Sportliche Talfahrt Bielefeld trennt sich von Saftig

Die Krise in Bielfeld spitzt sich zu: Heute gab die Arminia die Trennung von Sportdirektor Reinhard Saftig bekannt. Der Abstiegskandidat hatte sich im Dezember von seinem Trainer getrennt und wartet seit vier Spielen auf den ersten Punkt unter Michael Frontzeck.


Bielefeld - Die Trennung wurde mit sofortiger Wirkung vollzogen. Das entschied das Arminia-Präsidium in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat. Man plane die nächste Spielzeit mit einer neuen sportlichen Leitung, deshalb sei Saftig mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt, hieß es in einer Pressemitteilung. Ein Nachfolger für ihn stehe noch nicht fest, hieß es in der Erklärung des Vereins.

Ex-Armine Saftig: Nachfolger unbekannt
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Ex-Armine Saftig: Nachfolger unbekannt

"Wir sind mit der sportlichen Situation nicht zufrieden. Wir haben uns dazu entschieden, die nächste Saison mit einer neuen sportlichen Leitung anzugehen. Da wir uns in der Planungsphase befinden, haben wir jetzt gehandelt", begründete Arminia-Präsident Hans-Hermann Schwick die Entscheidung.

Saftig war zuletzt bei den Fans wegen der Verpflichtung von Trainer Michael Frontzeck schwer in die Kritik geraten. "Als kleines Weihnachtsgeschenk" wollte Saftig damals den Fans den früheren deutschen Nationalspieler schmackhaft machen, die Realität sieht unterdessen anders aus. Unter Frontzeck schied die Arminia im DFB-Pokal in Jena aus und verlor alle vier Rückrundenspiele. In der Tabelle hat der Club nur noch einen Punkt Vorsprung auf die Abstiegsränge. Der Vertrag von Saftig, der seit Juni 2005 für die Arminia arbeitete, war erst im November vergangenen Jahres bis 2010 verlängert worden.

Die Bielefelder Fans waren nach der 0:2-Niederlage gegen Aufsteiger MSV Duisburg auf die Barrikaden gegangen und hatten den Rauswurf von Saftig und Frontzeck gefordert. Dem Wunsch der Fans wurde im Fall Saftig sogleich entsprochen, das Bekenntnis zu Frontzeck fällt ebenfalls sehr verhalten aus. "In Rostock wird Frontzeck auf der Bank sitzen", sagte Schwick, zu weitergehenden Treueschwüren ließ sich der Arminen-Boss nicht hinreißen.

Saftig verließ unterdessen heute kommentarlos das Trainingsgelände und war zu keiner Stellungnahme bereit. Eine glückliche Figur hatte der 56-Jährige in seiner 32-monatigen Amtszeit ohnehin nicht abgegeben. So hatte sich Saftig schon mit den vorherigen Trainern Thomas von Heesen und Ernst Middendorp überworfen. Das Fass zum Überlaufen hat nach Informationen der "Bild"-Zeitung das Fehlen Saftigs bei einer Krisensitzung nach dem Duisburg-Spiel gebracht.

Mit dem Krisenmanagement tat sich Saftig sichtlich schwer. Nach der letzten Pleite räumte er ein, "keine Argumente mehr zu haben". Am Stuhl des Trainers, den er im Alleingang verpflichtet hatte, wollte Saftig nicht rütteln, stattdessen kündigte er Konsequenzen für die Mannschaft an. Das Bielefelder Präsidium, das die Entscheidung in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat fällte, beantwortete die Schuldfrage indes ein wenig anders. Dabei dürfte der Abschied des langjährigen Bundesligatrainers die Arminen teuer zu stehen kommen. Erst im November vergangenen Jahres wurde der Kontrakt mit dem Geschäftsführer Sport bis 2010 verlängert. Auch der Vertrag von Middendorp wies - den Klassenerhalt vorausgesetzt - eine Laufzeit bis 2010 auf.

Am 10. Dezember hatte sich der Bundesligist aus Westfalen von Trainer Ernst Middendorp aufgrund der anhaltenden sportlichen Talfahrt getrennt. Der gefeuerte Fußballlehrer hatte nach seiner Entlassung scharf gegen Saftig geschossen und gefragt: "Wer hat denn das Arminenherz? Herr Saftig?"

Middendorp war am 14. März aus Südafrika nach Bielefeld zurückgekehrt und hatte den Club mit vier Siegen in Folge am Ende der vergangenen Saison (30. bis 33. Spieltag) vor dem Abstieg gerettet.

mig/sid



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Seite 1
kleinerJudas 26.02.2008
1. weit darf die Rivalität gehen?
rivalität darf soweit gehen, daß niemand zu schaden kommt, ist doch logisch. die sache mit der tribüne im giesinger find ich weltklasse. hausfriedensbruch hin oder her, das hat absolut einen kreativen touch. ich lach mit tot, wenn die blauen ihre 2te von der rot-weißen tribüne anfeuern. hehe
sehrgut77 26.02.2008
2.
wirklich eine exzellent witzige variante, auch wenn ich auf der anderen seite stehe. dass sechzger fans auf einer rot-weissen tribüne stehen werden halte ich aber für ein gerücht. am ende des tages sind solche angelegenheit zwar straftatbestände, aber eben auch brauchtumspflege.
Knütterer, 26.02.2008
3. Fan = FANatismus
Zitat von sysopBemalte Tribünen, beschmierte Vereinshäuser - immer wieder kommt es zwischen Anhängern verfeindeter Fußballclubs zu Attacken. Wie weit dürfen die Rivalitäten gehen?
Hallo, aus meiner Sicht als Mainzer-Fan darf ich sagen. dass sich auch in Mainz die Fan-Welt in Teilen verändert hat! Nicht mehr die allgegenwärtige Glückseligkeit ist prägend für die Fan-Gruppen, sondern auch ein rauer Ton, der sich gelegentlich durch Ruppigkeit gegenüber den Gästen der gegnerischen Mannschaft zeigt. Auch die Fan(atiker) der Gäste sind nicht zimperlich, wenn es drum geht, einem erkennbaren Anhänger der Mainzer mal ein paar Schlüsselstriche um´s Autoblech zu ziehen. Zum Glück sind allerdings solche Aktionen, wie die in München hier (noch) fast undenkbar!
Klymer 26.02.2008
4.
Zitat von kleinerJudasrivalität darf soweit gehen, daß niemand zu schaden kommt, ist doch logisch. die sache mit der tribüne im giesinger find ich weltklasse. hausfriedensbruch hin oder her, das hat absolut einen kreativen touch. ich lach mit tot, wenn die blauen ihre 2te von der rot-weißen tribüne anfeuern. hehe
so? und wenn die 60er fans die kurve der fcb-ler blau bemalten, finden sie das genauso lustig?
klumpenhund 26.02.2008
5.
Zitat von sysopBemalte Tribünen, beschmierte Vereinshäuser - immer wieder kommt es zwischen Anhängern verfeindeter Fußballclubs zu Attacken. Wie weit dürfen die Rivalitäten gehen?
Das klingt ja fast, als käme das täglich vor... Ich finde die Idee mit dem Bemalen gar nicht so schlecht. Niemand wird verletzt und es muss lediglich übergepinselt werden.
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