar sind Mario Götze, Kevin Großkreutz und Shinji Kagawa hochveranlagte Spieler. Aber sie werden nicht immer durchgehend auf einem derart hohen Niveau spielen wie in dieser Saison. Personelle Entlastung auf ähnlichem Level bringt höchstens Jakub Blaszczykowski. Mohamed Zidan konnte auf der zentralen Position hinter der Spitze ebenso wenig überzeugen wie der an den VfB Stuttgart ausgeliehene Tamás Hajnal. Robert Lewandowski spielt lieber im Sturm und wird dort auch dringend gebraucht.

Daher soll Gladbachs Marco Reus ganz oben auf der Einkaufsliste von BVB-Manager Michael Zorc stehen. Rund acht bis zehn Millionen Euro dürfte der 21-Jährige kosten, der mit Gladbach kaum den wahrscheinlichen Weg in die Zweite Liga antreten wird. Was für einen Wechsel zum BVB spricht: Reus ist gebürtiger Dortmunder, wurde in der Jugend der Borussia ausgebildet. Zudem soll sich der Club mit dem Kroaten Ivan Perisic (22 Jahre) vom FC Brügge über einen Wechsel einig sein. Der Mittelfeld-Allrounder kostet rund sechs Millionen Euro Ablöse.

Im Sturm hat Klopp in Lucas Barrios und Lewandowski nur zwei Spieler von Format. Die restlichen Angreifer im Kader taugen nicht für internationale Aufgaben: es sind unbekannte Talente wie etwa der 20-jährige Marco Stiepermann. Ideal wäre bei Klopps 4-2-3-1-System mit einem Stoßstürmer ein Typ wie Miroslav Klose, der schon mit der Borussia in Verbindung gebracht wurde.

Für den 32-jährigen Klose des FC Bayern spricht seine Erfahrung. Gegen ihn das wohl opulente Gehalt, das den finanziellen Rahmen der in der Sanierung befindlichen Borussia sprengen würde. Die Neuen des BVB müssen nämlich finanziell und menschlich zu diesem Team passen, das seinen Erfolg einer funktionierenden Einheit, eines überragenden Kollektivs zu verdanken hat. Für Trainer Klopp und Manager Zorc wird es die wohl größte Aufgabe werden, die Statik des in dieser Saison so gut austarierten Gefüges BVB nicht zu zerstören. Gelingt das nicht, könnte es tatsächlich noch eine Katastrophe geben.

insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
Boesor 18.04.2011
1. -
Alles in allem nicht ganz falsch, aber warum wird hier Zidan die Klasse abgesprochen? ich hoffe doch dem Autor ist nicht entgangen was für großartige Spiele Zidan letzte Saison ablieferte. Und das er danach verletzt war.
frubi 18.04.2011
2. .
Zitat von sysopDie Meisterschaft ist Borussia Dortmund kaum noch zu nehmen, jetzt laufen die Planungen für die neue Saison: Weil der Club*künftig in der Champions League spielt, muss er*personell kräftig aufstocken. Ein Überblick über die Transfer-Kandidaten. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,757661,00.html
Oh man. Selbsternannte Fußballexperten orakeln wieder. Wer hat denn vor dieser Saison mit einer solchen Leistung des BVB gerechnet? Wieso sollen die mit ihrer Spielweise nicht auch Manschaften wie Ajax, Lyon oder Tottenham schlagen. Natürlich bleiben die großen Brocken unantastbar aber Schalke hat gezeigt, wie man es macht. Wenn Zorc alle Mann beisammen halten kann wüsste ich nicht, was gegen eine erfolgreiche CL-Saison sprechen könnte. Außer so eine Hammergruppe wie die von Milan und Real. Aber die Auslosung kommt ja noch.
atlanterra 18.04.2011
3. Typisch...
Deutsch !! Dortmund ist noch gar nicht Meister aber für Europa schon zu schwach. Was machen denn dann Leverkusen und München, die 8 bzw. 15 Punkte hinter Dortmund liegen. Den ganzen Kader austauschen ? Kritisieren Sie Dinge doch erst dann, wenn sie eingetreten sind und nicht so weit im voraus. Sie waren doch auch die, die Schalke vor Wochen noch tot gesagt haben und heute..?? Eine Jubelarie nach der anderen..!!
WhereIsMyMoney 18.04.2011
4. ...
Zitat von sysopDie Meisterschaft ist Borussia Dortmund kaum noch zu nehmen, jetzt laufen die Planungen für die neue Saison: Weil der Club*künftig in der Champions League spielt, muss er*personell kräftig aufstocken. Ein Überblick über die Transfer-Kandidaten. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,757661,00.html
Es ist einfach nicht zu glauben. Immer das Gleiche. Kaum wird ein Team Meister wird es durch Abgänge geschwächt. Stuttgart mit Hildebrand, Wolfsburg mit Magath und jetzt Dortmund mit Sahn. Sehr schade für die Bundesliga.
sommerfrische, 18.04.2011
5. Kehl
'Da stünde mit Sebastian Kehl ein erfahrener Spieler bereit' Schön wärs. Wieviele Spiele hat der die letzten Jahre gemacht? Der spielt dreimal und ist dann wieder 18 Monate verletzt. Der BVB wird sang- und klanglos in der Vorrunde ausscheiden.
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