St. Pauli vs. Schalke Spielabbruch nach Becherwurf

Schwarzer Abend für den FC St. Pauli: Schiedsrichter Deniz Aytekin hat das Bundesliga-Spiel gegen den FC Schalke wenige Minuten vor Schluss abgebrochen. Ein voller Bierbecher aus dem Publikum hatte einen Schiedsrichterassistenten getroffen. Nun drohen dem Club empfindliche Strafen.

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Hamburg - Im Spiel zwischen dem FC St. Pauli und dem FC Schalke 04 am Hamburger Millerntor lief die 88. Minute. Schiedsrichterassistent Thorsten Schiffner beobachtete einen Angriff des Gastgebers, als er plötzlich zusammensackte. Ein voller Bierbecher hatte den 35-Jährigen im Nackenbereich getroffen. Schiedsrichter Deniz Aytekin brach das Spiel daraufhin beim Stand von 0:2 (0:1) ab.

Zu diesem Zeitpunkt war die Partie praktisch entschieden. Dennoch drohen dem Hamburger Club nun Strafen durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB). "So was darf im Fußballstadion nicht passieren", sagte St. Paulis Trainer Holger Stanislawski zu der Szene, "das ist nicht zu erklären."

Später äußerte sich auch Aytekin zu den Geschehnissen und seiner Entscheidung: "Bereits in der ersten Halbzeit sind die Assistenten mit Feuerzeugen und Münzen beworfen worden. Wir hatten überhaupt keinen Spielraum. Diese Aktion alleine reichte völlig aus für einen Spielabbruch." Aytekin kündigte an, die Vorfälle entsprechend zu melden. Am grünen Tisch wird der DFB nun über die Wertung des Spiels entscheiden. Dem Assistenten Schiffner gehe es "den Umständen entsprechend", so Aytekin.

Sportdirektor Helmut Schulte entschuldigte sich im Namen des FC St. Pauli bei Schiffner: "Das ist kein guter Tag für den FC St. Pauli. Wir müssen uns den Ermittlungen stellen", sagte Schulte.

Und St. Paulis Torhüter Pliquett bedauerte: "Das wirft ein ganz schlechtes Licht auf uns." Sein Mannschaftskollege Fabian Boll sagte: "Genauso unnötig wie der Becherwurf ist es doch, das Spiel abzubrechen, wenn nur noch ein paar Minuten zu spielen sind."

Schalke unter Rangnick deutlich offensiver

Doch auch ohne das unschöne Ende wäre St. Pauli an diesem Abend wohl ohne Punkte geblieben. Schalke 04 hatte die Partie zum Auftakt des 28. Spieltags größtenteils im Griff. Unter dem neuen Trainer Ralf Rangnick begann das Team sehr offensiv. Schon kurz nach Anpfiff köpfte Gerald Asamoah nach einem Schalker Freistoß Raúl an, von dessen Kopf der Ball an die Latte prallte. Im Tor hätte Pilquett, der für Thomas Kessler spielte, keine Abwehrchance gehabt (1. Minute). In einer temporeichen Anfangsphase forderten die Gäste in der dritten Minute zudem einen Elfmeter, als St. Paulis Fabian Boll Alexander Baumjohann im Strafraum berührte. Aytekin pfiff jedoch nicht.

In der zehnten Minute verfehlte Baumjohann das Tor um Zentimeter. Edu, der für den verletzen Gavranovic kam, zwang später Pliquett zu einer Glanzparade (25.). Seinen Schuss vom rechten Strafraumeck klärte der Torwart zur Ecke. Farfans Hereingabe verwertete Raúl per Kopf zum 1:0 (26.). Es war das zwölfte Saisontor des Spaniers. Der Torjäger hatte keine Mühe, sich im Strafraum freizulaufen. Von St. Pauli kam bis zur Pause zu wenig, um die erstarkten Gäste in Verlegenheit zu bringen. Für Fin Bartels' Schuss über das Tor (35.) gab es von den etwa 25.000 Zuschauern schon Szenenapplaus.

St. Paulis Aufholjagd binnen einer Minute beendet

Mit deutlich größerer Laufbereitschaft als zuletzt begnete Schalke dem Druck der Hamburger nach der Pause. Die beste Phase der Gastgeber überstand die Rangnick-Elf schadlos. Die Abschlüsse von Takyi (56.) und Kruse (58.) waren zu ungefährlich, einen Treffer von Kruse erkannte Aytekin nicht an. Boll soll Schalkes Torwart Manuel Neuer irritiert haben (65.). Mitten in die Diskussionen um das vermeintliche Tor gelang Schalke mit dem 2:0 die Entscheidung. Eine Flanke von Farfán verwertete der eingewechselte Julian Draxler (66.). Pliquett machte bei dem Gegentreffer keine gute Figur.

Als Jan-Philipp Kalla kurz darauf die Gelb-Rote Karte sah (68.), wurde der Schiedsrichter minutenlang ausgepfiffen. Schalkes Neuer ließ sich von der Atmosphäre nicht beeindrucken und parierte Takyis Weitschuss, der den Nationaltorhüter erstmals vor große Probleme stellte (70.). Und während Schalke bei einem Konter das 3:0 verpasste, Thorandt klärte vor Draxler, schwächte sich St. Pauli weiter selbst. Fin Bartels kassierte nach einem Foul an Farfán die Rote Karte (78.).

Bis in die Schlussphase gelang St. Pauli nichts mehr. Das Team steuerte einer sicheren Niederlage entgegen, als Aytekin wegen des Becherwurfs das Spiel abbrach.

St. Pauli - Schalke 04 0:2 (0:1)
0:1 Raúl (26.)
0:2 Draxler (66.)
St. Pauli: Pliquett - Bartels, Thorandt, Gunesch, Kalla - Boll (77. Bruns), Lehmann - Kruse, Takyi (82. Eger), Hennings (63. Naki) - Asamoah
Schalke: Neuer - Uchida, Höwedes, Metzelder, Sarpei - Kluge (75. Matip), Papadopoulos - Farfan, Baumjohann (46. Draxler) - Gavranovic (7. Edu), Raul
Schiedsrichter: Aytekin
Zuschauer: 24.487 (ausverkauft)
Rote Karte: Bartels (St. Pauli, 78.) grobes Foulspiel
Gelb-Rote Karten: Kalla (St. Pauli, 68.) wiederholtes Foulspiel
Gelbe Karten: Thorandt (7) - Draxler, Papadopoulos (2)

insgesamt 96 Beiträge
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Seite 1
Rom 01.04.2011
1. ?
Alles schön und gut, aber muss man 2 Min. vor Schluss deswegen abbrechen? Klar ein voller Plastikbecher tut auch weh, aber nicht ernsthaft, da kann man auch locker zu Ende spielen und danach eine Strafe verhängen. Verhindern kann man das nie!! Was dieses Überreagieren soll ist mir ein Rätsel. Klar, der Täter gehört bestraft, aber der Abbruch ist doch ein Witz...
mattbarna 01.04.2011
2. 555
Zitat von sysopSchwarzer Abend für den FC St. Pauli:*Schiedsrichter Deniz Aytekin hat das Bundesliga-Spiel gegen den FC Schalke wenige Minuten vor Schluss abgebrochen. Ein voller Bierbecher aus dem Publikum hatte einen Schiedsrichterassistenten getroffen. Nun drohen dem Club empfindliche Strafen.*** http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,754616,00.html
Na das ist aber nix nach dem tollen "Hippie-Verein" St Pauli! Schade, denn ich gönne es den Jungs wirklich, immerhin macht der CLub Einiges anders und vielleicht besser als viele Andere. Hoffen wir das St Pauli durchkommt in der 1. BL. Das Spiel ist aber trotzdem verloren und sollte für Schalke gewertet werden, so leid es mir tut.
Eberschmidt 01.04.2011
3. Verursacherprinzip?
Zitat von sysopSchwarzer Abend für den FC St. Pauli:*Schiedsrichter Deniz Aytekin hat das Bundesliga-Spiel gegen den FC Schalke wenige Minuten vor Schluss abgebrochen. Ein voller Bierbecher aus dem Publikum hatte einen Schiedsrichterassistenten getroffen. Nun drohen dem Club empfindliche Strafen.*** http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,754616,00.html
Warum wird der Club bestraft, wenn ein Zuschauer eine Körperverletzung begeht? Im Sport gelten wohl eigene Regeln. Deshalb gehe ich auch nicht in ein Stadion.
firem 01.04.2011
4. Da kann wohl einer keine Alkohol ab
Noch nicht einmal einen Becher Bier. So wichtig ist der Schiedsrichter für ein Fußballspiel nun dann doch nicht, wie er sich machte. Es wurde doch keiner verletzt. Anpfeifen und sofort wieder abpfeifen und schon wäre die Sache auch geregelt gewesen.
Koltschak 01.04.2011
5. Der Abbruch zwei Minuten vor Schluss ist ein Witz!
Ich habe eins zu drei getippt. Leider fehlten jetzt die zwei Minuten für dieses Ergebnis. Natürlich ist es unverzeihlich, was passiert ist. Aber zwei Minuten vor Schluss hätte der Schiedsrichter nicht abbrechen brauchen. Pauli ist auch so genug gestraft: Abstieg und Abbruch. Beides beginnt mit Ab.... Pauli ist Absteiger Nummero eins. Mal sehen, wer mit geht: Gladbach und Kaiserslautern sind die beiden Topfavoriten!
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