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WM-Stadion-Unglück in São Paulo Die Toten des "Itaqueirão"

1600 Arbeiter schuften unter Zeitdruck auf der Baustelle des "Itaqueirão"-Stadions in São Paulo. Jetzt sind zwei Menschen bei einem schweren Unfall ums Leben gekommen. Der Bau war von Beginn an umstritten. Auch in anderen WM-Städten gibt es Probleme.

Ist der Zeitdruck für den Unfall auf der Baustelle des Itaquera-Stadions in São Paulo mitverantwortlich, bei dem zwei Arbeiter ums Leben kamen? Sieben Monate vor dem Anpfiff zur Fußball-WM in Brasilien wächst die Nervosität auf den Baustellen für die neuen Stadien. 1600 Arbeiter schuften unter Hochdruck an der Errichtung des "Itaqueirão", wie die Arena im Volksmund genannt wird. Sie liegt im Armengürtel der Millionenmetropole am Stadtrand. Hier wird am 12. Juni kommenden Jahres die WM eröffnet.

Viele der Männer arbeiten für Subunternehmen, die von der verantwortlichen Baufirma Odebrecht unter Vertrag genommen wurden. Ein Kran, der ein 500 Tonnen schweres Teil des Stadiondachs angehoben hatte, war offenbar aus dem Gleichgewicht geraten, das Teil war auf einen Hilfskran gestürzt, dabei wurden dessen Fahrer sowie ein weiterer Arbeiter zerquetscht. Auch das Stadion wurde beschädigt. Es wird spekuliert, dass die Verantwortlichen möglicherweise das Gewicht falsch kalkuliert hätten.

Das "Itaqueirão" ist das neue Heimstadion von Corinthians, dem größten Fußballverein von São Paulo. Sein Bau war von Anfang an umstritten. Kritiker werfen Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva vor, einem eingefleischten Corinthians-Fan, dass er den fast 300 Millionen Euro teuren Stadionbau vorangetrieben habe, obwohl ein Neubau nicht nötig gewesen wäre. Das Morumbi-Stadion, die Heimstätte des FC São Paulo, hätte mit weniger Aufwand in eine WM-Arena verwandelt werden können.

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Unfall auf WM-Baustelle: Schock nach Kran-Umsturz

Foto: AP/dpa

Der Bau des "Itaqueirão" wird mit Krediten der staatlichen Sparkasse und der staatlichen Entwicklungsbank BNDES finanziert. Lula verfügt über beste Verbindungen zu dem Baukonzern Odebrecht, der den Zuschlag für die Ausführung erhielt. Ende Dezember soll die Fifa das Stadion abnehmen, laut Odebrecht ist es zu 94 Prozent fertiggestellt. Der Zeitung "Estado de São Paulo" zufolge wird sich die Übergabe jetzt verzögern, weil die Staatsanwaltschaft die Unterbrechung der Bauarbeiten für dreißig Tage anordnen wird.

Das Prestige-Stadion von Corinthians ist nicht die einzige WM-Arena, die voraussichtlich verspätet übergeben wird. Der Südafrikaner Danny Jordaan, verantwortlich für die Organisation der WM vor drei Jahren und Berater des WM-Organisationskomitee der Fifa, klagte gegenüber der BBC, dass insgesamt sechs der zwölf brasilianischen WM-Stadien in Verzug seien. Am kritischsten sei die Situation in Cuiabá, Manaus, Natal und Curitiba, wo die Stadien nicht einmal zu 90 Prozent fertig seien.

Das Organisationskomitee der Fifa will sich am 3. Dezember in Brasilien mit den zuständigen Stellen beraten, die Fifa arbeite bereits an einem Notplan, um die Bauten zu beschleunigen. Es sei nicht auszuschließen, dass die Fifa auf den Baustellen interveniere, so Jordaan.

Wie gereizt die Verantwortlichen reagieren, zeigte sich beim "Itaqueirão": Corinthians-Präsident Andrés Sanchez, der während des Unglücks auf der Baustelle war, soll mit seinen Leibwächtern auf einen Journalisten der Zeitung "Folha de Sao Paulo" losgegangen sein und ihn gezwungen haben, sein Mobiltelefon zu öffnen und sämtliche Bilder zu löschen. Sánchez hat wegen des Todes der beiden Arbeiter eine siebentägige Vereinstrauer angeordnet.

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