St. Pauli gegen HSV Ringelpiez mit Anfassen

Die Erwartungen waren groß, doch das Spiel war schlecht. Das Derby zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli endete unentschieden. Nach dem Spiel sorgte HSV-Keeper Frank Rost für Aufsehen: Ihm verlief das Match zu harmonisch.

REUTERS

Von Jan Reschke


Die besten Szenen des Derbys zwischen dem FC St. Pauli und dem Hamburger SV hatte es bereits vor dem Anpfiff gegeben. Choreografien auf den Tribünen beider Fanlager, Papierregen, Gesänge - es herrschte beste Stimmung auf den Rängen am Millerntor. Doch die Vorfreude auf ein hochklassiges Derby erfüllte sich nicht. In einer an Höhepunkten armen Partie trennten sich die Hamburger Teams 1:1 (0:0).

"Das war kein gutes Spiel. Beide Mannschaften haben nicht gut gespielt. Aber unter dem Strich geht das 1:1 in Ordnung", sagte St.-Pauli-Trainer Holger Stanislawski nach dem Spiel. Angefressen wirkte HSV-Keeper Frank Rost nach dem Spiel: "Das war Ringelpiez mit Anfassen. Hätte nur noch gefehlt, dass wir hier mit rosa Röckchen aufgelaufen wären." Ihn störte offenbar mangelnde Aggressivität in seinem Team. "Es hat ja schon vor dem Spiel eine Harmoniestrategie gegeben." Vor dem Spiel ging es allerdings schon zur Sache: Die Polizei setzte bei einer Auseinandersetzung mit HSV-Fans am Hans-Albers-Platz an der Reeperbahn Wasserwerfer ein. Zudem gingen einige Scheiben zu Bruch.

Im Vergleich zum vergangenen Spieltag standen beim FC St. Pauli die beiden offensiven Mittelfeldspieler Max Kruse und Charles Takyi nicht in der Startelf, dafür liefen Florian Bruns und Deniz Naki auf. Beim HSV brachte Trainer Armin Veh den offensiven Außenspieler Eljero Elia für Piotr Trochowski, für Guy Demel lief Tomás Rincón auf.

Bei beiden Teams lief nicht viel zusammen

Der HSV hatte bereits in der vierten Minute die erste große Chance. Carsten Rothenbach blieb nach einem Zuspiel einfach stehen und wartete auf den Ball, doch ehe er bei ihm ankam, hatte ihn HSV-Flügelmann Marcell Jansen schon abgelaufen. Sein Schuss ging allerdings knapp vorbei. In der elften Minute scheiterte auf der Gegenseite Bruns mit einem Kopfball an Torwart Frank Rost.

Der Hamburger SV kontrollierte das Spielgeschehen in der Folge zwar und hatte mehr Ballbesitz, gefährlich wurde es aber nur selten. Beide Mannschaften hielten sich mit Offensivaktionen zurück. Es war zu wenig Bewegung im Spiel. Dennoch hatte St. Pauli phasenweise Schwierigkeiten, die Abwehr zu ordnen. Besonders auf der rechten Abwehrseite taten sich Lücken auf.

Nach vorne lief bei den Gastgebern nichts zusammen, doch auch der HSV versäumte es, nach Ballgewinnen aus aussichtsreichen Kontern Chancen zu erspielen. Rincons Schuss aus der Distanz drei Minuten vor der Pause blieb die einzige Szene, in der St.-Pauli-Torwart Thomas Kessler, der erneut den verletzten Mathias Hain vertrat, gefordert wurde.

Boll trifft zur Führung

Die zweite Hälfte begann mit unverändertem Personal auf dem Feld. Die erste große Gelegenheit hatte St. Pauli. Nach einem Fehler von Keeper Frank Rost kam Rouwen Hennings an den Ball. Seine Flanke verpasste Marius Ebbers nur knapp. Im Anschluss tat sich nicht viel, wobei dem HSV zunehmend die Spielkontrolle entglitt. Trainer Veh reagierte in der 63. Minute und wechselte Paolo Guerrero aus. Für ihn kam Mladen Petric. Beim FC St. Pauli wurde in der 68. Minute Fin Bartels für Bruns eingewechselt.

Das Niveau des Spiel blieb trotzdem schwach. In Strafraumnähe kam keines der beiden Teams, und so plätscherte die Partie vor sich hin. Aufregung kam beim St.-Pauli-Anhang erst wieder auf, als Gerald Asamoah in der 74. Minute für Hennings ins Spiel kam. Noch in derselben Minute hatte Rothenbach die größte Chance des Spiel. Aus der Drehung schoss er den Ball nur wenige Zentimeter am rechten Pfosten vorbei.

Asamoahs Einwechslung machte sich kurze Zeit später bezahlt: Er leitete einen Ball zu Fabian Boll weiter, der ihn mit einem schönen Schuss zum 1:0 ins Tor beförderte (77.). Der Kiez kochte.

HSV-Stürmer Ruud van Nistelrooy hatte kurz darauf mit einem Kopfball die Gelegenheit zum Ausgleich, aber Kessler parierte. Jansens Schuss ging in der 84. Minute aus 18 Metern knapp am Tor vorbei.

Der HSV erhöhte weiter den Druck - und kam zum Erfolg. Der eingewechselte Petric kam rund 18 Meter vor dem Tor des FC St. Pauli an den Ball und erzielte mit einem phantastischen Schuss den Ausgleich (88.). "Von Glück kann da keine Rede sein. Es ist nicht das erste Tor, dass ich so mache", so Petric, der derzeit nicht zufrieden ist mit seinem Status als Einwechselspieler. "Aber ich bin keiner, der Stunk macht. Ich versuche, Gas zu geben und der Mannschaft zu helfen", so Petric. Sein Tor sicherte seinem Team einen Punkt. "Natürlich wären wir lieber mit einem Sieg nach Hause gefahren", sagte er im Anschluss.

Immerhin: Weit dürfte die Rückfahrt nicht gewesen sein.

FC St. Pauli - Hamburger SV 1:1 (0:0)
1:0 Boll (77.)
1:1 Petric (88.)
St. Pauli: Kessler - Rothenbach, Zambrano, Thorandt, Oczipka - Boll, Lehmann - Bruns (67. Bartels), Hennings (73. Asamoah), Naki (84. Kruse) - Ebbers. - Trainer: Stanislawski
Hamburger SV: Rost - Rincon, Westermann, Mathijsen, Jansen - Jarolim (79. Trochowski), Ze Roberto - Pitroipa, Guerrero (63. Petric), Elia (79. Choupo-Moting) - van Nistelrooy
Schiedsrichter: Florian Meyer
Zuschauer: 24.360 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Oczipka, Lehmann - Guerrero, Rincon



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Seite 1
Kanzla87 05.07.2010
1.
Ich hoffe der BVB wird eine ähnlich couragierte Saison wie letztes Jahr spielen. Spannend werden die Fragen, wie der hochgelobte Neuzugang Robert Lewandowski mit Lucas Barrios harmoniert und wie die junge Mannschaft die dreifachbelastung kompensieren kann. Auf eine spannende Saison! PS: Freue mich schon auf das Duell am 1. Spieltag gegen Bayer Ballackkusen...
Klartext007 05.07.2010
2. Hallo?
Zitat von sysopInteressante Newcomer, versierte Veteranen und hochmotivierte Fans brennen auf den Start: Was bringt die kommende Saison 2010/2011 der Fußball-Bundesliga? Was kann Ihr Lieblingsverein erreichen?
Wir sind noch mitten in der WM! Es lebe die Schnelllebigkeit!
de.nada 05.07.2010
3. Hallo, hallo....
Zitat von Klartext007Wir sind noch mitten in der WM! Es lebe die Schnelllebigkeit!
das ist schon lange so... Die WM wird nicht wegen der Bundesliga unterbrochen, keine Sorge. Sie interessieren sich noch nicht so lange für Fußball ?
saul7 05.07.2010
4. ++
Zitat von sysopInteressante Newcomer, versierte Veteranen und hochmotivierte Fans brennen auf den Start: Was bringt die kommende Saison 2010/2011 der Fußball-Bundesliga? Was kann Ihr Lieblingsverein erreichen?
Ich hoffe nicht, dass die Bayern wieder die Liga dominieren und würde mich freuen, wenn es spannender zuginge!
Balla8872 05.07.2010
5. Wie letzte Saison
Zitat von saul7Ich hoffe nicht, dass die Bayern wieder die Liga dominieren und würde mich freuen, wenn es spannender zuginge!
Also so wie letzte Saison^^
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