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Häme für Ronaldo "Die Prinzessin ist traurig"

Die spanische Presse macht sich lustig über Cristiano Ronaldo - weil der Superstar geklagt hatte, er fühle sich bei Real Madrid nicht wohl. Auch Barça-Legende Carlos Rexach meldet sich mit reichlich Spott zu Wort.

Hamburg - "Ich bin traurig, und der Verein weiß es schon." Diese und weitere kryptische Aussagen von Cristiano Ronaldo zu seinem Gemütszustand haben in Spanien jede Menge Reaktionen hervorgerufen. Dem Superstar von Real Madrid schlägt vor allem Häme entgegen. "Die Prinzessin ist traurig", titelte etwa die spanische Tageszeitung "El Mundo". Und "La Vanguardia" bezeichnete das Jammern als "launisch und unangebracht".

Spieler- und Trainerlegende Carlos Rexach vom FC Barcelona reagierte mit Sarkasmus auf die Äußerungen von Ronaldo: "Wenn Cristiano traurig ist, sollten die Menschen auf die Straße gehen und weinen", sagte er im spanischen Fernsehen. Ronaldo habe alles, was man sich wünschen könne: "Er kann vom Leben nicht mehr erwarten. Er ist fit, gut gebaut, hat Geld, Erfolg und ist einer der besten Spieler der Welt. Ich weiß nicht, was er noch will."

Über die genauen Gründe für die Traurigkeit Ronaldos herrscht nach wie vor Rätselraten. "Es geht nicht um persönliche Dinge, sondern um professionelle", hatte der mit 94 Millionen Euro Ablöse teuerste Spieler der Fußball-Geschichte nach dem 3:0-Sieg seines Teams gegen Granada am Sonntagabend gesagt.

Laut spanischen Medien soll der Portugiese bereits mit Real-Präsident Florentino Pérez gesprochen und diesen gebeten haben, ihn gehen zu lassen. Der 27-Jährige fühle sich angeblich nicht mehr wohl im Real-Kader, weil er in Madrid die aus seiner Sicht angemessene Wertschätzung vermisse.

Rückendeckung von Mannschaftskollege Kaká

Doch nicht nur das: Ronaldo soll unzufrieden über den Modus der Kapitänswahl bei Real sein, die sich nach der Dauer der Vereinszugehörigkeit richtet. Zudem habe er bei der offiziellen Meisterfeier nicht den Pokal ins Bernabéu-Stadion tragen dürfen. Diese Ehre genossen Kapitän Iker Casillas und Sergio Ramos. Ronaldo selbst wurde bei den Feierlichkeiten trotz seiner 46 Tore in 38 Ligaspielen nicht gesondert geehrt. Für die Torjägerkrone hatte es für Ronaldo trotz des Topwerts nicht gereicht, Lionel Messi traf im Barça-Trikot in 37 Spielen 50-mal.

Von seinem brasilianischen Mitspieler Kaká erhielt Ronaldo Rückendeckung: "Cristiano hat die volle Unterstützung des Teams, und das weiß er ganz genau. Wir brauchen ihn, er ist ein enorm wichtiger Spieler für Real Madrid, und er soll hier glücklich sein."

Das war Ronaldo im Juni wohl auch noch, als er verkündete: "Wenn man mich fragen würde, würde ich für die nächsten zehn Jahre unterschreiben." Eine Reaktion des Clubs auf dieses Statement blieb jedoch aus. Dafür wurden Mannschaftskollegen wie Angel Di María oder Alvaro Arbeloa mit neuen Verträgen ausgestattet. Zudem hatte Real-Profi Marcelo gesagt, Torwart Casillas hätte die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres verdient gehabt, die am Ende Andrés Iniesta vom FC Barcelona gewann. Ronaldo wurde von Marcelo mit keinem Wort erwähnt. Auch das dürfte den Portugiesen gekränkt haben.

ham/sid
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