Spitzenspiel gegen Bayern Juves Kovac muss draußen bleiben

Das hatte er sich ganz anders vorgestellt: In München noch gesetzt, sitzt Robert Kovac bei Juventus Turin - auf der Ersatzbank. Auch beim Champions-League-Duell mit seinem Ex-Club muss der Verteidiger von draußen zuschauen. Die Konkurrenz ist zu stark, Kovacs Hoffnung auf einen Stammplatz vage.

Von Pavo Prskalo


Die Äußerung seines Trainers muss für Robert Kovac wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. "Bayern ist jetzt in der Verteidigung sehr viel besser", urteilte Fabio Capello, Coach von Juventus Turin, vor den diesjährigen Duellen mit dem Deutschen Meister über dessen Defensive. Ein dickes Lob für Valérien Ismaël, der vor der Saison für acht Millionen Euro zu den Bayern gekommen war und inzwischen auf der Position spielt, die Kovac vergangene Runde noch besetzte.

Juve-Verteidiger Kovac (r.): "Anders vorgestellt"
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Juve-Verteidiger Kovac (r.): "Anders vorgestellt"

Sonst hat sich nicht viel getan in der Bayern-Defensive. Außen verteidigen weiterhin die Franzosen Willy Sagnol und (wenn gesund) Bixente Lizarazu, in der Innenverteidigung der Brasilianer Lucio. Auch Bayern-Manager Uli Hoeneß ist sich nach Kovacs Abgang sicher: "Wir sind in der Innenverteidigung jetzt noch stärker."

Und Kovac? Ausgerechnet Capello holte ihn vor der Saison nach Turin und setzt ihn dort nun zumeist nur auf die Bank - als Ersatz für die gesetzten Fabio Cannavaro und den französischen Welt- und Europameister Lilian Thuram. Beim Hinspiel zwischen Bayern und "Juve" vor 14 Tagen in der Allianz-Arena (2:1) durfte Kovac wieder nicht aufs Feld, ebenso wenig wie am Samstagabend beim Duell mit dem AC Mailand. "Ich habe mir das hier schon etwas anders vorgestellt", sagt der kroatische Nationalspieler, der zu Beginn der Saison noch bekräftigte, dass er "hier vor niemanden Angst" habe und daraufhin einen bis 2008 dotierten Vertrag unterzeichnete.

Doch trotz angenommenen Konkurrenzkampfes wird Kovac heute (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen seine alten Mannschaftskameraden wohl wieder nicht auflaufen dürfen, auch wenn Capello von den Fähigkeiten seines Manndeckers überzeugt ist. "Ich weiß, er ist ein grundsolider Verteidiger, stark im Duell eins gegen eins", so der 59-Jährige. Lobende Worte für Kovac, der neben finanziellen Gründen auch wegen der geringen Wertschätzung für Abwehrspieler in der Bundesliga nach Italien, dem Land des "Cattenaccio", gewechselt ist. "Ich denke, es wird sicherlich mit zweierlei Maß gemessen. Denn anscheinend werden Verteidiger nicht so hoch eingeschätzt wie andere Spieler", hatte Kovac noch zu seiner Zeit beim FC Bayern, der die Gehaltsforderungen des Verteidigers nicht erfüllen wollte, geklagt.

Warten auf die Chance

In Italien bekommt er nun Anerkennung, auch wenn er meist auf der Reservebank Platz nimmt. Sechs Spiele in der Serie A und einen Einsatz in der Champions League hat Kovac vorzuweisen. Mitspieler Cannavaro lobt Kovac als "sehr erfahren", ausgestattet "mit gutem Stellungsspiel". "Seine Art zu spielen ist ziemlich deutsch. Wenn nötig, dann haut er den Ball eben auf die Tribüne.", so Cannavaro. Dennoch weiß auch der Italiener, dass Kovac nur zweite Wahl ist. "Der Trainer setzt auf Thuram und mich. Wir stellten im letzten Jahr die beste Abwehr Italiens, und das wird auch in dieser Saison so sein."

Anscheinend reichen Kovacs Fähigkeiten - hartes Zweikampfverhalten und Schnelligkeit - nicht für einen Stammplatz beim Rekordmeister der Serie A. Im Kopfballspiel und vor allem in der Spieleröffnung hat Kovac klare Nachteile gegenüber Cannavaro und Thuram. Einzig wenn Trainer Capello dem inzwischen 33-jährigen Thuram eine Auszeit gönnt, darf Kovac mitmischen.

Aber Kovac will kämpfen, so wie er es schon immer in seiner Karriere getan hat. Aufgewachsen als Gastarbeiterkind in Berlin wechselte er 1995 als 21-Jähriger in die Zweite Liga zum 1. FC Nürnberg. Bereits ein Jahr später wagte er den Sprung zu Bayer Leverkusen. Nur 13 Spiele absolvierte er für die Werkself in seinem ersten Jahr, doch bereits in der darauffolgenden Saison etablierte er sich an der Seite von Jens Nowotny und debütierte 1999 sogar in der kroatischen Nationalelf, für die er inzwischen 51 Mal auflief und sich jüngst für die WM 2006 qualfizierte. 2001 dann der Wechsel nach München, und egal ob die Nebenbuhler Thomas Linke, Sammy Kuffour oder später Lucio und Martin Demichelis hießen - Trainer Ottmar Hitzfeld stellte zumeist Kovac auf.

Bei Juventus scheint die Konkurrenz derzeit noch übermächtig, doch Kovac wird auf seine Chance warten, wie er es einst in Leverkusen getan hat - nur nutzen muss er sie.



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