Spitzenreiter Dortmund Aus der Krise zur Meisterschaft

Vier aus sechs: Das ist Dortmunds Formel für den Titel. Gewinnt der BVB vier der verbleibenden sechs Partien, ist er Deutscher Meister. Und nach dem klaren Sieg über Hannover gibt es daran kaum noch Zweifel. Dabei drohte die kleine schwarz-gelbe Krise kurzzeitig eine große zu werden.

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Die Deutsche Meisterschaft ist entschieden. Zumindest nach Meinung von Mirko Slomka. "Lieber Kloppo, ich muss dir leider zum Titel gratulieren", sagte Hannovers Trainer zu Jürgen Klopp, Coach von Borussia Dortmund, nach dem 4:1-Heimsieg des BVB gegen 96. Von einer Entscheidung im Kampf um die Meisterschaft wollte Klopp jedoch nichts wissen. "Diese Glückwünsche kommen hundertprozentig zu früh", entgegnete er mit einem gequälten Lächeln. Es war ein misslungener Versuch der Abmoderation.

Wenn es eines letzten Beweises bedurfte, dass der Deutsche Fußballmeister 2011 einzig und allein Borussia Dortmund heißen wird, dann wurde er an diesem 28. Spieltag geliefert. Denn die Art und Weise, wie der BVB die Partie gegen Hannover drehte, wie das Team dem immensen Druck standhielt, war schlicht meisterlich.

Um die Leistung des jungen Dortmunder Teams gegen Hannover richtig einordnen zu können, muss man drei Wochen zurückgehen. Vor dem 26. Spieltag führte der BVB die Tabelle mit zwölf Punkten vor Verfolger Bayer Leverkusen an. Die Frage damals war nicht ob, sondern wann der BVB die Meisterschale überreicht bekommen würde.

Aus der Mini-Krise drohte beim BVB die Riesen-Krise zu werden

Doch dann folgte eine Dortmunder Niederlage in Hoffenheim (0:1) und ein Remis der Borussia daheim gegen Mainz (1:1). Leverkusen hingegen feierte Siege in Mainz (1:0) und gegen Schalke (2:0). Plötzlich waren es nur noch sieben Punkte, die den BVB und Bayer trennten. Das Wort Mini-Krise tauchte im Dortmunder Umfeld auf und erhöhte den Druck auf das Team.

Und dann traf Hannovers Mohammed Abdellaoue in der 57. Minute auch noch zum 1:0 für die Gäste. Die Dortmunder wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, ob Verfolger Leverkusen in Kaiserslautern führt. Aber sie wussten: Verlieren sie auch gegen Hannover, würde aus der Mini-Krise die Riesen-Krise werden.

Doch in Dortmund gibt es keine Krise mehr, weder eine große noch eine kleine. Weil das Klopp-Team trotz seiner Jugend und Unerfahrenheit gegen 96 unter Druck im Stile eines Spitzenteams zurückschlug. Binnen fünf Minuten drehten Mario Götze (59.) und Lucas Barrios (64.) mit ihren Treffern die Partie. Für einen am Ende klaren Sieg sorgten erneut Barrios (73.) und Kevin Großkreutz (83.).

Dortmund braucht noch vier Siege aus sechs Spielen bis zum Titel

"Wir wollten ein Zeichen setzen und Gas geben", sagte Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels. Und Großkreutz ergänzte: "Das hat gutgetan heute." In den Worten der beiden Nationalspieler schwang unüberhörbar Erleichterung mit. Denn die Freude über den eigenen Sieg war auch deshalb so groß, weil Leverkusen seinerseits in Kaiserslautern gewann. Doch der 22-jährige Hummels demonstrierte nach dem 20. Dortmunder Saisonsieg sogleich das wiedergefundene BVB-Selbstvertrauen: "Solange wir unsere Spiele gewinnen, interessieren uns die Ergebnisse von Leverkusen nicht."

Sechs Spiele sind noch zu absolvieren, maximal 18 Punkte kann jedes Team noch holen. Dortmund hat sieben Zähler Vorsprung vor Leverkusen. Bedeutet: Gewinnt der BVB noch vier Partien, ist er Deutscher Meister.

"Ich bin normalerweise ein sehr optimistischer Mensch. Aber ich kann nicht unsere nächsten sechs Gegner ignorieren", sagt Klopp mit Blick auf derlei Rechenspiele. Sein Team muss zunächst beim Hamburger SV antreten, spielt dann gegen Freiburg, in Mönchengladbach, gegen Nürnberg, in Bremen und empfängt am letzten Spieltag Eintracht Frankfurt. Leverkusen tritt daheim gegen den FC St. Pauli an, spielt dann beim FC Bayern, gegen Hoffenheim, in Köln, gegen den HSV und schließlich beim SC Freiburg.

Das Restprogramm ist für Dortmund und Leverkusen ähnlich schwer - oder leicht. Ein BVB mit der mentalen Stärke, wie er sie gegen Hannover zeigte, ist klar in der Lage, vier dieser sechs Spiele zu gewinnen. Und selbst wenn das nicht gelingen sollte, muss Leverkusen erst einmal in allen seinen sechs ausstehenden Partien als Sieger vom Platz gehen.

Wie man die Zahlen der Tabelle und Namen der Gegner dreht und wendet: Die Ausgangslage von Borussia Dortmund ist hervorragend - auch wenn sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nach dem Sieg über 96 in kloppschem Understatement versuchte: "Diese drei Punkte waren wichtig. Die Qualifikation für die Champions League wird uns nunmehr schwer zu nehmen sein." Die Meisterschaft auch.

Borussia Dortmund - Hannover 96 4:1 (0:0)
0:1 Abdellaoue (57.)
1:1 Götze (59.)
2:1 Barrios (64.)
3:1 Barrios (73.)
4:1 Großkreutz (83.)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels (80. Felipe Santana), Schmelzer - Sven Bender, Sahin - Götze (84. da Silva), Lewandowski (70. Blaszczykowski), Großkreutz - Barrios
Hannover: Fromlowitz - Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Christian Schulz (60. Chahed) - Schmiedebach (76. Carlitos), Pinto - Stindl, Rausch (46. Schlaudraff) - Ya Konan, Abdellaoue
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
Zuschauer: 80.720 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Götze - Schmiedebach (7), Chahed (2)

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
ErekoseSK 02.04.2011
1. Solange..
Zitat von sysopVier aus sechs: Das ist Dortmunds Formel für den Titelgewinn. Gewinnt der BVB vier der verbleibenden sechs Partien, ist er Deutscher Meister. Und nach dem klaren Sieg über Hannover gibt es daran kaum noch Zweifel. Dabei drohte die kleine schwarz-gelbe Krise kurzzeitig eine große zu werden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,754710,00.html
Leverkusen weiterhin gewinnt, wird aus den Medien ständig Druck aufgebaut!
Koltschak 02.04.2011
2. Vier aus sechs....
...am nächsten Spieltag geht es erst einmal wieder verloren. Der HSV gewinnt.....! Der HSV ist ein anderes Kaliber als Hannover! Ein ganz anderes. 31. Spieltag verliert Dortmund in Gladbach. Als erste Spitzenmannschaft und schon ist Leverkusen nur noch 1 Punkt zurück! Ja und dann kommt der 33. Spieltag, da verliert Dortmund in Bremen.....! Und Leverkusen zieht vorbei!
kahabe 02.04.2011
3. Vizemeister für Jahrtausende
Zitat von ErekoseSKLeverkusen weiterhin gewinnt, wird aus den Medien ständig Druck aufgebaut!
Es sollte sich allmählich herumgesprochen haben, das die Bayer 04 Leverkusen GmbH auch im nächsten Jahrtausend keine deutsche Fußballmeisterschaft gewinnt. Da sei auch die Ballspielverein Borussia 09 AG, Dortmund, vor. Den Pokal der UEFA-Championsleague mögen sie ja irgendwann mal gewinnen. Dafür reicht "Vizekusen". Ansonsten, ich freue mich am 30. Mai über die 7. Meisterschaft, endlich gleich mit d e n Westfalen, die 2013 dann 50 Jahre Bundesliga ohne Meisterschaft feiern. Ich drücke ihnen den Daumen, das sie vielleicht o. g. Pokal dieses Jahr gewinnen und das Pokalendspiel in Berlin gegen die rheinischen Zebras sowieso. Ma Kucken!
amarildo 03.04.2011
4. glueckwuensche
Zitat von sysopVier aus sechs: Das ist Dortmunds Formel für den Titelgewinn. Gewinnt der BVB vier der verbleibenden sechs Partien, ist er Deutscher Meister. Und nach dem klaren Sieg über Hannover gibt es daran kaum noch Zweifel. Dabei drohte die kleine schwarz-gelbe Krise kurzzeitig eine große zu werden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,754710,00.html
Aus der weiten Ferne wuensche ich dem BVB alles Gute. Nach 47 Jahren unterstuetzung bin ich bereit eine weitere Meisterschaft zu feiern. Uebers Internet bin ich immer dabei.
WhereIsMyMoney 03.04.2011
5. ....
Zitat von sysopVier aus sechs: Das ist Dortmunds Formel für den Titelgewinn. Gewinnt der BVB vier der verbleibenden sechs Partien, ist er Deutscher Meister. Und nach dem klaren Sieg über Hannover gibt es daran kaum noch Zweifel. Dabei drohte die kleine schwarz-gelbe Krise kurzzeitig eine große zu werden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,754710,00.html
Dortmund tat sich schwerer als erwartet. Die werden ganz sicher nicht vier Spiele gewinnen. Aber das müssen sie ja auch nicht, denn Leverkusen wird nicht alles geinnen. An der Meisterschaft zumindest gibt es keine Zweifel.
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