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23. Juli 2011, 13:47 Uhr

Sport-Reaktionen nach Anschlägen in Norwegen

"Alles andere erscheint nebensächlich"

Trauer, Spielabsagen und Schweigeminuten: Norwegische und internationale Sportler reagieren nach den Attentaten in und um Oslo geschockt und zeigen ihr Mitgefühl.

Oslo - Als erstes reagierte der norwegische Fußballverband (NFF) auf die Anschläge: Alle für dieses Wochenende angesetzten Spiele der ersten und zweiten Liga wurden abgesagt. "Das ist ein Zeichen des Respekts an alle, die von diesem schrecklichen Desaster betroffen sind", heißt es in einer Mitteilung des NFF.

Den Clubs aus den unteren Ligen und den zuständigen Regionalverbänden wurde es freigestellt, ob sie spielen wollen. Wann die ausgefallenen Begegnungen nachgeholt werden, wird im Laufe der nächsten Woche entschieden.

In Deutschland lief der Gladbacher Fußballprofi Havard Nordtveit aufgrund der Terroranschläge beim Testspiel am Samstag gegen den englischen Erstligisten FC Sunderland (0:0) mit Trauerflor auf. Der 21-Jährige stammt aus Norwegen.

"Dies geschieht auf Nordtveits eigenen Wunsch", sagte Borussias Pressesprecher Markus Aretz. Nordtveit wolle so seine Verbundenheit zur norwegischen Bevölkerung und den Angehörigen der Opfer dokumentieren, so Aretz.

Der deutsche Meister Borussia Dortmund und Pokalsieger FC Schalke 04 werden vor dem Supercup am Samstag eine Schweigeminute für die Opfer der Anschläge in Norwegen einlegen. Das teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit. Auch bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Kassel erhob sich das Publikum, um eine Schweigeminute abzuhalten.

"Es bricht mir das Herz"

Die norwegischen Radprofis Thor Hushovd und Edvald Boasson Hagen fuhren bei der Tour de France am Samstag mit Trauerflor. "Ich bin völlig am Boden zerstört von dieser Tragödie. Es bricht mir das Herz und es lässt all das, was wir hier machen, nebensächlich erscheinen. Ich werde die Tour fortsetzen und für alle Norweger fahren", sagte Hushovd. Boasson Hagen fügte an: "Es ist so unreal, hier in Frankreich zu sein und nur in den Medien zu erfahren, was passiert."

Zudem wurde im norwegischen Sandnes ein Biathlon- und Skilanglauffestival abgesagt. "Wir haben uns angesichts der Tragödie zu diesem Schritt entschlossen", sagte Veranstaltungsleiter Odd Langhelle. Vor allem die Schießübungen beim Biathlon seien zu diesem Zeitpunkt unangemessen. Für das Blink-Festival hatten neben den Norwegern Ole Einar Bjørndalen, Emil Hegle Svendsen und Tarjei Bø auch die deutschen Biathleten Michael Greis, Simon Schempp, Andreas Birnbacher, Tina Bachmann und Miriam Gössner gemeldet.

Der norwegische Skirennfahrer Aksel Lund Svindal, der gerade in Schweden im Urlaub ist, meldete sich im Internet zu den Anschlägen zu Wort: "500 Kinder rennen um ihr Leben und versuchen, sich auf einer kleinen Insel vor einem Killer zu verstecken. Das ist so falsch. Gebt ihnen Kraft und Unterstützung", twitterte er. Zudem forderte der Olympiasieger und Weltmeister via Twitter Menschen mit der Blutgruppe Null auf, im Ullevål Hospital Blut zu spenden.

Im deutschen Sport lösten die Massaker ebenfalls Trauer aus. "Das ist alles sehr tragisch, was in Norwegen passiert ist. Das lässt unsere Aktivitäten in einem ganz anderen Licht erscheinen", sagte der deutsche Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster. Vor dem Wettkampf in Zakopane gedachten die Springer und Zuschauer mit einer Schweigeminute der Anschlagsopfer.

leh/dapd/dpa/sid/Reuters

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