Stadion am Zoo "Die Wuppertaler haben uns nach vorne gepeitscht"

Die großen Tage des Wuppertaler SV sind schon lange her. Heute spielt der Club in der vierten Liga. Im Magazin "11FREUNDE" erinnert sich WSV-Stürmer Günter Pröpper an legendäre Partien im Stadion am Zoo, eisige Winde und euphorische Zuschauer.
Wuppertaler Stadion: "Ein fieser Wind weht im Winter über die Tribünen"

Wuppertaler Stadion: "Ein fieser Wind weht im Winter über die Tribünen"

Foto: Getty Images

Frage: Herr Pröpper, Sie kamen erst mit 27 Jahren zum Wuppertaler SV, trotzdem ist heute das Maskottchen "Pröppi" nach Ihnen benannt.

Pröpper: Vor zwei Jahren hat mich der Verein gefragt, ob ich etwas dagegen hätte. Natürlich nicht. Schließlich ist es eine Ehre, wenn das Maskottchen so heißt, wie mich mein Trainer früher gerufen hat.

Frage: Was empfinden Sie, wenn Sie mit der Schwebebahn am "Stadion am Zoo" vorbei fahren?

Pröpper: Nostalgie. Ich erinnere mich gerne an meine Zeit in diesem Stadion. Vor allem an die erfolgreichen Spiele während unserer Aufstiegssaison 1971/1972.

Frage: Sie schossen damals 60 der insgesamt 137 Tore des WSV.

Pröpper: Eine tolle Zeit. Am Ende der darauffolgenden Saison belegten wir den vierten Platz. Sportlich war das die beste Ära, die dieses Stadion je erlebt hat. Aber schon bevor ich nach Wuppertal gewechselt bin, muss es hier sehr imposant gewesen sein. Es fanden Steherrennen und große Polizeisportfeste statt.

Frage: Sie sprechen die Radrennbahn an. Die befand sich zwischen der Aschebahn und den Zuschauerrängen, auf ihr wurden etliche Weltrekorde aufgestellt. Als Sie 1969 nach Wuppertal wechselten, war das allerdings längst Geschichte.

Pröpper: Richtig. 1954 wurden dort die letzten Steherrennen ausgetragen. Als ich zu den Rot-Blauen kam, hätte man auf dieser maroden Bahn keine Rennen mehr veranstalten können, das wäre lebensgefährlich gewesen.

Frage: Die Rennbahn hatte somit keine Funktion mehr.

Pröpper: Nicht ganz. Wenn eine Partie ausverkauft war, saßen Zuschauer auf der Bahn. Dadurch passten noch mehr Anhänger ins Stadion. Zum Beispiel bei unserem Spiel 1972 gegen Bayern München. Das war an einem Mittwochabend und ging 1:1 aus. Offiziell heißt es, dass damals 38.000 Besucher da waren. Inoffiziell waren es gewiss über 40.000.

Frage: Haben Sie früher auch im Stadion trainiert?

Pröpper: Nein, das haben wir auf einem Ascheplatz nebenan gemacht. Es gab in ganz Wuppertal auch nur zwei Rasenplätze. Im Sommer haben wir manchmal im Stadion trainiert. Dann durften wir den Rasen aber nur mit Turnschuhen betreten. Der Platzwart hatte immer Angst um das Grün.

Frage: Sie haben die Aufstiegsrunde in die Bundesliga 1971/1972 erwähnt. Wie war die Stimmung im Stadion?

Pröpper: Die Euphorie war da, und die Zuschauer haben uns nach vorne gepeitscht. Es ist doch überall dasselbe: Wenn der Erfolg da ist, kommen die Leute. Als wir 1975 abgestiegen sind, blieben die meisten Zuschauer weg und die, die noch da waren, haben uns ausgepfiffen.

Frage: Die Atmosphäre war also nicht unbedingt einladend?

Pröpper: Die Verantwortlichen haben es leider versäumt, die erfolgreiche Zeit zu nutzen, um ein reines Fußballstadion zu bauen. Während normaler Spiele waren die Fans sehr weit von uns Spielern entfernt. Bei ausverkauftem Haus standen sie direkt am Spielfeld. Früher gab es ja noch keine Zäune. Die Besucher waren so nah dran, dass sie einem nach der Partie direkt gesagt haben, was man falsch gemacht hat. Wir haben uns früher mit den Zuschauern unterhalten, so wie heute die Spieler mit den Fernsehleuten auf dem Feld reden.

Frage: Waren die Anhänger während Ihres Abschiedsspiels 1979 auch so nah am Geschehen?

Pröpper: Ja, nach dem Spiel kamen sie aufs Spielfeld und haben mir bei der Ehrenrunde auf die Schultern geklopft. Da lief es mir eiskalt den Rücken runter.

Frage: Gegen wen haben Sie gespielt?

Pröpper: Die andere Mannschaft bestand aus einer Auswahl von ehemaligen Nationalspielern. Günter Netzer, Wolfgang Overath und Wolfgang Fahrian waren extra gekommen. Erst wollte der DFB diese Begegnung nicht genehmigen, weil nur Nationalspielern ein Abschiedsspiel zusteht. Doch aufgrund meiner Bekanntheit hier in Wuppertal haben sie eine Ausnahme gemacht.

Frage: Sie besuchen heute noch Spiele des WSV. Was hat sich über die Jahre im Stadion grundlegend verändert?

Pröpper: Die Kontrollen am Eingang sind mehr geworden. Heute wird jeder einzelne Zuschauer durchsucht, was auch gut ist. Was sich anscheinend nie ändern wird, ist, dass es auf den Rängen unglaublich zieht. Das Stadion ist relativ offen, so dass gerade im Winter ein fieser Wind über die Tribünen weht.

Frage: Sie schauen sich das Spiel also nicht in einer VIP-Loge an. Werden Sie im Stadion erkannt?

Pröpper: Man kennt mich schon. Die Fans sprechen mich an oder wollen ein Foto mit mir machen. Nur die Security am Eingang kennt mich nicht mehr, die durchsuchen mich jedes Mal von Kopf bis Fuß.

Das Interview führte Christian Gail
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