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05. Februar 2010, 12:44 Uhr

Stadionstreit

Hoeneß greift 1860 München an

Reizvolle Lokalderbys gibt es in München derzeit nicht, weil der FC Bayern und 1860 München in unterschiedlichen Ligen spielen. Dafür streiten die Clubs vor Gericht. Bayern-Präsident Uli Hoeneß fühlt sich aufgrund einer Klage der 60er "verarscht".

Hamburg - Der Streit zwischen Bayern München und dem Zweitligisten 1860 München um den Anteilsverkauf an der gemeinsamen Arena geht in die nächste Runde. Nachdem 1860 im Dezember eine Klage gegen den FC Bayern eingereicht hatte, weil es sich für den Verkauf seiner Anteile nicht angemessen honoriert fühlte, kritisierte nun Bayern-Präsident Uli Hoeneß den Lokalrivalen: "Wir haben die Löwen nicht absaufen lassen - und jetzt werden wir verarscht", sagte Hoeneß bei einer Talkrunde in Nürnberg.

Hoeneß reagierte mit Unverständnis auf die Klage des Zweitligavereins, der seit dem Verkauf seiner Anteile 2006 nur noch Mieter in der Allianz-Arena ist. "Ich war der Meinung, dass einer, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte einen Vertrag unterschreibt, sich daran auch erinnert", sagte er und wertete das Verhalten der Löwen als Undankbarkeit: "Die haben uns auf den Knien angebettelt: Nehmt unsere Anteile! Es gab nicht wenige Leute, die haben gesagt: Lasst die Löwen absaufen."

Seit 2005 spielen der FC Bayern und 1860 in der gemeinsamen Arena. Die wurde für über 300 Millionen Euro errichtet und war Stätte des Eröffnungsspiels der WM 2006. Im Gegensatz zum deutschen Rekordmeister konnte Zweitligist 1860 München die Kosten aber von Anfang an nicht stemmen. 2006 verkaufte der Verein deshalb seine Stadionanteile für elf Millionen Euro an den FC Bayern. Rund 5,3 Millionen Euro Miete sind seitdem pro Saison fällig.

Stoffers unterstreicht "wirtschaftliche Notwendigkeit"

1860-Geschäftsführer Manfred Stoffers unterstrich dagegen die Berechtigung des gerichtlichen Vorgehens: "Wir führen diesen Prozess aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus", sagte er, "ich kann nicht in einer unnötigen Demuts- und Dankbarkeitshaltung absaufen." Für 1860 gehe es ums Überleben, Dankbarkeit sei "keine Kategorie des Geschäftslebens".

Die Löwen schätzen den Wert der Arena-Anteile auf rund 20 Millionen Euro, erhalten habe man aber nur die Hälfte. Stoffers meldete deshalb erneut Zweifel an, dass der von den Bayern gezahlte Betrag "den guten Sitten" entspreche. "Wir mussten damals zu einem unangemessen niedrigen Preis verkaufen", sagte er weiter. Man habe zum Verkaufszeitpunkt nur die Wahl zwischen "Insolvenz und unannehmbaren Konditionen" gehabt.

50.000 Euro pro Spieltag

Der öffentliche Streit hatte sich an angeblich ausstehenden Zahlungen des TSV 1860 für das Catering in der Arena entzündet. Hoeneß sagte, dass der Zweitligist seit Saisonbeginn nicht mehr das Catering für alle 3000 Business-Sitze bezahle, wie es im Vertrag vereinbart sei, sondern nur für die bei Heimspielen tatsächlich genutzten Plätze. Dies sind weit weniger als 3000. Damit, so Hoeneß, gingen dem FC Bayern pro Spieltag rund 50.000 Euro verloren. Im Herbst reichte Bayern München deshalb eine entsprechende Klage ein.

Im Catering-Streit soll am 24. März eine Entscheidung fallen. Die Vorsitzende Richterin Elisabeth Waitzinger hatte beim Verhandlungsauftakt vor dem Landgericht München angekündigt, dass sie prüfen werde, ob der Mietvertrag von 1860 München mit der Allianz Arena München Stadion GmbH kartellrechtswidrig ist. Die Löwen hoffen, dass Mangels einer anderen Spielstätte ein Monopol seitens der Stadion GmbH besteht.

ceb/sid/dpa

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