Sport und Politik Sinisa Mihajlovic drohte mit Rücktritt

Weil sein Name für die anstehende Wahl in Serbien missbraucht werden sollte, wollte der "beste Freistoßschütze der Welt" seine Karriere in Jugoslawiens Nationalmannschaft beenden. Der Verbandschef sprach von einem Missverständnis.


Rom - Der sportpolitische Skandal um einen angeblichen Beitritt des jugoslawischen Fußballstars Sinisa Mihajlovic in die Sozialistische Partei Serbiens (SPS) von Regierungschef Slobodan Milosevic hat am Freitag ein Ende gefunden. Nach Angaben von Branko Bulatovic, Generalsekretär des jugoslawischen Fußball-Verbandes, ist der bei Lazio Rom unter Vertrag stehende Mihajlovic nicht in die SPS eingetreten. Nach einem Telefonat mit dem 31-jährigen Italien-Legionär stellte Bulatovic klar, dass der Mittelfeldspieler weiter für die jugoslawische Nationalmannschaft spielen werde und damit auch für die EM zur Verfügung steht.

Mihajlovic hatte seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft angedroht, falls die Regierung von Präsident Slobodan Milosevic nicht den kolportierten Beitritt in die SPS dementiert. "Mihajlovic war und ist ein Patriot geblieben, der sich nicht mit der Politik beschäftigen und keiner Partei, somit auch nicht der SPS angehören möchte", sagte Bulatovic nach einem Telefongespräch mit dem Spieler.

Regierungsnahe jugoslawische Medien hatten am Donnerstag berichtet, dass Mihajlovic eine SPS-Beitrittserklärung unterzeichnet habe. Das SPS-Führungsmitglied Nikola Sainovic hatte sogar angekündigt, der Fußballstar solle auch eine Funktion in der Partei von Milosevic bekommen.

"Das ist eine Fälschung, ich habe mehrere Papiere unterzeichnet, vielleicht hat man mir etwas untergeschoben", erklärte Mihajlovic zu den Gerüchten. Er habe lediglich Unterlagen für den Pass des "Sportbotschafters" ausgefüllt. "Ich liebe mein Land, aber ich bin weder für Milosevic, noch für jemand anderen", sagte der Mittelfeldspieler, der vermutet: "Angesichts der nahen Wahlen will man vielleicht meinen Namen nutzen."



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